Eil

Theater im Hof der Kulturinsel Halle

Theater im Hof der Kulturinsel Halle: „Don Quijote“ ist kein Ritter von der traurigen Gestalt

Halle (Saale) - Schon der erste Auftritt des Duos ist urkomisch: Aus weinbelaubter Wand tauchen unerwartet zwei Berittene auf. Der eine stolz und hoch zu Ross, der andere gemütlich-behäbig auf dem Rücken eines Esels: „Don Quijote“ hat - in der Regie von Christoph Werner - Einzug gehalten im Hof der Kulturinsel Halle und wird dort bis Anfang Juli zu Gast ...

Von Katja Pausch 09.06.2015, 09:23

Schon der erste Auftritt des Duos ist urkomisch: Aus weinbelaubter Wand tauchen unerwartet zwei Berittene auf. Der eine stolz und hoch zu Ross, der andere gemütlich-behäbig auf dem Rücken eines Esels: „Don Quijote“ hat - in der Regie von Christoph Werner - Einzug gehalten im Hof der Kulturinsel Halle und wird dort bis Anfang Juli zu Gast sein.

Auf ebenso lebensgroßen wie täuschend echten Vierbeinern, von denen das Publikum nur das Vorderteil zu sehen bekommt, reiten zur ausverkauften Premiere der selbsternannte Ritter und sein gutmütiger Knappe durch die spanische Landschaft, immer auf der Suche nach Abenteuern. Und während Sancho Pansa (ein wundervoller Hilmar Eichhorn) als treuer Begleiter und ergebener Diener des fahrenden Ritters (Harald Höbinger) eben jenen (vermutlich nicht zum ersten Male) eher ungeschickt in bettelnde Verhandlungen über seinen längst fälligen Lohn verwickelt, kreuzt deren Weg eine edle Dame: die Herzogin.

Die - Stella Hilb in einer Paraderolle - ist gerade dabei, ihrem drögen Leben an der Seite ihres Gemahls (Jörg Kunze) durch die Lektüre eines berühmten Romans zu entfliehen. In der Hand ein dickes Buch - der erste Teil der abenteuerlichen Memoiren eines gewissen „Don Quijote“ - träumt sich die Herzogin aus ihrem Alltag. Da plötzlich steht der Held, ihr Held, vor ihrem Anwesen! Klar, dass die des höfischen Lebens überdrüssige, gelangweilte Herzogin da zugreift - und schon ist Don Quijote auf ihren Wunsch hin Gast am Hofe.

Tosender Applaus

Sehr zum Unmut des Gatten, des Angestellten Pedro (Enrico Petters) und noch mehr des Staatssekretärs. Axel Gärtner spielt Letzteren so beflissen, wie ein übereifriger Staatssekretär nur sein kann.

Alle Versuche des Beraters wie des Herzogs, den fahrenden Ritter wieder loszuwerden, scheitern. Don Quijote bleibt - und berichtet von seinen Abenteuern, bewundert und angehimmelt von den Damen des Hauses: neben der Herzogin deren Dienerin Altisidora (köstlich: Louise Nowitzki). So anschaulich, so lebhaft gelingt das dem Hochstapler Quijote, dass die Windmühlenflügel, die Angela Baumgart als Bühnen- und Kostümverantwortliche ins Zentrum des Geschehens gerückt hat, zu rotieren beginnen.

Dass auch ein steinerner Löwe, der den beiden Raubkatzen vor dem Löwengebäude auf dem Uni-Campus verblüffend ähnlich sieht, zur Ausstattung gehört, erklärt sich später selbst - in einer weiteren Geschichte des merkwürdigen Gastes, die seinem verrückten und dennoch sympathischen, weil freiheitsliebenden Geiste entsprungen ist angesichts des Löwen.

Am Ende der zwei Stunden, im Verlaufe derer Sancho Pansa mal kurzzeitig Statthalter einer Insel wird, der Herzog am liebsten mit Quijote tauschen will und Altisidora ihrem Pedro das Eheversprechen abringen kann, gibt es tosenden Applaus und mehrere Vorhänge für die turbulente Sommergeschichte um einen Ritter, der alles andere ist als von trauriger Gestalt. (mz)