Jubiläum wird gefeiert

Zeitz: Bildband über die Residenzstadt an der Weißen Elster

Zeitz - Das Buch Zeitz – Dom- und Residenzstadt an der Weißen Elster befasst sich mit der Stadtgeschichte

Von Kai Agthe

Also: Zehn zahme Ziegen ziehen zehn Zentner Zucker zum Zeitzer Zug. Jeder, der zu DDR-Zeiten im ehemaligen Bezirk Halle aufwuchs, dürfte diesen Zungenbrecher kennen.

Im Gegensatz zu Fischers Fritz war diese verzwickten Sprachspielerei geografisch genau zugeordnet: Zeitz war und ist bekanntlich eine Stadt des Zuckers, weshalb die besagten zehn zahmen Ziegen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.

Auch Süßwaren werden noch immer unter dem Siegel Zetti in der Stadt produziert, während Zeitzer Kinderwagen der Marke Zekiwa nur noch im Museum Schloss Moritzburg zu bewundern sind.

Zeitz liegt bisweilen abseits der Aufmerksamkeit - sehr zu Unrecht

Zeitz liegt im äußersten südöstlichen Winkel von Sachsen-Anhalt und damit bisweilen auch abseits der Aufmerksamkeit. Sehr zu Unrecht, denn die Stadt hat nicht nur eine faszinierende, sondern auch lange Geschichte zu bieten.

In diesem Jahr feiert Zeitz das 1 050. Jubiläum der Ersterwähnung und Diözesen-Gründung: Im Jahr 967 wurde es auf Beschluss von Kaiser Otto I. und Papst Johannes XIII. zum Bistum erhoben und damit auch erstmals als „Cici“ aktenkundig.

Ein Beitrag zum Festjahr ist das Buch „Zeitz – Dom- und Residenzstadt an der Weißen Elster“, zu dem der Fotograf Carlo Böttger die Farbaufnahmen und der Schriftsteller Wilhelm Bartsch einen Essay beigesteuert hat.

Bartsch, der aus der Mark Brandenburg stammt und seit Jahrzehnten in Halle lebt, stellt an den Anfang seiner Betrachtungen eine Liebesbekundung: „Ich kenne außer Zeitz keine Stadt, die mich so umarmt und in die ich auch verliebt bin, obwohl ich sie doch oft so gar nicht leiden kann, die mir so vollkommen schön erscheint, obwohl sie ziemlich gehandicapt ist.“

Was diese Doppelgesichtigkeit anbetrifft, so dürfte jeder, der die Stadt kennt, wissen, was gemeint ist: Dass Zeitz, wie Bartsch notiert, „etliche gelungene und weniger gelungene Schönheitsoperationen hinter sich hat“, es sich „unverschleiert“ präsentiert und in seinem Herzen auch „Mut zur Lücke“ zeigt.

Der von dem Buchkünstler Andreas Richter gestaltete Band vereint – das liegt in der Natur der Sache – die schönsten Seiten der Stadt. Und damit sind nicht nur Schloss Moritzburg und der Dom gemeint, die ein architektonisches Ensemble bilden, sondern auch die mittelalterliche Stadtbefestigung sowie zahllose Bürgerhäuser aus allen Epochen, die in den letzten 25 Jahren aufwendig saniert wurden. So wie auch das frühere Franziskanerkloster, dessen puristische Innengestaltung die Gotik voll zur Entfaltung kommen lässt.

Von der Sakralarchitektur zu einem quasi-religiösen Kunstobjekt: Die Glasarche von Roland Fischer und Christian Schmidt wurde 2016 eingeweiht und ist nun drei Jahre als Botschafterin für die Saale-Unstrut-Elster-Region in Deutschland unterwegs.

Auch Martin Luther hinterließ seine Spuren in Zeitz

Wer von Zeitz im Jahr 2017 spricht und schreibt, kommt im Jahr des 500. Reformationsjubiläums um zwei Namen nicht herum: Martin Luther und Julius von Pflug. Natürlich predigte der Wittenberger auch in Zeitz, wo viele Jahre später sein Enkel Johann Ernst die Zeitzer Luther-Linie begründete.

Und Pflug war nicht nur ein Zeitgenosse des Reformators, sondern auch der letzte katholische Bischof der Diözese Naumburg-Zeitz. Der Theologe hielt freilich an dem Glauben seiner Väter fest und wurde dennoch von den Zeitgenossen als Vermittler zwischen den Religionen sehr geschätzt. Selbst Luther kam nicht umhin, ein Loblied auf den Bischof anzustimmen, demnach Pflug, so Luther, „so viel Vernunft, Kunst, und so viel Gaben Gottes genug habe, dass er wohl zum Papst selbst tüchtig sei“.

Deshalb wird von Pflug ab 5. Juni auch mit einer Sonderausstellung in Zeitz geehrt.

Buch über Zeitz liefert auch einen Blick ins Umland

Nicht nur die Stadt, sondern auch ihr in Richtung Sachsen und Thüringen weisendes Umland haben einiges zu bieten. Qualitätswein hier, Milbenkäse dort. Und im unweit entfernt gelegenen Droyßig kann der in Liebe zu Land und Leuten entbrannte Bartsch sowohl auf die „in ihrer Unvollkommenheit so vollkommen schön gelungene Schlosskirche“ verweisen als auch auf den Dichterkollegen Ernst Ortlepp (1800-1864), der, da er beiden begegnet ist, die direkte Verbindung zwischen Goethe und Nietzsche herstellt.

Auf all das wird gestoßen, wer erst in dem Buch blättert und dann die Stadt Zeitz unmittelbar auf sich wirken lässt. Anlass dazu gibt es, nicht nur im Jahr des Reformationsjubiläums, genug.

„Zeitz – Dom- und Residenzstadt an der Weißen Elster“, Mitteldeutscher Verlag, 127 Seiten, 22,95 Euro