EU-Vergleich

EU-Vergleich: Deutsche telefonieren teurer mit dem Handy

Halle(Saale)/MZ. - Obwohl die die Bundesnetzagentur die Telefongebühren im Mobilfunk seit Dezember vergangenen Jahres deutlich gesenkt hat, telefonieren die Deutschen laut dem Verbraucherportal Verivox pro Minute teilweise doppelt so teuer wie ihre europäischen Nachbarn. Grund sind die sogenannten Terminierungsentgelte, die eine Telefongesellschaft für die Zustellung eines Anrufs in ein fremdes Netz bezahlen ...

Von Janine Gürtler 29.04.2014, 11:44

Obwohl die die Bundesnetzagentur die Telefongebühren im Mobilfunk seit Dezember vergangenen Jahres deutlich gesenkt hat, telefonieren die Deutschen laut dem Verbraucherportal Verivox pro Minute teilweise doppelt so teuer wie ihre europäischen Nachbarn. Grund sind die sogenannten Terminierungsentgelte, die eine Telefongesellschaft für die Zustellung eines Anrufs in ein fremdes Netz bezahlen muss.

In Deutschland hat die Bundesnetzagentur als verantwortliche Regulierungsbehörde die Gebühren auf 1,79 Cent pro Minute festgelegt – die Empfehlung der EU-Kommission liegt EU-weit bei 1,0 Cent pro Minute. Der Preisunterschied ergibt sich laut einer Mitteilung der Behörde aus der Praxis, „die Entgelte auf der Grundlage der Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung zu ermitteln“.

Der Ausbau der Breitbandnetze der vergangenen Jahre schlage sich demnach auf die Minutenpreise nieder, erklärt Verivox-Telekommunikationsexperte Sven Ehrmann. „Diese Investitionen in die Infrastruktur sollten – gerade wegen der explodierenden Datennutzung – auch in Zukunft nicht zu kurz kommen.“

Die Deutschen zahlen drauf

Zwar ist die Mobilfunkminute in den vergangenen Jahren deutlich günstiger geworden, woüber die sich der deutsche Verbraucher eigentlich freuen könnte. Doch im Vergleich zu den Kosten im europäischen Ausland sind deutsche Mobilfunkgebühren mit aktuell 1,79 Cent pro Minute immer noch hoch: In Österreich zahlen Betreiber derzeit 0,80 Cent pro Minute – und damit weniger als die Hälfte der deutschen Gebühr.

Schon 2009 lagen die Kosten dort bei nur 4,5 Cent. Auch in Frankreich (0,80 Cent), Italien (0, 98 Cent), Spanien (1,09 Cent) und selbst in Schweden (1,25 Cent) ist das Telefonieren mit dem Handy für die Nutzer deutlich günstiger als in Deutschland.

Für die EU-Kommission waren die nationalen Preisunterschiede auf dem europäischen Mobilfunkmarkt Anlass, Deutschland Anfang April erneut zu einer Senkung der Gebühren aufzufordern. Die Bundesnetzagentur verstoße mit ihrem Handeln gegen diese Vorgaben, so die Kommission.

Die Preise könnten wieder steigen

Dennoch könnten die Preise für deutsche Mobilfunknutzer erstmals seit Jahren wieder steigen, warnt das Verbraucherportal. Durch die Übernahme von E-Plus durch O2 könnte der Wettbewerb, ähnlich wie in Österreich im Fall der Fusion der Netzbetreiber Hutchison und Orange, vermindert werden.

Die Folge wären womöglich steigende Mobilfunkgebühren für deutsche Handynutzer. Da das Tarifangebot für Smartphone-Nutzer sehr umfangreich sei, raten die Verbraucherschützer zu einem Blick auf die letzte Handyrechnung, ehe man einen Online-Tarifrechner zum Preisvergleich nutze. So fänden Verbraucher einen Tarif, der wirklich zum eigenen Telefonverhalten passt.

Wer seinen Handy-Tarif wechseln möchte, sollte Schritt für Schritt vorgehen. Die besten Tipps finden Sie in der Bildergalerie: