26. Kabarettfestival

26. Kabarettfestival in Aschersleben: Claus von Wagner und die „Theorie der feinen Menschen“ im Bestehornhaus

Aschersleben - Beim 26. Kabarettfestival in Aschersleben zeigt Claus von Wagner am Freitag sein Programm „Theorie der feinen Menschen“ im Bestehornhaus.

Von Marie Luise Graichen 06.11.2016, 18:02

Freitagabend im Bestehornhaus. Der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt – das 26. Kabarettfestival konnte beginnen. Wie gewohnt eröffnete Olaf Kirmis als Vorsitzender der Bundesvereinigung Kabarett das satirische Wochenende, begrüßte Aktive und Gäste und verschickte innigen Dank an Sponsoren und Ausrichter der Stadtverwaltung.

„Heute Abend brauchen sie eigentlich nur geistige Beweglichkeit und trainierte Lachmuskeln“, stellte dann auch Oberbürgermeister Andreas Michelmann fest, nachdem er seinerseits in satirischer Manier die kulturelle Veranstaltung eröffnete. Alle wissen, den kabarettistischen Auftakt übernehmen jedes Jahr ganz Große aus der Kabarettszene, denen die Zuhörer mit Spannung und viel Spaß lauschen und denen Berufsgenossen nacheifern.

Mit diesem Part war dieses Jahr einer betraut, der als politischer Kabarettist präzise und seriös analysiert, beste Unterhaltung inklusive - Claus von Wagner mit seinem Programm „Theorie der feinen Menschen“. Er erschien nicht etwa wie erwartet auf der Bühne, sondern kam durch die hintere Tür, sofort politisierend und hinterfragend und mit der festen Aussage: Kabarett und Satire muss sein!

„Theorie der feinen Menschen“- Im Epizentrum der Finanzkrise

Eigentlich lief das Programm ab wie ein Film, besser gesagt Kriminalfilm. Die Tür des Tresorraumes einer Bank ließ sich nicht mehr öffnen und Klaus Neumann sitzt über den Papieren aus dem Tresor seines verstorbenen Vaters und soll eine Rede vorbereiten. Er wird genug Zeit dafür haben, denn Hilfe ist erst in vielen Stunden zu erwarten. Glücklicherweise kann er mit einem alten Telefon nach außen kommunizieren, erkenntnisreich für den Eingeschlossenen und äußerst unterhaltend für das Publikum.

Plötzlich befindet er sich mitten im Epizentrum der Finanzkrise, erfährt wie es windigen Geschäftsmännern immer wieder gelingt, die ihnen anvertrauten Geldmittel in ein Nichts zu verwandeln. Mit spielerischer Leichtigkeit und großem inhaltlichen Tiefgang werden wirtschaftliche Verstrickungen und geschäftliche Raffinessen aufgezeigt. Nicht immer macht von Wagner es dem Publikum leicht seinem Wortschwall zu folgen. Schnell und redegewandt verknüpft er Privates, Ökonomie und Politik und bringt es immer auf den Punkt.

War sein Vater als Wirtschaftsprüfer und Jurist auch in diese Geschäfte verwickelt und was ist mit den ehemaligen Geschäftspartnern? Fragen und Erkenntnisse zuhauf und die Aussage: Je mehr er selbst schon gelesen hatte, umso weniger verstand er.

In der Figur Klaus Neumann spiegelte sich all das, was dem Münchener Kabarettisten an Widersprüchlichkeiten bei der Aufarbeitung der Finanzkrise auffiel. Und er verstand es mit unglaublicher Schnelligkeit, wichtige Begriffe und Fakten verständlich zu erklären. Von Ratingagenturen und Derivaten war die Rede und auch das „Negativwachstum“ wurde vortrefflich mit bildhaften Beispielen erklärt.

Wunderbare Geschichten mischten das schwierige Thema der Finanzen auf und auch nach knapp drei Stunden fühlte sich das Publikum nicht überfordert. Nachdem auch noch die Luft im Tresorraum knapp wurde, ließ sich die Tür in letzter Sekunde öffnen. Zum Glück für den Eingeschlossenen und erst recht für das begeisterte Publikum, dem ein hervorragender Kabarettist erhalten bleibt. (mz)