Halle

Halle: Am Ende des Laufstegs wartet das Ich

HALLE/MZ. - Ganz ohne Klamauk, aber nicht humorfrei bei aller Nüchternheit gewährt das knapp einstündige Spiel mit fünf Laien persönliche Einblicke in moderne Arbeitswelten.

Von ANDREAS MONTAG

Ganz ohne Klamauk, aber nicht humorfrei bei aller Nüchternheit gewährt das knapp einstündige Spiel mit fünf Laien persönliche Einblicke in moderne Arbeitswelten.

Wer dort seinen Platz hat und selbstverständlich behauptet, wird Menschen, denen das Privileg der Teilhabe nicht gewährt worden ist, selten begegnen. Hier bietet das Theater sich als Schnittstelle an - eine Funktion, um die sich das hallesche Kinder- und Jugendtheater schon mehrfach bemüht hat, mit unterschiedlichem Erfolg.

Zuletzt war der Versuch, gewaltbereite hallesche Fußballfans ihr Weltbild auf der Bühne ausstellen zu lassen, künstlerisch gescheitert und auf öffentlichen Protest gestoßen. Was hingegen Nadja Schiller, Sandra Souza Kampe, Olga Sindalovska, Margitta Loh und Heiko Rönicke als Angestellter einer Arbeitsagentur im Kleinen Saal des Thalia abliefern, ist fern aller auftrumpfenden Gebärden.

Drei der Frauen, zwei aus Russland, eine aus Brasilien eingewandert, legen auf sympathische, sehr berührende Weise ihren Lebensplan offen: Sie wollen ankommen und aufgenommen sein in einer Gesellschaft, die sich oft selbst genug ist und dem Fremden keinen Zugang gewährt.

Übergreifende Idee des Bühnenprojekts ist der Versuch, bei einer Modelagentur für eine Präsentation angenommen zu werden, für die nach Mitwirkenden jenseits des branchenüblich jugendlichen Mager-Prototyps gesucht wird. Scheinbar beiläufig transportieren die Darstellerinnen dabei ihre Erfahrungen mit dem Land, das ihre Heimat werden soll: mit Geldmangel und Träumen, Jobsuche und der Verteidigung ihres Selbst.

Charmant noch in der unübersehbaren Aufgeregtheit, sich in einer nicht perfekt beherrschten Sprache darzustellen, zeigen die Frauen vor allem eines: Der Weg über den Laufsteg ist wie der auf die Bühne in der Hauptsache der Weg zum Ich. Und eine Demonstration der verletzbaren Stärke.

Hinzu kommen die Berichte der Vierten im Bunde, Margitta Loh. Als Kaufhausdetektivin zünftig im Trenchcoat, erzählt sie von ihrem Geschäft mit der Sicherheit und die tragikomische Geschichte von pfiffigen Gaunern, die in Drogeriemärkten teure Cremes in die Dosen billigerer Produkte umfüllen... Auch das rundet den Bildungsabend in Sachen Menschenwürde.

Nächste Vorstellungen: heute, Mittwoch und Donnerstag, jeweils 20 Uhr, Thalia Halle, Kleiner Saal, Kardinal-Albrecht-Straße 6