Theater Naumburg

Historisches Drama um Gräfin Uta wird zum Live-Hörspiel

Von Kai Agthe
Selena Bakalios spricht Uta und Jörg Vogel den Pater. (Foto: Agthe)

Naumburg

- Der Kunstgriff des Autors ist es, in seinem Drama Uta und Ekkehard zur Erbauungszeit des Naumburger Domes auftreten zu lassen: Also das 11. Jahrhundert, in dem diese historischen Personen lebten, mit dem 13. Jahrhundert zu verknüpfen, in dem mit dem Westchor des Domes auch die zwölf Stifterfiguren des Naumburger Meisters und seiner Werkstatt entstanden.

„Uta von Naumburg“ von Franz Sondinger (1896-1939) alias Felix Dhünen, das 1934 seine Uraufführung in Gera erlebte, war am vergangenen Freitag als Live-Hörspiel auf der Internetseite des Theaters Naumburg zu erleben - und kann dort auch als Aufzeichnung nachgehört werden. Um das Bühnenstück zeitgeschichtlich einordnen zu können, hatte man einen der besten Kenner des Domes eingeladen: Holger Kunde, den Direktor der Vereinigten Domstifter Naumburg und Merseburg.

Uta von Naumburg im Zentrum des Hörspiels

Im Zentrum steht Gräfin Uta (Selena Bakalios), die sich gegen die Verdächtigungen des Ketzerjägers Pater Silvester (von Jörg Vogel wunderbar abgründig gesprochen) wehren muss. Denn den Versuch des Steinmetzen (Stefan Neugebauer), an der Figur Utas noch eine Änderung vornehmen zu wollen, kann der Geistliche nur als Häresie betrachten: Der Meister wolle, so Pater Silvester, noch ein „Hexenmal“ anbringen. Den Vorwurf, dass seine Frau mit dem Teufel im Bunde sei, was auch ihre Kinderlosigkeit bezeuge, hat zur Folge, dass Ekkehard (Georg Münzel) den Mönch niederschlägt. Als dieser wider Erwarten doch nicht tot ist, versuchen Uta und der in sie verliebte Dietmar (Claus Becker), Silvester durch ein Gelübde zum Schweigen zu bringen.

„Uta von Naumburg“ ist ein kirchenkritisches Stück, so Holger Kunde, aber „frei von antisemitischen Phrasen“. Dhünen zeichne hier mit Uta das „Ideal der hohen Frau“, die ihren Mann zwar nicht liebe, aber ihm als Entsagende treu zur Seite stehe. Dies und die allgemeine Popularität, die Uta seit den 20er Jahren durch die suggestiven Fotografien von Walter Hege genossen habe, dürfte ausschlaggebend gewesen, dass Dhünens Werk nach 1934 ein so großer Erfolg beschieden war, so Kunde. (mz)

Das Stück zum Nachhören: www.theater-naumburg.de