Spar-Wunder oder Betrug?„Amazon-Paletten“ – Werden Retouren wirklich für kleines Geld im Internet verkauft?

In den sozialen Netzwerken werden immer wieder „Amazon-Paletten“ für kleines Geld beworben. Dabei soll es sich um Retouren oder nicht abgeholte Ware handeln, die von Händlern im Internet dann für kleines Geld verkauft wird. Was es damit wirklich auf sich hat.

28.11.2022, 12:23
Eine Palette voller Spar-Wunder: Von einem solchen Gewinn träumen wohl viele. Doch meist sind die im Internet angebotenen "Amazon-Paletten" nur Betrug.
Eine Palette voller Spar-Wunder: Von einem solchen Gewinn träumen wohl viele. Doch meist sind die im Internet angebotenen "Amazon-Paletten" nur Betrug. Foto: dpa/Moritz Frankenberg

Halle (Saale)/DUR/acs - Im Internet werden immer wieder sogenannte „Amazon-Paletten“ angeboten, die eine große Ausbeute für kleines Geld versprechen. Dabei solle sich um Retouren und nicht abgeholte Amazon-Pakete handeln, die für wenig Geld verkauft werden, um wieder Platz im Lager zu schaffen. Händler bieten die Paletten zum Kauf an und versprechen teure Technik, iPhones und Playstation-Konsolen. Doch was steckt wirklich dahinter?

„Amazon-Paletten“ zu verkaufen - Betrug oder Mega-Gewinn?

Die Paletten sind im Netz meist bereits ab 30 Euro zu erwerben. Hunderte angeblich zufriedene Kunden stellen Beweisbilder und begeisterte Rezensionen ins Netz. Doch meisten handelt es sich dabei um Betrug. Das sagt auch Ralf Hastedt gegenüber stern.de. Er ist Geschäftsführer von Avides - einem Unternehmen, das seit mehr als 20 Jahren mit Amazon im Retourengeschäft zusammenarbeitet.

„Sie werden in solchen Boxen niemals ein iPhone, eine Playstation oder ähnliche Ware finden, die Amazon mit Leichtigkeit selbst als Rückläufer verkaufen kann“, erklärt Hastedt. Er selbst durchwühlt tagtäglich mit seinem Team LKWs voller Ladung, um brauchbare Artikel für den Weiterverkauf zu finden.

Es werden also tatsächlich retournierte Artikel palettenweise wieder verkauft – jedoch nicht wie in den sozialen Netzwerken angeboten, für kleines Geld an Privatkunden, sondern in großen Mengen an Unternehmen. Sie versorgen anschließend gewerbliche Anbieter mit den Waren. Diese Waren sind laut Hastedt eindeutig als Retoure deklariert und der Käufer weiß genau, was sich auf den Paletten befindet.

Paletten voller Retouren meist nur für Gewerbetreibende angeboten

Gewerbetreibende, die Ware direkt von Amazon beziehen möchten, können auch an Auktionen teilnehmen. Auf „Bstock“ verkauft Amazon beispielsweise „kleine LKW-Ladungen“ voller Retouren direkt an registrierte Kunden. Ein solches Paket mit einem Warenwert von 244.689 Euro und 5707 Artikeln zum Beispiel geht hier für rund 43.000 Euro weg – Stückpreis der Ware: rund 7,50 Euro.

An private Kunden richtet sich dieses Angebot jedoch nicht. „Rein rechtlich ginge es gar nicht, solche Paletten einfach an private Käufer:innen weiterzuleiten und Kund:innen damit heiß zu machen, dass es hier Luxus-Ware für Centbeträge gibt“, erklärt Hastedt. „Die gesetzlichen Bestimmungen machen das schwer bis unmöglich. Wer würde die Gewährleistung übernehmen? Wie würde man Rückgaben der Rückgaben abwickeln, wenn die Ware doch nicht gefällt? Der Aufwand wäre riesig – und die Enttäuschung meist groß.“

YouTube-Videos mit Amazon-Retouren - Ist ein Verkauf an Privatpersonen möglich?

Auf YouTube kursieren trotzdem Videos, in denen Privatpersonen Amazon-Paletten erwerben und ihren Zuschauern ihre Ausbeute zeigen. So auch beispielsweise Alexander Reckhaus mit Videos wie „Ich habe neue Amazon Retouren bestellt! (ungeprüfte Ware)“. Gibt es also doch ein Angebot für Privatpersonen? Und kann man mit den Amazon-Produkten großen Gewinn machen?

Hastedt vermutet, dass der YouTuber die Ware wahrscheinlich mit einem Gewerbeschein gekauft hat.  In seinen Videos spricht Reckhaus oft davon, die Ware „über Ecken“ besorgt zu haben. zudem betreibt er einen Shop für den Verkauf der verwertbaren Fundstücke.

Es scheint jedoch auch tatsächlich Shops zu geben, die Retourenpaletten aus Deutschland direkt an Privatpersonen verschicken – und bei denen es sich nicht um Betrug handelt. Dabei ist zum Beispiel die Rede von „IchBinBilliger“.

In Retouren-Paletten meist keine Spur von iPhone, PlayStation und Co.

Die Betreiber gehen hier allerdings auf Nummer sicher. Ungeprüfte Ware, etwa eine Retouren-Palette für 1.200 Euro, die laut Shop einen Warenwert von 5.700 Euro beinhaltet, wird nicht wie normale Ware behandelt. In der Anzeige heißt es: „Bei diesem Produkt Verkauf an Händler B2B Wiederverkäufer aber auch Privatpersonen die wie ein Händler behandelt werden.“ Eine Rückgabe ist somit ausgeschlossen.

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Es werden auch Sammelkartons mit geprüfter Ware angeboten, die ausschließlich Produkte beinhalten, die funktionieren und verwendet werden können. Diese Boxen sind im Shop aktuell für maximal 250 Euro erhältlich, der Warenwert soll um die 500 Euro betragen.

Es gibt auch ein Angebot, bei dem eine Rückgabe möglich ist – jedoch nur, wenn man die Pakete vorher nicht geöffnet hat. Diese werden im Shop als sogenannte „Retouren Secret Packs“ angeboten.

Worauf muss man bei Retouren-Paletten, die im Netz angeboten werden, achten?

Wie sehr sich dieser Shop von Anbietern auf Facebook unterscheidet, wird schnell deutlich: Es gibt ein Impressum, es werden zahlreiche Zahlungsmöglichkeiten angeboten, die Rückgaberegeln sind klar definiert und – nirgends ist davon die Rede, dass in den Paketen höchstwahrscheinlich ein iPhone oder eine Playstation 5 schlummern.

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In Alexander Reckhaus Videos sieht man jedoch, was meist dabei rumkommt: Oft packt er Haushaltswaren aus, darunter Rasierer oder Saugroboter. Manchmal ist auch Computer-Peripherie dabei. Aber das Fazit vieler Videos lautet: Der Warenwert wird nur mit zwei zugedrückten Augen irgendwie erreicht. Zumindest den Einsatz hat man allerdings meist wieder raus und kann im Falle des Verkaufs sogar Gewinn machen.

Angebote auf sozialen Medien sind also mit Vorsicht zu genießen. Meistens handelt es sich hierbei um Betrug. Und auch auf Seiten wie „IchBinBilliger“ bleibt der erwartete Gewinn meist aus. Für Privatpersonen sind die Produkte, die in den Paketen enthalten sind, oft nicht interessant. Sollte man es trotzdem mal versuchen wollen, stellt hat Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Tipps, worauf man bei solchen Shops unbedingt achten sollte.