Aschersleben

Aschersleben: 400 Stunden auf der Schiene

Aschersleben/MZ. - Bremse anlegen, deutet der Wagenprüfer dem Lokführer und prüft, ob das System reibungslos funktioniert. Funktioniert! Kurze Verständigung - einschließlich der Besonderheiten - über die gesamte Zuglänge und weiter geht's. Steffen König guckt ganz genau hin. Er ist Ausbilder und die fachpraktische Ausbildung für Wagenprüfer auf dem weitläufigen Gelände des Eisenbahnclubs Aschersleben voll im Gange. "Jeder Zug muss, bevor er auf die Strecke geht, auf Betriebssicherheit und Verkehrstauglichkeit überprüft werden", erklärt König, "im Falle eines Schadens hat der Wagenprüfer entsprechend zu reagieren - er entscheidet, ob ein Waggon mitläuft." Ein Zug kann bis zu 740 Meter lang sein. "Der Beruf des Lokführers ist ein sehr anspruchsvoller. 25 Prüfungen stehen allein im Rahmen der Ausbildung an - und auch danach kommt er nicht zur Ruhe. Bedingt durch die hohe Verantwortung, die Lokführer über Mensch und Material haben", weiß Joachim Dub, Leiter der Ausbildung und stellvertretender Geschäftsführer bei der A.V.G. Bildung in ...

Von Susanne Thon 13.08.2012, 18:09

Bremse anlegen, deutet der Wagenprüfer dem Lokführer und prüft, ob das System reibungslos funktioniert. Funktioniert! Kurze Verständigung - einschließlich der Besonderheiten - über die gesamte Zuglänge und weiter geht's. Steffen König guckt ganz genau hin. Er ist Ausbilder und die fachpraktische Ausbildung für Wagenprüfer auf dem weitläufigen Gelände des Eisenbahnclubs Aschersleben voll im Gange. "Jeder Zug muss, bevor er auf die Strecke geht, auf Betriebssicherheit und Verkehrstauglichkeit überprüft werden", erklärt König, "im Falle eines Schadens hat der Wagenprüfer entsprechend zu reagieren - er entscheidet, ob ein Waggon mitläuft." Ein Zug kann bis zu 740 Meter lang sein. "Der Beruf des Lokführers ist ein sehr anspruchsvoller. 25 Prüfungen stehen allein im Rahmen der Ausbildung an - und auch danach kommt er nicht zur Ruhe. Bedingt durch die hohe Verantwortung, die Lokführer über Mensch und Material haben", weiß Joachim Dub, Leiter der Ausbildung und stellvertretender Geschäftsführer bei der A.V.G. Bildung in Aschersleben.

Seit 2007 haben Berufsinteressenten die Möglichkeit, sich im zweiten Bildungsweg in dem im Bahnhof ansässigen, vom Tüv zertifizierten und Eisenbahnbundesamt genehmigten Bildungsträger zum Eisenbahnfahrzeugführer ausbilden zu lassen oder eine Reihe zusätzlicher Qualifizierungen zu erwerben. "Elf Kurse haben wir schon erfolgreich ausgebildet", so Geschäftsführer Patrick Dohmeyer. Kurs zwölf und 13 laufen. Am 22. Oktober beginnt ein neuer.

"Neun Monate dauert die Ausbildung und umfasst 800 Stunden Theorie und 400 Stunden Fachpraxis", sagt er. Darin enthalten die 35 Ausbildungsfahrten in den Lehrbetrieben mit anschließender Prüfung. Um den praktischen Teil der Ausbildung umsetzen zu können, kooperiert die A.V.G Bildung mit Eisenbahnverkehrsunternehmen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit beachtlichem Erfolg. Denn die Auszubildenden - sie kommen aus dem gesamten Bundesgebiet - werden nach Ablauf der neun Monate in der Regel übernommen und bekommen dann einen Eisenbahnführerschein der Klasse 3.

"Wir haben eine Vermittlungsquote von 100 Prozent", ist Dohmeyer stolz. Der Bedarf an Lokführern im Personen- und Güterverkehr ist extrem hoch: "1 000 werden gegenwärtig auf dem Markt gesucht. Tendenz steigend." Das Interesse an einer Ausbildung ist enorm. Im fünften Jahr seines Bestehens erweitert sich der Bildungsträger, der mit drei Mitarbeitern klein angefangen hat und mittlerweile sechs Angestellte beschäftigt, daher noch einmal. "Wir sind gerade dabei, eine Außenstelle in Aschaffenburg aufzubauen", sagt Dub. Und am 18. Februar kommenden Jahres soll dort der erste Kurs starten.

Mit weiblicher Beteiligung? Durchaus denkbar. Denn zunehmend ergreifen auch Frauen die Chance, sich zum Eisenbahnfahrzeugführer ausbilden zu lassen. Sieben seien das bisher immerhin in Aschersleben gewesen. "Frauen auf der Lok - das ist gar nicht mal mehr so selten", meint Dub. Die Zeiten körperlicher Anstrengung, des Kohleschippens und Heizens sind schließlich längst vorbei. "Heute ist ein Zug ein fahrender Computer", sagt er. Und dafür habe auch das vermeintlich schwache Geschlecht ein Händchen. "Manchmal sogar das bessere", lacht der Ausbildungsleiter.