Festivalstart von „Women in Jazz“

Große Stimme im leeren Saal von Merseburg

Von Andreas Montag
Uschi Brüning in Merseburg, rechts der Bassist Jan Roder. (Foto: Rüdiger Schestag)

Merseburg - Auch das ist Jazz, obwohl man sich eigentlich kein Konzert auf diese Weise wünscht: aufgezeichnet in einem menschenleeren Saal, nur per Internet dann zugänglich für jedermann. Trotzdem ist solch eine Gelegenheit besser als keine. Und es ist besser, ein Festival unter diesen besonderen Bedingungen durchzuführen als das pandemiebedingt erzwungene Schweigen der Kunst einmal mehr schmerzlich zu vertiefen.

„Women in Jazz“: Festivalstart mit Uschi Brüning im Livestream

Also atmet man tief durch im gut gelüfteten Schlossgartensalon von Merseburg, in dem sich neben Ulf Herden, dem Veranstalter von „Women in Jazz“, ein Techniker, ein Fotograf und der Berichterstatter aufhalten. Auf der Bühne aber steht die großartige Uschi Brüning, stimmig begleitet von Jan Roder am Bass und dem Schlagzeuger Michael Griener.

Sie vollbringen das Kunststück gemeinsam: Es gelingt ihnen, die fehlende Live-Atmosphäre vergessen zu lassen, die doch gerade auch im Jazz so unentbehrlich ist, um bei Musikerinnen und Musikern den Funken überspringen zu lassen. Normalerweise trägt dann der Beifall zu noch mehr Spiritualität, von Song zu Song.

Gedenken an Jazz-Ikone Billie Holiday

Aber Brüning, seit mehr als 50 Jahren auf den Jazzbühnen dieser Welt zu Hause, macht diesen Auftritt mit ihrer ganzen Erfahrung und Leidenschaft dennoch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Hierzu tragen natürlich die Lieder der Ikone Billie Holiday selbst wesentlich bei, der Brünings Programm an diesem, dem Eröffnungstag des Festival „Women in Jazz“ gewidmet ist.

Das ist freilich kein Material, das man einfach mal „wegsingen“ könnte. Innigkeit wie Kraft und eigene Haltung werden aufgerufen, die Rhythmen sind teils hochkomplex. Als die Brüning „(In My) Solitude“ interpretiert, sind alle beseelt - die Künstlerin, ihre Musiker, die Zuhörerschaft am heimischen Endgerät gewiss ebenso.

Es ist ein besonderes Konzert. Voller Wärme und Humor. Auch mit nachdenkenswerten Worten Brünings, die in Anlehnung an Billie Holiday sagt, es gehe niemanden etwas an, was man privat tut. Das stimme und stimme auch wieder nicht in der Pandemie: „Wir wollen jedenfalls alles tun, dass sie hoffentlich bald ein Ende hat.“ (mz)

Weitere Informationen: www.womeninjazz.de