Preiskampf im Luftverkehr

Lufthansa rechnet vorerst weiter mit billigen Flugtickets

Der Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister prognostiziert ein Anhalten der Rabattschlacht im Luftverkehr. Für Vielflieger sicherlich eine gute Nachricht. Aber welche Folgen hat das für die Airlines und die Umwelt?

Von dpa
Laut Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister wird sich an der Billigpreispolitik vieler Airlines vorerst nichts ändern.
Laut Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister wird sich an der Billigpreispolitik vieler Airlines vorerst nichts ändern. Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt/Main - Die Rabattschlacht der Fluggesellschaften wird nach Einschätzung von Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister vorerst weitergehen. Es werde wohl nie ein Ende finden, dass Airlines „Kapazitäten in den Markt werfen“, die sie nur zu niedrigen Preisen loswürden, sagte der Manager beim Online-Branchenkongress der Zeitschrift „fvw TravelTalk“.

Dies gelte jedenfalls so lange, wie sich die Politik keine Mindestpreisregel einfallen lasse. Kurzfristig stimme ihn das pessimistisch, sagte Hohmeister. Die Branche müsse aber an der Sanierung ihrer Bilanzen und der finanziellen „Einschlagslöcher“ aus der Corona-Krise arbeiten. Daher gehe er langfristig von einem stabilisierten und eher steigenden Preisniveau aus.

Tickets im einstelligen Euro-Bereich inakzeptabel

Der Lufthansa-Vorstand kritisierte Billigfluggesellschaften für Ticketpreise, die teils im einstelligen Euro-Bereich lägen. Aus seiner Sicht ergibt dies nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich keinen Sinn.

Dabei rechnet der Manager damit, dass die Menschen nach der Bewältigung der Pandemie im großen Stil ihren aufgeschobenen Reisebedarf nachholen. „Der Verbraucher hat während der Corona-Krise allein in Deutschland 200 bis 300 Milliarden Euro an Konsumausgaben eingespart. Der weiß gar nicht wohin mit dem Geld.“ Nach Hohmeisters Einschätzung werden viele Kunden nach zwei Jahren Reiseverzicht nicht nur einen Mallorca-Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel buchen. Laut Reiseanalysen gebe es für die nächsten drei bis fünf Jahre einen riesigen Nachholbedarf.

Lockerung für USA-Reisen erst zu Weihnachten

Europäer werden nach Einschätzung der Lufthansa erst um Weihnachten herum wieder in die USA einreisen dürfen. Eine Lockerung der Einreisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie werde man realistischerweise erst im späten vierten Quartal erwarten können, sagte Harry Hohmeister ebenfalls bei dem Online-Branchenkongress. Er sei anfangs zu optimistisch gewesen mit der Annahme, dass dies schon im Juli geschehen könne.

Konzernchef Carsten Spohr hatte dann zunächst auf September gesetzt, sich aber zuletzt keine Prognose mehr zugetraut. Nach welcher Logik die USA Einreiseverbote aufrechterhalten, kann Hohmeister nach eigener Darstellung nicht nachvollziehen. Schließlich befinde sich die Impfquote in den USA und in Deutschland auf einem vergleichbarem Niveau.

Dass sich die USA-Flüge für den Konzern auch bei einer vergleichsweise geringen Nachfrage überhaupt rechnen, liegt neben den reisenden US-Bürgern vor allem an dem brummenden Geschäft mit der Luftfracht. Die Lufthansa packe ihre Passagierjets quasi „bis unters Dach mit Fracht voll“, sagte Hohmeister.