MZ-Test: Zwei Kia Kombis im Vergleich

Der Schöne und der Sparer

Der Benziner Kia ProCeed glänzt mit besonders eleganter Karosserie, der Ceed-Sportswagon ist mit einem sparsamen Plug-in-Hybrid unterwegs.

Von Hans-Ulrich Köhler 18.01.2022, 12:00
Kia ProCeed
Kia ProCeed kia
Kia Ceed Sportswagon
Kia Ceed Sportswagon
huk

Kias Ceed-Familie ist mittlerweile zum Quartett angewachsen, das seine Platz in der Golf-Klasse hat. Der Ceed ist der Einsteiger, der XCeed macht auf Crossover. Und wer viel laden möchte, kann zwischen den Kombis ProCeed und Ceed Sportswagon wählen. Beide sind gut 30 Zentimeter länger als das Basismodell Ceed und bringen es auf 4,60 Meter.

Der ProCeed gibt den Schönling im Kombi-Duo mit dem markant quer über das Heck gezogenen Rücklichtband. Fließend-elegant fällt beim ProCeed das Dach nach hinten ab, was sehr schick aussieht und die Laderaumhöhe nur leicht verringert. So büßt der ProCeed mit seinen 594 Litern Laderaumvolumen gegenüber dem Sportswagon (625 Liter) kaum ein.

In der gefahrenen GT-Version kommt beim ProCeed-Benziner noch eine Portion Sportlichkeit ins Innen- und Außendesign sowie in den Antrieb. Vier Endrohre blasen dann einen rauen Sound - auch schon im Stand - in die Gegend. Mit dem Modus Sport kann man das Fahrvergnügen spürbar steigern, wie im Test zu erfahren war. Die Motorabstimmung und die Lenkung sind dann mehr auf dynamische Fahrweise eingestellt. Dem Vierzylinder (1.6 T-GDI, ab 35.950 Euro) lassen sich 204 PS entlocken, mit dem sich der Wagen leichtfüßig auf die 225 km/h zubewegte. Mit dem 6,2-Liter-Normverbrauch wurde es dann freilich nichts, wenn man den GT so fuhr, wie es seine Leistungsparameter ermöglichen: Unter 8,5 Liter pro 100 Kilometer war nicht zu kommen.

Im MZ-Test der Kia Kombis wurde als zweiter Ceed der Sportswagon 1.6 GDI PHEV gefahren, ein Plug-in-Hybrid, wie die vier letzten Buchstaben signalisieren (Plug-in Hybrid Electric Vehicle). Das heißt, per Ladekabel lässt sich eine Batterie aufladen, die den Benzinmotor unterstützt oder Kraft für rein elektrische Fahrweise spendet. Dafür muss man aus drei Fahrmodi per Tastendruck den rein elektrischen wählen. 60 Kilometer wurde auf einer Testrunde bei sehr verhaltener Fahrt erreicht (Norm 58). Die Reichweite hängt von vielen Faktoren ab wie etwa Fahrweise, Streckenprofil, Außentemperatur - es könnten auch mal nur 40 Kilometer werden. Mindestens 50 Elektro-Kilometer zu erreichen, ist wichtig für jeden Hersteller, weil nur Fahrzeuge, die das schaffen, Elektro-Förderprämie erhalten.

Im Alltag wird kaum jemand den Hybrid-Sportswagon als Stromer fahren, es sei denn, er fährt vorsätzlich und ausschließlich kurze Strecken in der Stadt. Holt man alles raus aus dem Akku, schafft der Wagen 120 km/h Spitzentempo im rein elektrischen Modus. Dann ist aber die Batterie nach weniger als einer Stunde leer. Gewöhnlich, wie auch im Test, lässt man Benziner (105 PS) und Elektromotor (60,5 PS) gemeinsam für Vortrieb sorgen. Im Hybrid-Modus entscheidet die Elektronik, wer wann welche Kraft zum Vortrieb beisteuert. Das geht automatisch, man merkt es nur, wenn man sehr genau ins Auto hinein hört oder auf dem Displays sich anzeigen lässt, welcher Motor gerade Kraft auf die Vorderräder schickt. Hier sieht man auch die übliche Hybrid-Besonderheit: Bremst man, wird mechanische Energie in Strom gewandelt und in der Lithium-Ionen-Batterie gespeichert. Das funktioniert auch, wenn man nur vom Gas geht oder ohne Last bergab rollt.

