Händelfestspiele

Händelfestspiele: Könige in der Oper und im Konzert

HALLE/MZ. - Man muss schon ein erlesenes Solisten-Ensemble haben, um diesem Musiktheater gerecht zu werden. Und solche Sänger lassen sich wiederum nur auf Orchester wie Al Ayre Espanol unter Eduardo López Banzo ...

Von ANDREAS HILLGER UND UTE VAN DER SANDEN

Man muss schon ein erlesenes Solisten-Ensemble haben, um diesem Musiktheater gerecht zu werden. Und solche Sänger lassen sich wiederum nur auf Orchester wie Al Ayre Espanol unter Eduardo López Banzo ein.

Am Donnerstag in der Händel-Halle stimmte daher einfach alles: Die Soprane von Marita Solberg und Ann Helen Moen harmonierten im parallel geführten Einklang der Gefühle - und beflügelten sich wenig später zu Höchstleistungen im Duell um die Liebe Alessandros, den Delphine Galou im herrschaftlichen Furor fast noch schöner als im sanften Werben zeigte.

Mit dem lupenrein modulierenden und erstaunlich tragfähigen Altus von Antonio Giovannini und dem markanten Bass von Andreas Wolf war auch die männliche Seite ideal besetzt. Aber im Zentrum standen doch die drei großen Frauenstimmen, dank derer die fast dreieinhalb Stunden keine Sekunde zu lang wirkten. Banzo schließlich trug die Sänger auf Händen - und hielt sein furioses Ensemble fast beiläufig auf Kurs. So viel Feuer und innere Bewegung, so viel selbstverständliche Virtuosität ist auch bei den Händel-Festspielen eine Seltenheit. Wann, bitte, gibt es diesen "Alessandro" auf CD?

Beim Festspielbeitrag des Goethetheaters war das Gefälle der Solisten hingegen erheblich. Gleichwohl machten die Frische ihres Spiels, ihre Hingabe an die Schönheit der Vokalpartien des "Siroe, Re di Persia" und die gefällige Inszenierung von Wulf Konold alle Strapazen im barocken Brutkasten vergessen. Die Minimalästhetik stellte die Stimmen als etwas Wunderbares aus, fokussierte den Gesang und all das Menschliche, das er auszudrücken imstande ist. Von mindestens zwei Darstellern wird man mehr hören: Melanie Hirschs Sopran besitzt Glanz, Gloria und genügend Kraft noch für die allerletzten Bravourarien. Ihre Emira war der Star des Abends, zudem gab die Sängerin einen Komödiantentypus par excellence ab.

Sebastian Myrus, der als Bariton die Basspartie des persischen Königs Cosroe ausfüllte, beglückte mit mühelos scheinendem Ariengesang und hellem Timbre. Diana-Marina Fischers Laodice faszinierte mit leichtläufigen Passagen, stand die Partie aber nur schwerlich durch, und der klangschöne Mezzo von Gerda Lischka dürfte noch etwas Volumen entwickeln. Altistin Susanne Maria Graf trank Bier, dabei sollte sie bleiben. Das Continuo des süddeutschen Barockensembles "Il capriccio" und sein Konzertmeister Friedemann Wezel absolvierten indessen einen konditionellen Kraftakt.

Der gesamten Produktion mit den zusammengecasteten Solisten, vor allem jedoch dem Schlusschor, hätte ein intensiveres dirigentisches Engagement gut getan, als es Wolfgang Wiechert vom Cembalo aus zeigte. Für alle anderen Einschränkungen hatte man unter den Extrembedingungen Verständnis - erst recht, als die Räuberpistole mit einem charmanten Finale endete: Sekt, bunte Lampen, Flitterregen, eine Bootstaufe - und die Mitteldeutsche Zeitung als Requisit. Die Lübeckerin will übrigens wiederkommen.

Ausschnitte aus "Alessandro": 15. Juni, 20 Uhr, Deutschlandradio