Ensemble Weser-Renaissance

Ensemble Weser-Renaissance: Nordische Kühle, italienische Lust

Halle/MZ. - Er wurde Fürst der Musik genannt und ist einer der großen Komponisten der ausgehenden Renaissance. Als Orlando di Lasso (um 1532-1594) am Ende seines Lebens steht, hat er fast 2000 Werke geschrieben und ist einer der am meisten gedruckten Komponisten seiner Zeit. Die Münchner Residenz verdankt di Lassos über dreißigjähriger Hofkapellenleitung ihr Ansehen als musikalische ...

Von Sigrid Neef

Er wurde Fürst der Musik genannt und ist einer der großen Komponisten der ausgehenden Renaissance. Als Orlando di Lasso (um 1532-1594) am Ende seines Lebens steht, hat er fast 2000 Werke geschrieben und ist einer der am meisten gedruckten Komponisten seiner Zeit. Die Münchner Residenz verdankt di Lassos über dreißigjähriger Hofkapellenleitung ihr Ansehen als musikalische Metropole.

Auch Händel 2003 huldigt dem Renaissance-Europäer: Orlando di Lasso steht am Pfingstmontagabend im Mittelpunkt des Konzertes der Weser-Renaissance Bremen. Das Ensemble hat einen breiten Ausschnitt aus dem weltlichen Schaffen des Meisters in die Ulrichskirche mitgebracht. Leider bleiben viele Plätze der Konzerthalle leer.

Die acht Sänger unter Leitung von Manfred Cordes verströmen anfangs noch etwas nördliche Kühle. Erst nach und nach wird das Ensemble schmiegsam und locker, überträgt sich die sprühende Lebensfreude der Madrigale, Liebeslieder und der deftig-frechen Alltagskommentare aus Italien, Frankreich und Deutschland. Die instrumentalen Parts von Barockharfe (sehr warm und sanft: Margit Schultheiß) und Laute sowie Chitarrone (Simon Linnè) hätte einen intimeren Rahmen weit besser vertragen. Zumal das Raumklima der Harfenstimmung immer wieder zu schaffen machte.

Die gut geschulten Bremer Sänger (Constanze Backes, Caroline Wegmann, Mikael Bellini, Detlef Bratschke, Henning Kaiser, Christian Wegmann, Jörg Gottschick und Job Boswinkel) sind zunehmend begeisterte Komödianten. Mitunter geht das allerdings auf Kosten der Ensemblewirkung. Nicht alles an diesem Abend ist aus einem Guß, so manche Linie hat Bruchstellen. Dafür entschädigen viele funkelnde Details und die Musizierlust des ganzen Ensembles.