Der Koreaner mit den zwei Herzen ist mit seinen 141 PS Gesamtleistung ausreichend flott unterwegs. Etwas zäh wird es beim Beschleunigen nur dann, wenn der Wagen voll beladen und besetzt ist. Die Gangverteilung übernimmt ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das seine Aktivitäten gelegentlich mit einem kleinen Rucken meldet. Den Standardsprint erledigt der Wagen (Drehmoment 265 Newtonmetern) in 10,8 Sekunden. Packen beide Antriebe gemeinsam kräftig zu, bringt das den leeren, 1,5 Tonnenschweren Kia Ceed Sportswagon mit etwas Geduld auf Tempo 195. Reisegeschwindigkeiten von um die 160 km/h auf langen Distanzen sind gut möglich, denn der Wagen ist bestens gedämmt. Die Lenkung arbeitet angenehm direkt und die Fahrwerksabstimmung hält groben Untergrund von den Passagieren fern. Die können gut vier große Koffer bequem einladen und noch einigen Kleinkram. Beim Einsteigen hinten heißt es, Kopf mächtig einziehen. Die Türen sind nicht sehr hoch und schmal. Kopffreiheit aber ist drinnen doch genügend vorhanden und auch die Knie drängen sich nicht an den Rücken des Vordermanns.

Im Kofferraum liegen zwei Ladekabel mit unterschiedlichen Steckern. 2,5 Stunden mindestens dauert das Aufladen an einem Anschluss mit 22 kW Ladeleistung. Unterwegs wird das kaum ein Hybrid-Fahrer machen und dann also ausschließlich mit dem Benziner fahren. So steigen Verbrauch und Kohlendioxidausstoß auf die üblichen Werte in dieser Klasse. Der Normausstoß wird mit 31 Gramm pro Kilometer angeben, ein Labortestwert. Der Verbrauch lag im Test bei konsequentem Hybridbetrieb im Schnitt über 100 Kilometer bei 6,3 Litern. Beim Blick auf den kombinierten Normverbrauch des Hybriden fühlt man sich arg verschaukelt (Norm: 2,0 Liter). Lange Strecken ohne Stromhilfe, hievten den Verbrauch auf über sieben Liter. Rollten wir mal fast ausschließlich elektrisch durch die Stadt, kamen wir auch mal mit zwei Litern auf 100 Kilometern aus. Aber leider nur für nicht mal neunzig Minuten, dann ist der Akku leer. Aber ein Lächeln zaubert einen dieser angezeigte Wert doch mal kurz ins Gesicht: Wann meldet einem das Display schon mal solchen Traumwert?

Technische Daten Kia ProCeed

1.6 T-GDI GT:

Hubraum: 1,6 Liter-Benzer

Leistung: 204 PS

Drehmoment: 265 Nm

Höchsttempo: 225 km/h

Verbrauch im Test: 8,5 Liter

auf 100 Kilometer

Schaltung: Sieben-Gang-

Direktschaltgetriebe

Laderaum: 594 Liter

Preis: ab 35.950,

Basismodell Ceed (160 PS)

ab 30.350 Euro

Kia Ceed Sportswagon

1.6 GDI PHEV:

Hubraum: 1,6 Liter-Benziner

Leistung: 105 PS plus Elektro

motor (60,5 PS), System-

leistung beider Antriebe 141 PS

Systemdrehmoment : 265 Nm

Höchsttempo: 200 km/h

Schaltung: Sechs-Gang DSG

Verbrauch im Test: 6,3 Liter

auf 100 Kilometer

Laderaum: 625 Liter

Preis: ab 34.990 Euro (Elektro-

oprämie bis zu 6.740 Euro),

Basis: Sportswagon 20.190 Euro

(Benziner 100 PS).