Hoffen auf den Neustart

Hoffen auf den Neustart: Vorverkauf für Festival „Women in Jazz“ startet

Halle (Saale) - Frauen und Jazz? Aber ja! Inzwischen haben sich nicht nur Sängerinnen, die in der Männerdomäne schon lange respektiert und bewundert werden, sondern auch Instrumentalistinnen ihren Platz in diesem Genre erobert. Nicht ohne Widerstände der „Platzhirsche“, aber auch von wachsendem Zuspruch der Fangemeinde wie der Fachwelt getragen - mit Luft nach oben. Und es gibt Unterstützer wie den halleschen Konzertveranstalter Ulf Herden, der die Lücke gesehen und mit dem von ihm geleiteten Festival „Women in Jazz“ immer größeren Erfolg eingefahren ...

Von Andreas Montag
Die italienische Sängerin Roberta Gambarini wird seit 15 Jahren weltweit gefeiert.

Frauen und Jazz? Aber ja! Inzwischen haben sich nicht nur Sängerinnen, die in der Männerdomäne schon lange respektiert und bewundert werden, sondern auch Instrumentalistinnen ihren Platz in diesem Genre erobert. Nicht ohne Widerstände der „Platzhirsche“, aber auch von wachsendem Zuspruch der Fangemeinde wie der Fachwelt getragen - mit Luft nach oben. Und es gibt Unterstützer wie den halleschen Konzertveranstalter Ulf Herden, der die Lücke gesehen und mit dem von ihm geleiteten Festival „Women in Jazz“ immer größeren Erfolg eingefahren hat.

Im vergangenen Jahr musste die 15. Ausgabe des stets hochkarätig besetzten Jazz-Festes, das über Halles Stadtgrenzen hinaus bekannt und geschätzt ist, wegen des ersten Lockdowns vom Frühjahr in den Sommer verschoben und auch begrenzt werden. Nun hat die Welt immer noch mit der Pandemie zu kämpfen, Fachleute warnen und der SPD-Politiker Karl Lauterbach hat gerade gesagt, wir stünden womöglich am Beginn einer dritten Welle, die von den aggressiven, hoch ansteckenden Mutationen des Virus ausgelöst werde.

Veranstalter will nicht länger auf Besserung warten

In dieser Situation ein Festival anzukündigen, muss wirklich optimistisch genannt werden. Ulf Herden räumt das in seinem Brief auch ein, den er jetzt an Sachsen-Anhalts Kulturminster Rainer Robra (CDU) geschickt hat: „Aber es bedarf dringend des Optimismus’ in der Kultur“, schreibt der Organisator von „Women in Jazz“ und stellt zugleich den neuen Festival-Jahrgang unter dem Titel „European Jazz Spring“ vor. Vom 7. bis zum 16. Mai soll der Jazz-Frühling unter anderem mit Auftritten von Künstlerinnen wie Rachel Hermlin aus Deutschland, Roberta Gambarini aus Italien und der Nigerianerin Camilla George stattfinden, die in London lebt. Auftrittsorte sind in Halle, Bad Lauchstädt, Magdeburg, Merseburg und Teutschenthal gebucht, am 24. Februar startet der Ticket-Vorverkauf.

Herden hat genug vom Warten. Man habe erst das Geplante verschoben, wieder und wieder - und nun sogar das Planen. Die Kulturszene eile den Entscheidungsträgern zunehmend voraus: „Kultur kommt in den letzten Monaten und Wochen im Zusammenhang mit Öffnungsszenarien gar nicht mehr vor“, heißt es in dem Brief an Robra. Es ginge immer um Gastronomie, Handel und Urlaub - „warum kann dann nicht auch eine Konzertstätte Angebote unterbreiten?“

Women in Jazz wird mit Corona umgehen müssen

Das Festival „Women in Jazz“ werde mit Corona und dem damit verbundenen Einschränkungen leben und umgehen müssen, schreibt Herden im Programmheft für „Women in Jazz“. Aber es sei dringend geboten, den Neustart Kultur zu vollziehen „und damit zur Normalität des öffentlichen Lebens zurückzukehren“.

So sehen es andere auch. In München will die Initiative „Aufstehen für die Kunst“ vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ziehen, falls die Kultur bei möglichen Lockerungen des Lockdowns übergangen werden sollte. Unterstützt wird die Initiative einer Mitteilung zufolge von der Geigerin Anne-Sophie Mutter, dem Opernsänger und Regisseur Rolando Villazón sowie dem Dirigenten Kent Nagano.

Künstler hoffen auf Ende der Zwangspause

„Women in Jazz“ und seinen zahlreichen Freunden, aber vor allen auch den eingeladenen Künstlerinnen kann man nur wünschen, dass die unkalkulierbare Dynamik der Pandemie dem Drang nach Kunst nicht doch wieder die Räume versperrt. Einstweilen darf man sich immerhin freuen auf das, was da an Schönem kommen soll.

Bereits am 30. April will Uschi Brüning, Jahrgang 1947, im Schlossgartensalon Merseburg Lieder der legendären Billie Holiday interpretieren. Zur eigentlichen Eröffnung des Festivals am 7. Mai wird die 1972 in Turin geborene, fantastische Sängerin Roberta Gambarini in der halleschen Händel-Halle erwartet. Einen Tag später folgen am gleichen Ort Rachel Hermlin & The Swingin’ Hermlins aus Berlin. Und am 11. Mai will die polnische Vibraphonistin Izabella Effenberg (geboren 1977) ihre „Impressions in Colours“ vorstellen. Auch in der Händel-Halle. (mz)