Going Places

Hübsch, aber harmlos - Neue Folkpop-Songs von Josh Rouse

Seine Songs sind stets geschmackvoll und solide - aber so richtig aufregend war der melodische Folkpop von Josh Rouse zuletzt nicht mehr. Auch das neue Album „Going Places“ bleibt etwas schuldig.

Von Werner Herpell, dpa Aktualisiert: 01.08.2022, 21:37
Alles klingt geschmackvoll und grundsolide - das neue Album von Josh Rouse.
Alles klingt geschmackvoll und grundsolide - das neue Album von Josh Rouse. Jim Herrington/Starkult Promotion/dpa

Berlin - Es sah zeitweise so aus, als könnte Josh Rouse mit seinen melancholischen Softrock- und Folkpop-Liedern einer der großen US-Songwriter seiner Generation werden. Vor rund 20 Jahren war das, mit drei herausragenden Alben hintereinander: „Under Cold Blue Stars“ (2002), „1972“ (2003) und „Nashville“ (2005).

Dann ging seine Ehe zu Bruch, er verliebte sich neu in eine Spanierin - und obwohl man Rouse das bald darauf folgende Familienglück mit Frau und Kindern von Herzen gönnte, fehlte seinen Liedern fortan meist Drama und Tiefe. War das Leben für einen ambitionierten Songpoeten im sonnigen Südeuropa einfach zu leicht geworden?

Dieser mögliche Befund hat sich bis heute nicht geändert - auch Rouses neue Platte „Going Places“ ist voller hübsch produzierter Lieder („Hollow Moon“, „The Lonely Postman“), aber wieder kein großer Wurf. Einige Stücke rauschen in ihrer freundlichen Harmlosigkeit am Ohr vorbei, zu selten scheint sich dieser feine Gitarrist und Sänger wirklich zu fordern. Das traurige „Indian Summer“ bildet eher die Ausnahme.

Wieder mehr Gitarren

Rouse habe die zehn Tracks seit 2020 während der Pandemie geschrieben - „inspiriert von dem Wunsch, in einer Zeit, in der das praktisch unmöglich war, live aufzutreten“, wie sein Label Yep Roc berichtet. Nach dem keyboardlastig-kühlen Vorgänger „Love In The Modern Age“ (2018) - ein Kurswechsel, der vielen Fans nicht behagte - ist „Going Places“ wieder ein Gitarren-Album geworden. Es gefällt mit einem gewissen Live-Feeling und einem erdigen US-Südstaaten-Sound, der eine zuletzt allzu vorhersehbare spanische Grundierung ersetzt.

Dagegen ist nichts einzuwenden, alles klingt geschmackvoll und grundsolide - und doch meint man als Hörer seiner nun schon recht lange zurückliegenden Hauptwerke, dass Josh Rouse mehr erreichen könnte. Aber er hat ja auch erst 25 Jahre im Pop-Business hinter sich und vermutlich noch eine ebenso lange Zeit vor sich. Und es gibt durchaus Beispiele dafür, dass Singer-Songwriter nicht unbedingt desolater Stimmung sein müssen, um große Liedkunst zu erschaffen.