Er erklärte Kunst für jedermann

Er erklärte Kunst für jedermann: Der hallesche Autor Wolfgang Hütt ist tot

Halle (Saale) - Im Alter von 93 Jahren ist am Montag in einem Pflegeheim in Halle-Kröllwitz der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt gestorben. Das teilte seine Familie mit. Hütt war in der DDR einem breiten Publikum als der Autor von „Wir und die Kunst“ bekannt. Von der ebenso populär wie mit tiefgreifender Sachkenntnis geschriebenen Einführung in die Kunstgeschichte erschienen zwischen 1959 und 1988 acht ...

Von Günter Kowa 14.01.2019, 21:42

Im Alter von 93 Jahren ist am Montag in einem Pflegeheim in Halle-Kröllwitz der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt gestorben. Das teilte seine Familie mit. Hütt war in der DDR einem breiten Publikum als der Autor von „Wir und die Kunst“ bekannt. Von der ebenso populär wie mit tiefgreifender Sachkenntnis geschriebenen Einführung in die Kunstgeschichte erschienen zwischen 1959 und 1988 acht Auflagen.

Halles Kunst porträtiert

In der Kunstwelt aufmerksam zu Kenntnis genommen wurden auch seine Aufsätze in der Zeitschrift „Bildende Kunst“ sowie seine Bücher sowohl zur Kunstgeschichte als auch über DDR-Künstler. Besonders die hallesche Kunstszene verdankt ihm ein umfangreiches biografisches und kunstkritisches Schrifttum.

Hütt stammte aus einem Arbeiter-Elternhaus in Wuppertal und wurde Maurer. Nach der Bombardierung der Stadt 1943 nach Leipzig evakuiert, kehrte er anders als seine Eltern nicht in die Heimat zurück, sondern entschloss sich, am Aufbauwerk der DDR teilzuhaben; auch hatte er in Leipzig geheiratet. Er wurde Redakteur am Landessender Halle, gleichzeitig studierte er an der Universität Halle Kunstgeschichte, wo er 1957 promovierte. Es folgte eine Dozentur zunächst in Halle, dann in Leipzig. 1969 bis 1971 war er Direktor der damals Städtischen Galerie Moritzburg in Halle. Danach war er freiberuflich als Publizist tätig.

Dauerkonflikt mit der DDR

Während seines gesamten beruflichen Lebens in der DDR schwelte ein Dauer-Konflikt mit kunstpolitischen Repräsentanten der SED, der Bezirks- und Staatsführung. Hütt wollte trotz seiner loyalen Einstellung zum sozialistischen Staat und trotz seines Interesses an der Tradition proletarischer Kunst der Parteilinie nicht folgen, kritisierte politische Einmischung in Kunstangelegenheiten, sprach sich 1956 gegen den Einmarsch in Ungarn aus, kritisierte den Mauerbau und die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche.

Der Staatssicherheit war er folglich ein dauerhaftes Überwachungsobjekt. Darüber hat Hütt nach der Wende unter anderem in einer zweiteiligen Autobiografie ausführlich geschrieben. Ein ausführlicher Nachruf folgt.

(mz)