Burkhard Henning: Es gibt keinen Grund für Panik

ASCHERSLEBEN/MZ. - Beide konstatieren, dass der Herbst 2009 regenreich gewesen, die Böden gesättigt seien. Anette Westermann von der "Bürgerinitiative naturnaher Hochwasserschutz Selke" meint, dass durch ein "gezieltes Hochwassermanagement" im Oberlauf mittlere und größere Selke-Hochwasser verhindert werden könnten, indem einige der 20 Harzteiche "sinnvoll für den Hochwasserschutz" genutzt werden. Doch die Teiche seien gefüllt, die "Chance, den Unterlauf vor Hochwasser zu schützen, ist wieder ...

Von PETRA KORN 21.01.2010, 15:50

Beide konstatieren, dass der Herbst 2009 regenreich gewesen, die Böden gesättigt seien. Anette Westermann von der "Bürgerinitiative naturnaher Hochwasserschutz Selke" meint, dass durch ein "gezieltes Hochwassermanagement" im Oberlauf mittlere und größere Selke-Hochwasser verhindert werden könnten, indem einige der 20 Harzteiche "sinnvoll für den Hochwasserschutz" genutzt werden. Doch die Teiche seien gefüllt, die "Chance, den Unterlauf vor Hochwasser zu schützen, ist wieder vertan".

Annette Westermann wirft die Frage auf, ob so der Bevölkerung der Millionen-Bau der Rückhaltebecken Straßberg und Meisdorf plausibel gemacht werden solle und fordert die Planer der Bauwerke auf, sich "jetzt um Hochwasserschutz" zu bemühen und die Argumente der Bürgerinitiative für einen naturnahen Hochwasserschutz (diese fordert einen Hochwasserschutz ohne Rückhaltebecken bei Meisdorf - d. R.) "nicht vom Tisch zu fegen". Die Harzteiche können "in keiner Weise" einen Hochwasserschutz für das Selketal gewährleisten, sagte Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, der MZ. Die Teiche hätten für den Hochwasserschutz keine große Bedeutung, "das ist erwiesen", verwies er auf eine entsprechende Studie. "Die Hochwasserschutzräume in den Harzteichen sind auf die Werte angepasst worden, die die Studie ergeben hat. Und so werden die Teiche auch betrieben."

Auf den im Januar gefallenen Schnee anspielend, wirft Wolfram Babinecz die Frage auf, wie Selketal und -aue auf die Möglichkeit vorbereitet sind, dass plötzlich Tauwetter, vielleicht noch im Verein mit einer Regenfront, einsetzt. "Gar nicht", stellt er fest und richtet den Blick auf den Selkelauf beispielsweise in Alexisbad. Hier sei in dem von Ufermauern eingefassten Selkebett "die Hälfte mit Sandbänken, Gestrüpp und Bäumen zugewachsen". Eine ähnliche Situation herrscht in Ermsleben. Wolfram Babinecz kritisiert zudem, dass im Uhlenbachtal, einem "wichtigen Zulauf aus dem Ramberggebiet", durch den Landesbetrieb bis heute ein Hochwasserrückhalt "abgelehnt" werde, obwohl dieser, trotz des geplanten Rückhaltebeckens bei Straßberg, für Silberhütte, Alexisbad und Mägdesprung "sehr wichtig wäre".

Ein Hochwasserrückhalt im Uhlenbachtal ist nicht möglich aufgrund des Bergbaus, sagte Burkhard Henning. "Das ist alles untersucht worden." Wie auch der Bürgerinitiative bekannt sei, seien in den vergangenen Jahren Varianten über Varianten geprüft worden, nicht zuletzt, weil man sich im Selketal in einem Flora-Fauna-Habitat-Bereich befinde. "Fakt ist: Der erforderliche Schutz für ein HQ 100 (ein Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre auftritt - d.R.) ist nur machbar mit den beiden Rückhaltebecken." Der einzige andere Weg wäre ein Ausbau der Selke selbst in den Ortslagen, also ein Abriss und ein Verrücken von Bebauungen - und das wäre auch aus Kostengründen nicht darstellbar. Wie der Direktor des Landesbetriebes hinzufügte, liegen die Unterlagen für die beiden Rückhaltebecken derzeit beim Landesverwaltungsamt.

Wie Edmund Werner vom Flussbereich Halberstadt des Landesbetriebes erklärte, wurde im Herbst in allen Selkeorten eine Gewässerschau durchgeführt, bei welcher alle Arbeiten, die erforderlich sind, festgehalten wurden. Diese müssten den Naturschutzbehörden vorgelegt werden, um hier ein Einvernehmen herzustellen. Dass hier Bedarf an Arbeiten bestehe, sei bekannt. "Wir können das aber nur machen, wenn es umweltverträglich ist. Was wir aus fachlicher Sicht als richtig ansehen, muss auch aus naturschutzrechtlicher Sicht beurteilt werden", erläuterte Edmund Werner. "Ohne dieses Einvernehmen machen wir uns strafbar wegen unerlaubter Arbeiten an Gewässern." Edmund Werner hofft, dass in der Zeit bis Februar / März noch einige Gehölzpflegearbeiten durchgeführt werden können. "Wir haben durchgehend für die Ortschaften von Güntersberge bis Hausneindorf Maßnahmen innerorts vorbereitet. Wir sind bereit, diese auch auszuführen."

Die derzeitige Witterungssituation "ist noch kein Grund, um Panik zu machen", schätzt Burkhard Henning ein, der auch keine hohe Vernässung im Herbst sieht: "Die Gewässer sind vor dem Wintereinbruch alle unter Mittelwasser gewesen." Und auch der Schnee, der viel erscheine, "weil wir es lange nicht so erlebt haben, ist nicht dramatisch".