Analysen in Annaburg Analysen in Annaburg: Zwei Varianten zur Wahl

Annaburg - Wo wird sich künftig der Verwaltungssitz der Stadt Annaburg befinden? Im Rathaus und in einem Anbau daneben oder doch im Hinterschloss? Auf diese Fragen gibt es noch keine Antworten. Doch eine Entscheidung ist zu treffen, wenn weiterhin der Zugriff auf einen wichtigen Fördermitteltopf des Landes gesichert werden soll. Karin Kralisch, Leiterin des Bau- und des Ordnungsamtes, hat in der jüngsten Beratung des Haupt- und Finanzausschusses des Annaburger Stadtrats darauf aufmerksam gemacht.
Bislang liefen die finanziellen Unterstützungen für Arbeiten etwa an historisch bedeutsamen Bauwerken unter der Überschrift des städtebaulichen Denkmalschutzes. „Die Städtebauförderung ist eines der wichtigsten Instrumente zur Förderung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Mithilfe der Förderung konnten in den letzten Jahren die Zentren vieler Städte in Sachsen-Anhalt saniert und die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen gestärkt werden“, erklärte das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalts. Annaburg und auch Prettin haben davon profitiert.
Doch bei den Förderprogrammen hat sich seit dem vergangenen Jahr einiges verändert. Die Städtebauförderung konzentriere sich seit 2020 auf die Programme „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“.
Die Ausweisung von Fördergebieten und ein integriertes Entwicklungskonzept seien Fördervoraussetzung für eine Kommune, um in das Programm aufgenommen zu werden. „Als neue Fördervoraussetzung kommen notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz bzw. zur Anpassung an den Klimawandel hinzu, insbesondere zur Verbesserung der grünen Infrastruktur.“
Annaburg wurde dem Programm „Lebendige Zentren - Erhalt und Entwicklung der Orts- und Stadtkerne“ zugeordnet. Mit diesem Programm sollen Stadt- und Ortsteilzentren attraktiver und zu identitätsstiftenden Standorten für Wohnen, Arbeiten, Wirtschaft und Kultur weiterentwickelt werden. Der städtebauliche Denkmalschutz sei zudem eine Querschnittsaufgabe. Dass in Annaburg noch immer kein Beschluss zum künftigen Verwaltungssitz gefasst wurde, sei gegenüber dem Fördermittelgeber zu begründen, so Karin Kralisch.
Langwierige Suche
Ein Grund dafür, dass sich zu diesem Thema der Stadtrat noch nicht positioniert hat, so wurde in dem Ausschuss ausgeführt, ist mit der Schwierigkeit verbunden, ein Planungsbüro zu finden, dass in der Lage ist, die Gegebenheiten und Erfordernisse im Hinterschloss zu analysieren, inwieweit der historische Gebäudekomplex als Verwaltungssitz geeignet ist.
Schwerpunkt ist vor allem die Standfestigkeit des auf Pfählen gegründeten Gebäudes. Ist es als ein Verwaltungsgebäude, das zudem barrierefrei zugänglich sein sollte, geeignet? „Bislang war kein Büro in der Lage, das so zu erstellen.“ Nun hat die Verwaltung einen Vorschlag zu möglichen Fachleuten erhalten.
In der nächsten Woche soll es mit den Planern, die Erfahrung im Umgang mit historischen Gebäuden haben und vor Jahren in Annaburg mal tätig waren, ein Treffen geben, wurde angekündigt. Daneben besteht nach wie vor das Angebot der Partnerstadt Verl in Nordrhein-Westfalen, bei der Untersuchung der Gegebenheiten und Erfordernisse am Rathausstandort zu unterstützen.
Seit Monaten ist das im Gespräch. Doch aufgrund der Corona-Pandemie sei das noch nicht möglich gewesen, sagt am Dienstag Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (parteilos). Sowohl bei den Analysen zum Hinterschloss als auch zum Rathaus in der Torgauer Straße lautet die Frage: Mit welchen Kosten ist dabei zu rechnen?
Auswirkungen auf Prettin
Im Ausbau des Verwaltungssitzes in Annaburg sieht der Annaburger Bürgermeister auch eine Chance für Prettin. Wenn die Verwaltung an einem Ort konzentriert werde, könnte sich die Möglichkeit ergeben, in Prettin neue Wege in Richtung medizinische Versorgung zu gehen. Die bisherigen Bemühungen „waren nicht zielführend“, stellt er dazu fest.
Doch an der Verbesserung der Ärzteversorgung müsse drangeblieben werden. Zu den Überlegungen gehört, dass nach einem Freiziehen des Rathauses dieses zentral gelegene Gebäude als Ärztehaus nach dem Wunsch und den Vorgaben der künftigen Nutzer hergerichtet werden könnte. Neubauer sieht diesen Weg optimistischer, als Versprechen und Ankündigungen Außenstehender für eine bessere medizinische Versorgung in der Elbaue. (mz)