Architektur

Architektur: Auszeichnung an Doppelhaus in Quedlinburg - Zeitz bekommt Publikumspreis

Halle (Saale)/Quedlinburg - Ein Wohnhaus in denkbar sensibler Lage, in einem Umfeld mit Welterbe-Status, hat den Architekturpreis Sachsen-Anhalt gewonnen. Das ist doch mal eine mutige Entscheidung nach den vorangegangenen Trägern des in dreijährigem Turnus vergebenen Preises unter der Obhut der Landesarchitektenkammer und des ...

Von Günter Kowa 08.03.2016, 17:54

Ein Wohnhaus in denkbar sensibler Lage, in einem Umfeld mit Welterbe-Status, hat den Architekturpreis Sachsen-Anhalt gewonnen. Das ist doch mal eine mutige Entscheidung nach den vorangegangenen Trägern des in dreijährigem Turnus vergebenen Preises unter der Obhut der Landesarchitektenkammer und des Landesbauministeriums.

Zeitzer Bürger gewinnen

Mit dem Umbau der Eisleber Petrikirche und dem Konzertsaal in der Köthener Reithalle waren kirchliche und öffentliche Bauherren zum Zug gekommen. Nun sind es eine Familie und das private Architekturbüro „qbatur“ in Quedlinburg, die gestern in Magdeburg die gläserne Trophäe in Empfang nehmen durften.

Und in Zeitz triumphierten die engagierten Bürger, deren Votum den Ausschlag für den Publikumspreis gab: Er geht an das Büro der halleschen Landschaftsarchitekten Därr für die Gestaltung des Zeitzer Altmarkts.

Die Quedlinburger hören nicht zum ersten Mal, dass die Adresse Breite Straße 11/12 die Aufmerksamkeit einer Jury bekommt. Bereits im vergangenen Jahr erhielt es den Gestaltungspreis „Häuser Award“ der Wüstenrot-Stiftung. Und es wird auch in der öffentlichen Meinung nicht unbemerkt geblieben sein. Das Doppelhaus besteht an der Nr. 11 aus einem sanierten Fachwerkgebäude mit Teilen aus dem 14. Jahrhundert und barocken Gliederungselementen im Sockelgeschoss, auch die sorgfältig restaurierte Farbfassung ist barock.

Die Nr. 12 mutet umso moderner an. Ein Kubus erhebt sich auf der ehemaligen Abrissbrache mit einer in hellem Kalkputz geschlämmten Backsteinfassade. Er hat über Eck gelegte große Fenster, passt aber die Geschossgliederung dem Nachbarn an. Zur Gartenseite können Neu- und Altbau ihr Miteinander in großzügigen Terrassen und Balkonen ausspielen.

Rudolph Koehler und sein siebenköpfiges „qbatur“-Team sind nach 18 Jahren Tätigkeit keine Unbekannten in der Stadt und im Harzvorland. Die Webseite verzeichnet mehr als 70 Wohnhäuser, davon die meisten als Um- und Ausbau von Fachwerkbauten. Wie im Fall Breite Straße schreckt das Büro vor keinem noch so aussichtslosen Sanierungsfall zurück und kann potenzielle Bauherren von dem Potenzial an Wohnqualität begeistern.

Die Liebe zum Detail, verbunden mit vielen geschmacks- und stilsicheren modernen Ergänzungen fand im vergangenen Jahr auch die Anerkennung des renommierten Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege, sogar für je ein Haus in Quedlinburg und Aschersleben.

Zeitz und das Büro Därr können sich ebenso verdient über den Preis für die Altmarkt-Gestaltung freuen, auch wenn ihr lange, ermüdende Debatten voraus gingen, nicht zuletzt um die Frage des Umgangs mit dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Die Entscheidung, den vorherigen, ehrfurchtheischenden Sockel durch eine schlichtere, der feinsinnigen Plastik angemesseneren Version zu ersetzen, hat sich als ein Gewinn erwiesen. Das sanfte Gefälle zwischen Rathaus und Gewandhaus ist jetzt in einem weiten, offenen Dahinströmen von kleinteiligem Granitpflaster inszeniert, begleitet von vielleicht ein wenig monotonen Rasenfeldern.

Augusteum ist dabei

Mit dem Haus Stein in Druxberge, einem ländlichen Refugium in einer umgebauten Scheune (Architekt Jan Rösler, Berlin), dem Umbau des Augusteums in Wittenberg als Museum für die Stiftung Luthergedenkstätten (BHBVT Architekten, Berlin) und der Mediathek der Burg Giebichenstein in Halle (F 29 Architekten, Dresden) wurden drei Auszeichnungen vergeben, neben weiteren acht Nennungen in der engeren Wahl.

Die Mediathek auf dem Neuwerk-Campus der Kunst- und Designhochschule hätte mit einigem Recht auch auf dem ersten Platz landen dürfen. Unter den Bauprojekten der öffentlichen Hand ragt dieses harmonisch eingepasste, räumlich fein austarierte Gebäude einsam aus einer Masse von Mittelmaß hervor. Dass der Steintor-Campus der halleschen Universität erst gar nicht zur Kandidatur eingereicht wurde, spricht Bände.

Die Stiftung Lutherstätten, auch wenn sie den ersten Preis diesmal nicht gewann, hat neben dem Augusteum noch den Anbau des Melanchthon-Hauses in Wittenberg (Dietzsch & Weber, Halle) in  der engeren Wahl. Man kann feststellen, dass die Stiftung in den gut zehn Jahren ihres großen Bauprogramms im Vorfeld des Reformationsjubiläums zumindest bei Architektenjurys viel Anerkennung gefunden. Dem Renommee im Rampenlicht des kommenden Jubeljahres ist das sicher nicht abträglich.

Die weiteren Anerkennungen auf der Liste gehen an den Ausbau der Wallonerkirche in Magdeburg, die Mensa des Dr.-Frank-Gymnasiums in Staßfurt, die Musikscheune von Kloster Michaelstein in Blankenburg, den temporären Ausbau beim Freien Kindergarten „Riesenklein“ in Halle, den Umbau eines Wohnhauses am Schlossberg in Halle, den Neubau des Wohn- und Geschäftshauses in der Leitergasse in Halle und an die Wohnanlage Mühleninsel in Merseburg. (mz)