Luxemburg

Luxemburg: Mehr als ein Finanz- und Bankenzentrum

Luxemburg/dpa. - Die hochkarätigen Konzerte in der eineinhalb Jahre jungen Philharmonie, die wichtigen Ausstellungen im ganz neuen Museum für Moderne Kunst (Mudam) sowie die ethnisch sehr bunte Musikszene haben bisher nur wenige Nicht- Luxemburger wahrgenommen. Das soll im Kulturhauptstadtjahr 2007 anders werden. «Es geht uns sehr darum, die Mehrdimensionalität und Pluralität Luxemburgs zu zeigen», sagt der luxemburgische Premierminister Jean-Claude ...

Von Birgit Reichert 04.12.2006, 13:45

Die hochkarätigen Konzerte in der eineinhalb Jahre jungen Philharmonie, die wichtigen Ausstellungen im ganz neuen Museum für Moderne Kunst (Mudam) sowie die ethnisch sehr bunte Musikszene haben bisher nur wenige Nicht- Luxemburger wahrgenommen. Das soll im Kulturhauptstadtjahr 2007 anders werden. «Es geht uns sehr darum, die Mehrdimensionalität und Pluralität Luxemburgs zu zeigen», sagt der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker.

Ein Novum: Das zweitkleinste Land der EU tritt gemeinsam mit den Nachbarregionen von Belgien, Frankreich und Deutschland - der so genannten Großregion - an. Rund 450 Projekte mit insgesamt 5000 Veranstaltungen werden in dem Raum mit elf Millionen Einwohnern 2007 auf die Beine gestellt, sagt der Generalkoordinator von Europas Kulturhauptstadt 2007 «Luxemburg und Großregion», Robert Garcia. Davon entfällt grob die Hälfte auf das Großherzogtum selbst, mehr als 100 Projekte seien grenzüberschreitend. Es war Junckers Idee, erstmals eine ganze Region für ein EU-Kulturjahr vorzuschlagen. 1995 hatte Luxemburg bereits schon einmal den Zuschlag bekommen, allerdings nur die Hauptstadt.

«Wir erhoffen uns nicht nur ein Jahr voller Events», sagt Luxemburgs Bürgermeister Paul Helminger. Es solle auch ein Jahr werden, das «die Menschen einander näher bringt». Mehr als 120 000 Menschen pendeln jeden Tag aus den angrenzenden Ländern nach Luxemburg, «aber unsere Kultur kennen sie nicht», sagt er. Auch die zahlreichen nicht-luxemburgischen Bürger sollen im Festivaljahr die Chance haben, ihre neue Heimat nicht nur als Arbeitsplatz und Wohnsitz zu erleben. Immerhin leben in Luxemburg-Stadt rund 140 Nationalitäten, die etwa 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen - in ihrer Hauptstadt sind die Luxemburger eine Minderheit.

Das Programm des Kulturjahres, das auf einem Budget von 45 Millionen Euro steht, präsentiert sich in vier Phasen, die jeweils mit einem großen Fest starten. Der Reigen der Angebote spannt sich von Tanz, Oper, Fotografie, Design über Literatur, Kulturerbe, Ausstellungen bis hin zur Rock und Jazz. Die zentralen Anlaufstellen für die kulturellen Aktivitäten in 2007 werden in Luxemburg die beiden Kuppelbauten der Rotunden unweit des Bahnhofs sein. In den denkmalgeschützten Bauten aus Glas, Metall und Stein, die lange Jahre als Lokomotiv- und Buswerkstätten dienten, werden unter anderem vier große zeitgenössische Ausstellungen gezeigt - etwa eine multimediale Schau des Karlsruher Künstlers Jeffrey Shaw.

Zwei Ziele gab es, sagt Chefkoordinator Garcia: «Zu zeigen, was wir als Großregion künstlerisch können, und europäische Künstler einzuladen, sich im Wettstreit mit lokalen Künstlern zu profilieren.» In den vergangenen Monaten immer wieder laut gewordene Kritik, ins Programm seien zahlreiche Veranstaltungen aufgenommen worden, die ohnehin jedes Jahr stattfinden, weist Garcia zurück. «Es muss ja einen Geschäftsfundus geben, aus dem man schöpft. Wir wollen keinen künstlichen Zirkus veranstalten, der danach in sich zusammenfällt.» Der Großteil sei aber neu, darunter etwa 20 Festivals.

Im alten Stahlwerk des luxemburgischen Düdelingen wird eine Ausstellung über 2500 Jahre Migrationsgeschichte geboten und im belgischen Arlon 4500 Werke von modernen Künstlern des Landes gezeigt. Rheinland-Pfalz beteiligt sich mit einer Ausstellung in Trier über den spätrömischen Kaiser «Konstantin den Großen» an dem Programm. Und das Saarland wartet mit einer Ausstellung über das Werk von Pablo Picasso in den fünfziger Jahren auf.

Insgesamt haben Garcia und sein Team, «ein sehr junges Programm» erarbeitet. Die Geschichte der Großregion sei ebenso bekannt wie «dass es hier viele grüne Wälder mit Hirschen gibt». Ein blauer Hirsch als Logo für 2007 weist den Besuchern den Weg durch die Fülle von Veranstaltungen, für die bereits am Samstag (9. Dezember) mit einer riesigen Eröffnungsparty und einer «Nacht der offen Tür» in Museen, Theatern und der Philharmonie der Startschuss gegeben wird.