Teststationen im Raum Aschersleben

„Bitte einmal Maske zur Seite und kräftig schnauben“

MZ-Volontärin macht die Probe aufs Exempel und testet die Teststationen. Ganz neu im Spektrum der Möglichkeiten: der Abstrich im kleinen Freckleben.

MZ-Volontärin Kristina Hammermann lässt sich testen. Was für ein Gefühl ist das? Foto: Frank Gehrmann

Freckleben/Aschersleben - Das gelbe Dorfgemeinschaftshaus in Freckleben sieht recht unscheinbar aus. Zumindest lässt sich nicht sofort erkennen, dass man sich jetzt auch hier in der Domäne 3 auf das Coronavirus testen lassen kann. Keine Wegweiser, keine Beschilderung – nur ein Zettel direkt vorm Eingang im Glaskasten weist darauf hin: Antigen-Schnelltests mittwochs von 9.30 bis 12.30 Uhr im Saal.

Im Gebäude folge ich als Ortsfremde zaghaft dem dunklen Gang auf der Suche nach dem großen Saal. Im Foyer führt eine Treppe mit angebautem Lift hinauf. Die großen Flügeltüren zum Saal stehen offen. Doch Vorsicht: Die Tür, die sich genau gegenüber vom Treppenende befindet, ist der Ausgang.

Ein Wegekonzept ist eine von vielen Voraussetzungen für eine Schnelltest-Station, damit sich die Menschen mit Abstand begegnen. Der Eingang mit einem Desinfektionsmittelspender ist rechts daneben. Im Saal begrüßen mich zwei Testerinnen vom Arbeiter-Samariter-Bund freundlich und in Vollschutz.

Ein paar Wegweiser zur Teststation in Freckleben wären schön

Vorher anmelden musste ich mich nicht – konnte ich auch nicht, denn es gibt weder eine Telefonnummer noch eine Webseite. Anders ist das in Aschersleben: Im Test-Drive-In am Ballhaus geht’s nur mit Termin und in der Breiten Straße ist sowohl ein geplantes, als auch ein spontanes Testen möglich (MZ berichtete). Im Seeland gibt es aktuell keine Schnelltest-Station.

Es ist mittags halb zwölf – ich bin die einzige Testwillige in der neu eröffneten Station in Freckleben. „Vor Ihnen waren aber schon elf Leute da“, erzählt Gabriele Spottog, die mich rechtsherum zu dem mit Laken abgetrennten Testbereich führt. Während ich auf einem der beiden Teststühle Platz nehme, hält mir die 71-jährige Frecklebenerin eine Taschentuch-Box hin: „Bitte einmal Maske zur Seite und kräftig schnauben, damit die Nase frei ist.“

Anschließend drückt sie mir ein laminiertes Kärtchen in die Hand mit der Nummer fünf – so viele Tests können sie parallel machen. „Auch wenn Sie gerade alleine hier sind, wollen wir das ordentlich machen“, betont die Rettungsassistentin, die extra eine Prüfung ablegen musste, um überhaupt Antigen-Schnelltests durchführen zu dürfen.

Stäbchen rein ins eine Nasenloch, dann ins andere – ich bekomme den Abstrich kaum mit, weil ich mich auf die Liste des Prüfungswissens konzentriere: „Ich musste beispielsweise Fragen beantworten rund ums Infektionsgeschehen, Testverfahren, -Analyse und Rechtliches“, zählt sie auf.

Während ich mich weiter entgegen dem Uhrzeigersinn durch den Raum zum Warteplatz an den angekippten Fenstern bewege, träufelt die 71-Jährige eine Lösung auf das Stäbchen, was zuvor entlang meiner Naseninnenwände gewandert ist und stellt den Timer: 15 Minuten.

„Sollte der Test positiv sein, wird das dem Gesundheitsamt übermittelt und Sie müssen einen PCR-Test machen.“

Gabriele Spottog, Arbeiter-Samariter-Bund

Obwohl ich schon Schnelltest-erprobt bin und es mir körperlich gut geht, werde ich doch etwas aufgeregt. Was ist, wenn ich positiv bin? Ich gehe gedanklich die vergangenen Tage durch und überlege, wo ich gewesen bin und wen ich getroffen habe. „Sollte der Test positiv sein“, so Gabriele Spottog, „wird das Ergebnis dem Gesundheitsamt übermittelt und Sie müssen einen PCR-Test machen lassen.“ Wer allerdings Erkältungssymptome aufweist, solle vorm Schnelltest lieber den Hausarzt um Rat bitten.

Was sagt die Uhr? Noch zehn Minuten. In Aschersleben musste ich bisher nicht vor Ort warten, sondern habe das Ergebnis 20 Minuten später aufs Handy geschickt bekommen. Hier geht es nur analog. Dafür sei die Infrastruktur in Freckleben gar nicht da, aber auch nicht nötig. Einerseits können 15 Minuten ziemlich lang sein, andererseits vertreibt der nette Plausch mit Gabriele Spottog die Zeit – fehlen nur noch Kaffee und Kuchen.

Eigentlich ist die Rettungsassistentin im Ruhestand, betreut aber ehrenamtlich fünfmal die Woche verschiedene Teststationen – neben Freckleben auch in Hettstedt. „Ich finde, das ist eine gute Sache“, so die 71-Jährige. Während wir auf das Testergebnis geduldig warten, erzählt die Rentnerin von sich und ihrer Arbeit. Beispielsweise wie sie auch Sterbenskranke beim sogenannten Wünschewagen-Projekt begleitet, der ihnen einen langersehnten Wunsch erfüllt.

„Wir sind echt froh, dass das alles geklappt hat.“

Gabriele Spottog, ASB

Außerdem erzählt Gabriele Spottog, wie sie zusammen mit Annemarie Rockmann die Teststation im Ort initiiert hat. „Wir sind echt froh, dass das alles geklappt hat.“ Denn es sind einige Voraussetzungen zu erfüllen, um solch eine Station in Eigenregie beim Gesundheitsamt zu registrieren und genehmigt zu bekommen.

Die Selbsttests in Freckleben werden vom ASB gestellt, anschließend können die Kosten von der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes zurückgeholt werden. Und auch Testwillige haben den Frauen vor Ort bereits ein kleines Geschenk für ihr Engagement mitgebracht oder Kleingeld in die Spendendose des Wünschewagens gesteckt.

Getestet - und alles gut.
Foto: Gehrmann

Für Bürgerinnen und Bürger sind die Tests kostenfrei – auch mehrmals pro Woche. „In Hettstedt sind Montage und Freitage beliebt – denn viele wollen am Wochenende gern jemanden besuchen“, erzählt Gabriele Spottog. Hier in Freckleben nutzen die Testwilligen das Angebot etwa vor einem Impf- oder Friseurtermin. Eine Empfehlung, wann und wie oft man sich testen lassen solle, gibt es auf MZ-Nachfrage beim Salzlandkreis nicht.

Piiiep! 15 Minuten sind um. Yippie! Der Test ist negativ! Doch ehe ich mir euphorisch die Maske vom Gesicht reiße, verwarnt mich Gabriele Spottog: „Das Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme!“ An die AHA-Regeln muss ich mich also trotzdem halten. Denn selbst, wenn ich andere wohl nicht gefährde, kann ich mich ja immer noch anstecken oder der Test könnte falsch negativ sein. Und so könnte ich wiederum – ganz unbewusst – das Virus an andere weitergeben. Für den Moment aber fühle ich mich etwas sicherer. (mz/kh)