Krank, abgestorben

Auf Friedhof Aschersleben müssen fast 100 Bäume gefällt werden: Im Frühjahr 2021 sollen neue gepflanzt werden

Aschersleben - Bis Ende des Jahres will der Bauwirtschaftshof dem Denkmalschutzamt ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Geländes vorlegen - denn der Friedhof ist ein Flächendenkmal. Das Konzept betrifft die Bepflanzung, Wege, Mauern, Gebäude und die Flächennutzung.

Von Max Hunger 26.02.2020, 12:56

Wer in den vergangenen Wochen über den Ascherslebener Friedhof gegangen ist, hat sie sicherlich gesehen: farbige Kreuze auf vielen der Bäume auf dem Gelände. André Könnecke, Leiter des Bauwirtschaftshofes, haben hierzu kürzlich viele Nachfragen von besorgten Friedhofsbesuchern ereilt. Was bedeuten die Markierungen – wird es einen Kahlschlag auf dem Friedhof geben?

Könnecke kann die Gemüter beruhigen: Zwar sollen vieler dieser Bäume Ende des Jahres gefällt werden, schon im Frühjahr will der Bauhof an anderer Stelle jedoch neue pflanzen. „Die markierten Bäume sind entweder krank, abgestorben oder sie wurden in der Vergangenheit wild gepflanzt“, sagt der Bauhof-Leiter.

Bauwirtschaftshof arbeitet am Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Friedhofes

Das Ziel: Die Bäume sollen wieder dort angepflanzt werden, wo sie auf der ursprünglichen Anlage einmal standen. Über 1.000 Bäume haben die Mitarbeiter des Bauwirtschaftshofes dazu erfasst und bewertet. Etwa 100 von ihnen sollen gefällt werden. Hintergrund der Aktion: ein Gesamtkonzept, das den Friedhof in den kommenden Jahren grundsätzlich verändern wird.

Bis Ende des Jahres will der Bauwirtschaftshof dem Denkmalschutzamt ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Geländes vorlegen - denn der Friedhof ist ein Flächendenkmal. Das Konzept betrifft die Bepflanzung, Wege, Mauern, Gebäude und die Flächennutzung.

Bereits im April steht die erste Maßnahme an: In der Nähe der Kriegsgräber werden sechs neue sogenannte Olearien entstehen. Vier der tropfenförmigen Flächen für Urnengräber gibt es bereits - doch die sind belegt.

„Die Nachfrage ist weiterhin da“, sagt Könnecke. Bis zum Sommer sollen die Grabflächen fertig sein. In dem so entstehenden Oleariengarten will der Bauhof außerdem eine Ruhezone mit Bänken, Wasserspiel und Pavillon einrichten. „Wir wollen weg von den vielen einzelnen Bänken.“

Im Süden des Friedhofs an der Kapelle soll ein neuer Garten entstehen

Für das kommende Jahr gibt es ebenfalls schon Pläne: Im Süden des Friedhofs, im Bereich der Kapelle, soll ein Kapellengarten entstehen. Auf der derzeit nicht genutzten Fläche plant Könnecke ebenfalls, Urnengräber anzulegen. In Anlehnung an das Gebäude kann sich der Bauwirtschaftshof-Leiter auch christliche Symbole als Thema für den Garten vorstellen. „Die kommen auf unserem Friedhof bisher etwas zu kurz.“

Langfristig planen Könnecke und seine Mitarbeiter im Rahmen des Denkmalkonzeptes auch die Nutzung der Gebäude umzustrukturieren. So soll die ehemalige Leichenhalle, die derzeit als Abstellraum genutzt wird, zum Verwaltungsgebäude werden. Da dann deutlich mehr Räume zur Verfügung stünden, hat Könnecke noch eine Idee: Die Einrichtung eines Friedhofscafés.

Dass der Friedhof sich in den kommenden Jahren so stark verändern wird, ist auch dem Wandel der Bedingungen geschuldet. Bis 2040 wollen die Betreiber einen Großteil der Grabflächen entwidmen. Laut Könnecke werden von den derzeit 16 Hektar dann noch sechs als Grabfläche erhalten bleiben. Der Rest kann dann als Parkanlage genutzt werden. „Der Friedhof wird deutlich kleiner werden.“

Grabfläche wird schrumpfen

Der Grund: Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein pflegefreies Urnengrab. Das betrifft jetzt schon über 70 Prozent der Gräber. Im Vergleich zu Särgen nehmen die Urnen deutlich weniger Fläche ein. Könnecke möchte den Friedhof daher langfristig zu mehr Parkatmosphäre umbauen.

„Wir wollen den Friedhof aufgrund der Entwicklung mehr in die Mitte des Lebens unserer Besucher holen.“ Die Umbaumaßnahmen will der Bauwirtschaftshof nur mit Gebühren finanzieren - ohne Fördermittel. „Ziel ist natürlich, die Gebühren stabil zu halten“, sagt Könnecke. Die Umstrukturierung werde deshalb einige Jahre in Anspruch nehmen. (mz)