Still ruht der See

Bekommt Gartenreich-Chefin Brigitte Mang eine zweite Amtszeit?

Erhält die Stiftungsdirektorin des Gartenreiches Brigitte Mang eine zweite Amtszeit? Die Entscheidung ist offenbar gefallen. Aber das Kulturministerium schweigt.

Frühling ohne ?Frühlingserwachen?: Blick auf Schloss und See Wörlitz

Dessau-Rosslau

Zum zweiten Mal in Folge fiel das „Frühlingserwachen“ in Wörlitz aus, der alljährlich als kleines Volksfest begangene Saisonstart für das Gartenreich. Die Corona-Verordnungen machten es unmöglich. Aber auch, wenn der als Festumzug gestaltete Jahresauftakt stattgefunden hätte, wäre es für die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ein Frühling ohne „Erwachen“ gewesen.

Auf die Frage, auf welche zwei, drei Ereignisse sich die Gartenreich-Touristen in dieser Saison neben dem Standardprogramm der Gondelfahrten und Schlossrundgänge freuen können, antwortet die Stiftung einsilbig. Auf eine kleine Ausstellung mit historischen Anhalt-Fotografien in der Orangerie des Schlosses Luisium wird hingewiesen. Da bietet manches Heimatmuseum mehr als die Stiftung, die ein Weltkulturerbe im Gespräch zu halten hat.

Gibt es eine zweite Amtszeit für Mang?

An der Pandemie liegt es nicht, denn es gibt verschiedene Arten durch die für alle Kulturinstitutionen schwierige Zeit zu gehen. Solche, die sich der verordneten Not vorauseilend ergeben und solche, die daraus eine ideenreiche Tugend machen. Wer etwa nach Weimar schaut, zur?- freilich ungleich besser ausgestatteten, aber in der vergleichbaren Kultur- und Garten-Sache tätigen - Klassik Stiftung Weimar, kann nur staunen, wie engagiert dort mit öffentlichen Aktionen um Aufmerksamkeit gerungen wird. „Neue Natur“ heißt das Motto des Themenjahres 2021, einer Reihe von zahlreichen leibhaftigen, auch digitalen Aktionen, die in die Gärten locken sollen. In der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz hingegen hat man sich für die Stille entschieden.

Aber nicht nur die Programmarbeit ruht still wie der Wörlitzer See. Auch die Kommunikation der wichtigsten Personalie. Dieser Tage müsste geklärt werden, ob der Vertrag der in den vergangenen Jahren vielfach heftig in die Kritik geratenen Stiftungsdirektorin Brigitte Mang von Februar 2022 an für eine zweite Amtszeit über fünf Jahre verlängert wird. Erst wurde die Entscheidung von Februar dieses Jahres auf März, jetzt auf Ende April geschoben. Aber sehr wahrscheinlich braucht es gar keine Entscheidung mehr.

Ministerium schweigt zu wichtiger Personalie

Es gäbe „keinen Zeitdruck“, teilt das Kulturministerium auf Nachfrage mit. Keinen Zeitdruck kann es aber nur geben, wenn die Entscheidung bereits getroffen, aber noch nicht öffentlich kommuniziert worden ist. Denn in der Regel gibt es eine „Sprechklausel“ in den Chefverträgen: Die Ansage, dass eine Verlängerung ein Jahr vor Vertragsende bestätigt oder nicht bestätigt wird. Denn für den Fall der Nichtbestätigung müsste die Stelle ausgeschrieben werden, wofür es hier gute Gründe gäbe.

Bereits im März soll es in der Staatskanzlei in Magdeburg eine Sitzung des Stiftungskuratoriums gegeben haben, dessen Vorsitzender der Kulturminister und Staatskanzlei-Chef Rainer Robra (CDU) ist. Wann genau, mit welchem Ergebnis? Auf diese Frage antwortet die Staatskanzlei nicht; was heißt: Das Treffen, das am 15.?März stattgefunden haben soll, ist nicht zu verneinen. Man darf davon ausgehen, dass das Ja zur Verlängerung beschlossen wurde.

Die Bild-Zeitung berichtete, dass Brigitte Mang keine komplette zweite Amtszeit, sondern eine Tätigkeit über drei Jahre von 2022 an angeboten worden sein soll. Die noch 60-Jährige, die sich zum Saisonstart zum zweiwöchigen Urlaub ins Corona-Risikogebiet Österreich verabschiedete, würde nach Ablauf dieser Frist das Rentenalter erreicht haben.

Zweite Amtszeit für Mang - aber nicht für komplette Zeit?

Ist das so? Die Staatskanzlei teilt mit, dass man sich „grundsätzlich nicht zu internen Personalangelegenheit in der Öffentlichkeit“ äußere. Ein Dementi ist das nicht. Ist ein „Beschluss“ über die Verlängerung des Vertrages gefallen? Nein, heißt es. Warum nicht? „Das Kuratorium hat sich noch nicht abschließend beraten.“

Was „abschließend“ heißt, bleibt im Vagen. Zu hören ist das: Man will verlängern, aber mit Auflagen. Gibt es eine „Sprechklausel“? Das wisse man nicht; Humor hat man also auch. Wie sehr, wird sich frühestens am 29.?April zeigen, dann findet die nächste Kuratoriumssitzung statt.

Baustellenstiftung Wörlitz

Die Entscheidung über die Zukunft der Kulturstiftung, denn um nichts anderes geht es hier, wird in Magdeburg also als eine „interne Personalangelegenheit“ begriffen, die keine Öffentlichkeit gestatte. Aber auch die 103 Mitarbeiter der Stiftung wissen nicht, wie es weitergeht. Die Stimmung ist resigniert. Dienstaufsichtsbeschwerden des Personalrates gegen die Stiftungsleitung liegen vor. Der Streit um die Zukunft des von Brigitte Mang ausgebooteten erkrankten Referatsleiters Museen und Sammlungen, Ingo Pfeifer, wurde nicht gelöst, sondern juristisch eingefroren. Der seit 2019 versprochene „Forststrategieplan“ wurde auf die lange Bank geschoben; jetzt soll er im Spätsommer „finalisiert“ werden, heißt es auf MZ-Nachfrage. „Finalisiert“! Man liege im „Zeitplan“, teilt man mit. Aber nur dem eigenen Zeitgefühl nach. Tatsächlich ist man seit Jahren im Verzug

Kein Erwachen. Statt dessen das Orakeln über 120?Millionen Euro Bau-Mittel, die aus dem Kohle-Ausstiegs-Geldtopf kommen sollen. Wer wird die verteilen? Mit welcher Kompetenz? In der Stiftung, die laut Satzung eigentlich „auf wissenschaftlicher Grundlage“ das Gartenreich des Fürsten Franz zu „bewahren, pflegen, restaurieren, erforschen und vermitteln“ hätte, wird bereits statt von der Kultur- von einer Baustellenstiftung Dessau-Wörlitz gesprochen. (mz/Christian Eger)