Klaus Weise verlässt Halle

Klaus Weise verlässt Halle: Abgang mit einem großen Konzert

Halle/MZ. - Schon die "Tschernobyl-Ouvertüre" der Amerikanerin Nancy Van de Vate, die Sirenen heulen und beängstigende Bilder beschwören lässt, erwies sich als starkes Stück. Auch das Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch: mit Latica Honda-Rosenberg ein Ereignis. Sie spielte es mit leidenschaftlich-sensiblem Ton, der den Horizont zu suchen schien - im Bunde mit dem Orchester eine sinfonisch dimensionierte Offerte voller Düsternis. Und dann auch noch die "Pathétique". Eine so hemmungslose und brennend gültige, zwischen Tragik und Verklärung alles Pathetische so konsequent ausschließende "Sechste" hört man nicht alle ...

Von Ute van der Sanden 06.05.2007, 16:07

Schon die "Tschernobyl-Ouvertüre" der Amerikanerin Nancy Van de Vate, die Sirenen heulen und beängstigende Bilder beschwören lässt, erwies sich als starkes Stück. Auch das Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch: mit Latica Honda-Rosenberg ein Ereignis. Sie spielte es mit leidenschaftlich-sensiblem Ton, der den Horizont zu suchen schien - im Bunde mit dem Orchester eine sinfonisch dimensionierte Offerte voller Düsternis. Und dann auch noch die "Pathétique". Eine so hemmungslose und brennend gültige, zwischen Tragik und Verklärung alles Pathetische so konsequent ausschließende "Sechste" hört man nicht alle Tage.

Weise ließ musizieren, als hätte Tschaikowsky in seiner letzten großen Partitur vorausgeahnt, was nach ihm Bruckner, Strauss und Strawinsky komponieren würden. Der zweite Satz raste der Walzerseligkeit der Streicherserenade hinterher, die Härte des dritten grenzte an Zynismus - wie alle Steigerungen jene Zone verließen, die man den schönen Klang nennt. Das war mehr als eine Abschiedssinfonie, das war ein Appell - nicht zuletzt an die Staatskapelle, die in der Tschaikowsky-Auffassung an ihre spieltechnischen Grenzen stieß. Sonderapplaus für Soloklarinette und -fagott, niemanden sonst. Weise unterband jedwede Sympathiebekundung zu seiner Person: Was zu sagen war, hat die Musik gesagt. Es lohnt unbedingt, das zu hören.

Wiederholung am Montag um 19.30 Uhr