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Ukraine-Krieg und die psychischen Folgen: Wie kann ein normaler Alltag hergestellt werden?

Der Krieg in der Ukraine macht vielen Menschen auch in Deutschland zu schaffen. Vor allem die psychische Belastung ist durch täglich neue Informationen hoch. Doch wie kann der psychische Stress reduziert und in den Alltag zurückgefunden werden?

Von Alexander Wermter 07.05.2022, 10:00
Wut, Angst und Hilflosigkeit: Der Ukraine-Krieg schlägt sich auch auf die Psyche nieder.
Wut, Angst und Hilflosigkeit: Der Ukraine-Krieg schlägt sich auch auf die Psyche nieder. Foto: dpa/Symbol/Fabian Sommer

Magdeburg/DUR - In Zeiten des Ukraine-Kriegs fühlen sich viele Menschen verunsichert. Angst und Wut sind Gefühle, die so mancher angesichts des Kriegsgeschehens kennt. Doch auch wenn keine Entspannung der aktuellen Lage in Aussicht ist, kann eine gewisse Normalität auch in den Alltag zurückgeholt werden. Die leitende Psychotherapeutin Antje Kirsten-Ebel von der psychiatrischen Institutsambulanz der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg verrät, wie es gelingen kann.

Wie gehe ich mit dem Informationsfluss zur Kriegs-Berichterstattung richtig um?

Laut Kirsten-Ebel ist es absolut wichtig und sinnvoll sich über die aktuelle Lage zum Krieg in der Ukraine zu informieren. Dies sei aber zweimal täglich ausreichend. Die Informationen sollten dabei aus verlässlichen Quellen und seriösen Medien aufgenommen werden. Der Konsum sozialer Medien sollte eingeschränkt werden. Zeitung lesen oder fernsehen sollte nicht unmittelbar vor der Nachtruhe geschehen.

Welcher Ausgleich sorgt für eine Normalität des Alltags?

Es empfiehlt sich, zudem viel Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen, da dies wichtige Stützen im sozialen Umfeld sind und damit die psychische Gesundheit stärken. Auch Sport sorgt für einen Ausgleich des Alltags und steigert die mentale Gesundheit, so die Psychotherapeutin. In Krisenzeiten zeigen sich außerdem viele Menschen auch solidarisch mit anderen Hilfsbedürftigen. Durch Spenden werden Glückshormone ausgeschüttet, die sich positiv auf die Psyche ausschlagen, heißt es weiter.

Welche Reaktionen nimmt die Psychotherapie in Kriegszeiten war?

Angst, Trauer, Hilflosigkeit und Verunsicherung sind Emotionen, die viele Menschen verspüren, so Kirsten-Ebel. Ähnliches wurde auch in der Corona-Pandemie bemerkt, da diese Empfindungen menschlich sind, wenn neue Situationen eintreten. Auch Wut und Erschöpfung wird von vielen Menschen durchlebt.

Ab wann sollte professionelle psychiatrische Hilfe geholt werden?

Werden Angst, Wut, Trauer und Hilflosigkeit so stark verspürt, dass sich dies in einer wiederkehrenden Gedankenspirale bemerkbar macht, ist Hilfe ratsam. Schlafprobleme und tägliches Grübeln sind laut Kirsten-Ebel weitere Anzeichen einer psychischen Verstimmung, die professionell behandelt werden sollten.