Deutschland-Spiele

Darf ich am Arbeitsplatz Spiele der Fußball-WM schauen?

Die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist gestartet. Doch viele Spiele finden während der Arbeitszeit vieler Deutscher statt. Ist es erlaubt die Partie im Büro anzuschauen?

Aktualisiert: 23.11.2022, 10:23
WM-Stimmung am Arbeitsplatz ist erstmal nicht verboten - wer im Büro Fußball schauen will, braucht dazu aber die ausdrückliche Erlaubnis vom Chef. Symbolfoto: Christin Klose
WM-Stimmung am Arbeitsplatz ist erstmal nicht verboten - wer im Büro Fußball schauen will, braucht dazu aber die ausdrückliche Erlaubnis vom Chef. Symbolfoto: Christin Klose dpa-tmn

Berlin/dpa/DUR - Die Spiele der diesjährigen Fußball-WM laufen nicht alle zu einer Zeit, bei der die Deutschen abends vor dem Fernseher sitzen können. So zum Beispiel beim ersten Deutschlandspiel gegen Japan am Mittwoch, den 23. November, um 14 Uhr. Für viele Berufstätige ist das Arbeitszeit. Darf ich das Spiel im Büro anschauen? Oder wenigstens Radio hören?

Auch wenn es dem Fan-Herz wehtut: nein. Erlaubt ist das nur, wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich gestattet, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

"Ich habe ja einen Arbeitsvertrag unterschrieben - und der verpflichtet mich, auch zu arbeiten." Fußball zu schauen, würde davon zu sehr ablenken - auch wenn es nur ein Live-Stream in einem kleinen Fenster auf dem Display ist.

Gleiches gilt für Radio-Übertragungen. Und zwar selbst dann, wenn Arbeitnehmer im Job sonst Radio hören dürfen. "Solche Duldungen beziehen sich ja meistens auf Musik, manche können dabei ja wirklich besser arbeiten", sagt Markowski. "Eine Live-Übertragung ist aber was anderes, dabei kann sich eigentlich niemand mehr auf die Arbeit konzentrieren."

Lesen Sie auch: Alle Daten, Spiele und Ergebnisse der WM in Katar auf einen Blick

Ein möglicher Ausweg ist der Live-Ticker in Textform: Ist das private Surfen auf der Arbeit sonst erlaubt, spricht vermutlich nichts gegen den gelegentlichen Klick auf "Aktualisieren" - wenn es die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt.

Fußball-WM: Sachsen-Anhalts Innenministerin Zieschang und weitere Mitarbeiter schauen zu

Und natürlich kann das WM-Gucken auch ausdrücklich erlaubt sein, per Rundmail vom Chef etwa. Manche Arbeitgeber stellen für die großen Spiele vielleicht sogar einen Fernseher oder einen Beamer auf. Dann können sie allerdings auch verlangen, dass Mitarbeiter die 90 Minuten nacharbeiten oder dafür zum Beispiel Guthaben vom Arbeitszeitkonto verbrauchen. "Das ist dann auch ein Fall für den Betriebsrat", sagt Markowski. "Im Idealfall kann der sogar auf den Arbeitgeber zugehen und so eine Regelung vorschlagen." 

Auch interessant: Nach "One Love"-Eklat - Rewe springt als DFB-Sponsor ab

Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) will die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar schauen. «Selbstverständlich werde ich mir die Spiele anschauen», sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf Nachfrage in Magdeburg. «Ich drücke der deutschen Nationalmannschaft alle Daumen und hoffe, dass wir tolle Fußballspiele erleben und eine sehr erfolgreiche deutsche Mannschaft.»

Im Innenministerium soll es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Raum mit Leinwand geben, in dem das erste Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan (23. November) am frühen Nachmittag verfolgt werden kann. Dazu müssten sich die Mitarbeiter jedoch am Arbeitsplatz abmelden, dies werde nicht als Arbeitszeit angerechnet, so die Ministerin für Inneres und Sport.