Konflikte

Kulturschaffende fordern Schutz für afghanische Kollegen

In einem offenen Brief fordern Kulturschaffende Unterstützung für Kolleginnen und Kollegen in Afghanistan. Nach der Machtübernahme der Taliban seien sie in „akuter Lebensgefahr“.

Von dpa
Navid Kermani, Schriftsteller, in seinem Arbeitszimmer.
Navid Kermani, Schriftsteller, in seinem Arbeitszimmer. Oliver Berg/dpa

Frankfurt/Berlin - Dutzende Kulturschaffende und Intellektuelle fordern in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), sich persönlich für afghanische Kolleginnen und Kollegen einzusetzen.

„Wir dürfen sie nicht im Stich lassen!“, heißt es in dem Schreiben, das als Anzeige in der Dienstagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) erschien.

„Tausende afghanische Aktivisten, Journalisten und Kulturschaffende, unter ihnen Filmemacher, Fotografen, Autoren, Künstler und Theaterleute, haben in den letzten 20 Jahren dazu beigetragen, die afghanische Zivilgesellschaft aufzubauen“, argumentieren die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.

Mitunter seien die Menschen von westlichen Institutionen ausgebildet und gefördert worden. „Jetzt, nach dem Abzug der westlichen Truppen und der Machtübernahme der Taliban, sind diese Frauen und Männer in akuter Lebensgefahr und von islamistischen Repressionen und Terror bedroht“, heißt es in dem Brief. „Sehr geehrte Frau Grütters! Machen Sie es zu Ihrer Sache, eine deutsche Schutzzusage auch für diesen Personenkreis auszusprechen.“

Eine Reihe von Unterstützern

In dem Appell, der bereits am Montag von der „FAZ“ online veröffentlicht worden war, werden eine Reihe von Unterstützern genannt. Dazu gehören demnach Dirigent Daniel Barenboim, die Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek und Publizisten wie Daniel Cohn-Bendit und Carolin Emcke.

Genannt sind auch Schauspielerinnen wie Martina Gedeck und Eva Mattes, Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Daniel Kehlmann, Navid Kermani und Herta Müller, Filmschaffende wie Doris Dörrie, Volker Schlöndorff und Wim Wenders, Intendant Oliver Reese vom Berliner Ensemble und Künstler wie Fotograf Wolfgang Tillmans.

Kulturstaatsministerin Grütters teilte am Dienstag mit, die Situation in Afghanistan sei „nach wie vor dramatisch, die Not der Menschen groß“. Die Bundesregierung bemühe sich, nach Ende der Luftbrücke Menschen jetzt auf dem Landweg zu retten. Diese Evakuierungsmaßnahmen würden vom Auswärtigen Amt geleitet. Das Bundeskulturressort stehe deshalb in engem täglichen Kontakt mit den dortigen Kollegen.

Die Bundesregierung sei fest entschlossen, weiterhin schutzbedürftige Menschen zu evakuieren. „Nach ihrer Ankunft in Deutschland setze ich mich persönlich mit aller Kraft dafür ein, die geflohenen Menschen angemessen zu unterstützen“, teilte Grütters mit. „Dazu stellen wir kurzfristig zusätzliche finanzielle Mittel bereit, um Hilfsangebote für Geflüchtete im Kultur- und Medienbereich, wie zum Beispiel „Writers in Exile“ bei uns im Inland noch stärker auszubauen.“