Diskussion bei Autorentagung

Diskussion bei Autorentagung: Mit Rechten reden - aber worüber nur?

Göttingen - Wir leben in einer aufregenden Zeit, die unvermutete Haltungen hervorbringt. Zum Beispiel rechte Positionen von Menschen, die man den „Guten“ zugezählt hat. Sind sie nun „Böse“? Da ist man unvermutet zu eigener Haltung herausgefordert, sofern man eine hat. Sarkastisch gesagt: Man könnte den alten Propaganda-Heuler „Sag mir, wo du stehst“ des Ostberliner Oktoberklubs glatt wieder von den Bühnen des Landes schmettern lassen. Es gibt vermehrten Gesprächsbedarf in Sachen ...

Von Andreas Montag

Wir leben in einer aufregenden Zeit, die unvermutete Haltungen hervorbringt. Zum Beispiel rechte Positionen von Menschen, die man den „Guten“ zugezählt hat. Sind sie nun „Böse“? Da ist man unvermutet zu eigener Haltung herausgefordert, sofern man eine hat. Sarkastisch gesagt: Man könnte den alten Propaganda-Heuler „Sag mir, wo du stehst“ des Ostberliner Oktoberklubs glatt wieder von den Bühnen des Landes schmettern lassen. Es gibt vermehrten Gesprächsbedarf in Sachen Weltanschauung.

In Göttingen etwa, wo sich jetzt die Autorenvereinigung PEN zu ihrer Jahrestagung traf. Eigentlich, um die Wiedergründung an gleichem Ort vor 70 Jahren zu feiern. Da gehört eine Standort-Versicherung zum Programm. Und so hatte man unter dem Titel „Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Neue Rechte“ zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Historiker, Journalist und Verlegerin geben dem Abend „Geschmack“

Dabei ist bestätigt worden, dass man miteinander reden muss. Und es bleibt immerhin festzustellen, dass man das auch kann. Zumindest einstweilen noch. Ob man einander verstanden hat, wird sich im Fortgang bald erweisen.

Nach einer Vorrede des Historikers Ulrich Sieg, der einen weiten Bogen zum Ersten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus schlug, um deutsche Wallungen und Wirrungen einzuordnen, waren es dann im Wesentlichen der Journalist und frühere Chef des „Zeit“-Feuilletons Ulrich Greiner (72) sowie die Autorin und Verlegerin Zoë Beck (43), die dem Abend Geschmack gaben - sekundiert von der PEN-Präsidentin Regula Venske.

Opfer einer Verschwörung?

Greiner, der sich mit dem Essay-Buch „Heimat“ als Versteher der „Rechten“ zu erkennen gab und sich selbst einen „natürlichen Alterskonservatismus“ attestiert, hat dabei erst attackiert, dann ziemlich laviert. Beck hielt dagegen.

Im Kern ging es dabei um Positionen wie die des von Greiner geschätzten und verteidigten Uwe Tellkamp. Der Autor habe in Dresden im Gespräch mit Durs Grünbein gesagt, man dürfe seine Meinung nicht mehr äußern, während er genau dies doch gerade vor vollem Saale ungehindert tat, moniert Beck. Damit trifft sie den Punkt: Da raunen intelligente Leute eine Verschwörung herbei, um sich als Alternative zu jenen Andersdenkenden zu empfehlen, als deren Opfer sie sich inszenieren.  (mz)