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Jim Morrison: Ein unglücklicher Amerikaner in Paris

In kurzer Zeit erlebte der US-Sänger Jim Morrison einen rasanten Aufstieg zum Rock-Idol der Hippiezeit. Seine Flucht nach Europa fand vor 50 Jahren ein erschütterndes Ende.

Von Werner Herpell, dpa
Rockstar Jim Morrison sah sich eigentlich als Dichter.
Rockstar Jim Morrison sah sich eigentlich als Dichter. Manfred Rehm/dpa

Berlin/Paris - Wenn Rockstars früh sterben, ranken sich oft viele Gerüchte, manchmal auch krude Theorien um das traurige Ereignis. Dies ist bei Jimi Hendrix oder Kurt Cobain so - vor allem aber bei einem besonders abgöttisch verehrten Mitglied im makaberen „Club 27“ der jungen Drogentoten des Pop: Jim Morrison.

Der Sender Arte widmet den letzten Tagen des charismatischen Sängers und Songpoeten der Bluesrock-Band The Doors am Freitagabend (21.45 Uhr) eine Dokumentation voller Hippiezeit-Kolorit - pünktlich zu Morrisons 50. Todestag am Samstag. Denn am Morgen des 3. Juli 1971 war der Musiker mit 27 Jahren in einem Pariser Apartment gestorben - vermutlich an einer fatalen Mischung aus Alkohol und harten Drogen.

Die letzten Monate seines Lebens

Oder steckten doch dunkle Hintermänner, gar ein Komplott dahinter? „50 Jahre später sind die Todesumstände der Rock-Ikone noch immer ungeklärt“, betont der deutsch-französische Sender - und will „nicht nur mit den Mythen aufräumen, sondern auch ein Porträt des Mannes zeichnen, der er in den letzten Monaten seines Lebens geworden war“.

Regisseur Olivier Monssens schildert den körperlichen Niedergang des in wenigen Jahren zum Weltstar aufgestiegenen Rock-Posterboys, der sich gleichwohl mehr als Dichter empfand, mit eindrücklichen Bildern vom glanzvollen Karrierestart 1967 bis zum düsteren Ende 1971. Auch der destruktive Zwiespalt zwischen Popidol-Sexyness und Poeten-Selbstbild wird in der Doku „Jim Morrison: Die letzten Tage in Paris“ kenntlich - obwohl die eine oder andere Idylle aufleuchtet.

„Er erschuf die Rock-Ikone seiner Zeit, dann zerstörte er dieses Bild, ganz methodisch“, sagt einer seiner Wegbegleiter. „Mit der äußerlichen Veränderung wollte er alle Fans abstoßen, die nur von seiner Erscheinung fasziniert waren, und nur die behalten, die sein Talent schätzten“, so erklärt ein anderer die Verwandlung Morrisons vom Schönling zu einem aufgeschwemmten, ungepflegten Wrack.

Sein Tod bleibt diffus

Weniger klar wird in der Schilderung von vielen überwiegend Pariser Zeitzeugen, ob der US-Sänger nun wirklich - vom Suff geschwächt und total zugedröhnt - in einer Badewanne starb, während nebenan seine Freundin Pamela Courson ihren eigenen Drogenrausch ausschlief. Oder ob er bereits auf dem Klo eines angesagten Clubs durch Heroin zu Tode kam, das er ansonsten eigentlich mied - was dann von zwei anonym bleibenden Männern vertuscht worden sein soll. Es bleibt diffus.

„Er war ein Poet, ein Troubadour unserer Zeit“, schwärmt am Ende der durchaus sehenswerten Dokumentation Rosalie Varda, die Tochter der französischen Filmemacherin und Morrison-Vertrauten Agnès Varda (1928-2019). Auch andere Freunde aus der Pariser Zeit würdigen sein dichterisches Talent jenseits aller Rockstar-Posen: Jim Morrisons größte Leistung sei womöglich gewesen, „dass es ihm gelang, ganze Generationen wieder an Poesie heranzuführen“.

An diesem Samstag werden wieder viele Fans - ob sie nun mehr die psychedelische Rockmusik der Doors mögen oder aber Morrisons Texte - zum Grab der Pop-Legende pilgern. Denn beigesetzt wurde der Amerikaner nicht in der ungeliebten Heimat, sondern auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise - also ganz in der Nähe großer Dichter wie Jean de La Fontaine, Molière oder Oscar Wilde.