Krimi

„Bretonische Idylle“: Kommissar Dupins zehnter Fall

Üppige Vegetation, malerische Abgründe und ein Toter vor der Küste - das sind die Zutaten für den zehnten Fall von Kommissar Dupin in der Bretagne.

Von Renate Grimming, dpa
„Bretonische Idylle - Kommissar Dupins zehnter Fall“ von Jean-Luc Bannalec.
„Bretonische Idylle - Kommissar Dupins zehnter Fall“ von Jean-Luc Bannalec. Kiepenheuer & Witsch/dpa

Berlin - Eigentlich ist das Team von Kommissar Dupin voll beschäftigt mit den Vorbereitungen für dessen zehntes Dienstjubiläum. Doch ganz in der Nähe von Concarneau wird plötzlich im Wasser eine Leiche entdeckt, die sich an einer Boje verfangen hat - ein neuer Fall.

Schnell stellt sich heraus, um wen es sich handelt: Es ist Patric Provost, schwerreicher Schafzüchter auf der Belle Île, einem traumhaften Flecken Erde im Finistère. Und es handelt sich offenbar um Mord. Hätte sich der leblose Körper nicht an der Leine der Boje im Hafen von Doelan verfangen, wäre er vermutlich nie entdeckt worden.

Sein zehnter Fall führt den Kommissar auf die zauberhafte Insel Belle-Île. In diesen August-Tagen herrscht allerdings selbst hier am oft rauen Atlantik eine ungewöhnliche Hitzewelle, die allen zu schaffen macht. Ausgestattet mit Tahiti-Kappe gegen die Sonne startet Dupin in ungewöhnlichem Aufzug auf der Insel mit seinem Team die Ermittlungen.

Wie die ersten Ermittlungen ergeben, hatte der Tote auf seiner Heimatinsel keinen einzigen Freund - ganz im Gegenteil. Nahezu jedem und jeder hatte Provost erfolgreich Steine in den Weg gelegt und sie an ihren Plänen gehindert. Es gibt also kaum jemanden, der kein Motiv gehabt hätte, den millionenschweren Misanthropen aus dem Weg zu schaffen.

Vor seiner Ermordung wurde der tote Schafzüchter offenbar auch noch erpresst. Eine weitere Erpressung scheint den Fall noch komplizierter zu machen - oder ist das nur eine falsche Fährte? Die Ermittlungen führen den Kommissar in einem Fun-Car als Dienstwagen und in drückender Hitze quer über die Insel. Unterstützung erfährt sein Team diesmal von Kir Cosqueric, dem Gendarmen von Belle Île.

„Bretonische Idylle“ wäre allerdings kein Krimi von Jean-Luc Bannalec, würde allein das kriminalistische Geschehen im Vordergrund stehen. Der Autor entführt die Leser und Leserinnen erneut in eine wunderbare Landschaft am „Ende der Welt“ und weiß mit seinen Schilderungen geschickt, unmittelbar Fernweh zu erzeugen.

Wild verstreute Weiler, überall kleine Ansammlungen von Häusern im Nirgendwo. Und immer wieder völlig neue Landschaftseindrücke. Ein Wechsel von karger und üppiger Vegetation, kleine Täler, versteckte Buchten, Moose und Flechten im Überfluss - eine „ekstatische Farbmagie“, dann wieder schroffe Felsnadeln, die schon Maler wie Claude Monet magisch an diesen Ort anzogen, sowie Jahrtausende alte Menhire - die Belle-Île beschreibt Bannalec als ein seltenes Füllhorn einer wunderbaren Natur.

Auch mit dem zehnten Fall von Kommissar Dupin macht Bannalec seiner Auszeichnung als „Mäzen der Bretagne“, die er 2016 vom Regionalrat der Bretagne erhielt, somit alle Ehre. Und wer bereits bei der Lektüre Pläne schmiedet und sich schon bald selbst ins Finistère aufmachen will, erhält auch im Anhang noch weitere Tipps dazu, wo es unbedingt lohnt, sich niederzulassen oder für ein köstliches Essen einzukehren.

Erst vor knapp fünf Wochen zog die Verfilmung des neunten Falles, „Bretonische Spezialitäten“ über sieben Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Pasquale Aleardi wird auch im neuesten, zehten Fall wieder den kauzigen Kommissar in der Verfilmung für die ARD geben. Die Dreharbeiten sind für den Herbst geplant.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle, Kommissar Dupins zehnter Fall, Kiepenheuer & Witsch, 318 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-462-05402-6