Wirtschaftsgespräch

Wirtschaftsgespräch: Irans Botschafter auf Investorensuche

Halle (Saale) - Mit „Looking for freedom“ wurde der iranische Botschafter in Deutschland, Ali Majedi, am Mittwochabend vor der Franckeschen Stiftung in Halle empfangen. Eine kleine Protestgruppe demonstrierte gegen die Israel- und Schwulen-Politik des Irans. Passend dazu dröhnte der Song des US-Sängers aus den Boxen, der zur Hymne des deutschen Mauerfalls 1989 ...

Von Steffen Höhne 17.06.2016, 18:30

Mit „Looking for freedom“ wurde der iranische Botschafter in Deutschland, Ali Majedi, am Mittwochabend vor der Franckeschen Stiftung in Halle empfangen. Eine kleine Protestgruppe demonstrierte gegen die Israel- und Schwulen-Politik des Irans. Passend dazu dröhnte der Song des US-Sängers aus den Boxen, der zur Hymne des deutschen Mauerfalls 1989 wurde.

Werben um Mittelständler aus Sachsen-Anhalt

Drinnen veranstaltete der CDU-Wirtschaftsrat eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Iran - Eine Wirtschaftsnation zurück auf dem Weltmarkt“. Dabei ging es auch um den Fall einer Mauer - allerdings nur der wirtschaftlichen. Nach dem Ende der Sanktionen zu Beginn des Jahres kommt der Handel deutscher Firmen mit dem Iran in Schwung. Majedi warb nicht nur um deutsche Konzerne, sondern gerade auch um Mittelständler aus Sachsen-Anhalt. „Im Iran leben knapp 80 Millionen Menschen, in der Nahost Region 500 Millionen. Das ist ein riesiger Markt für deutsche Firmen“, so der Botschafter. Die Energiepreise und das Lohnniveau seien niedrig. Die Arbeitskräfte hätten zumeist aber eine sehr gute Ausbildung. Das mache das Land für Investoren attraktiv.

Jenoptik-Manager Bernhard Dohmann bestätigte, dass der iranische Markt viel Potenzial hat. So hätten die Thüringer vor den Sanktionen allein 1 000 mobile Blitzgeräte für Verkehrskontrollen verkauft. Daran will Jenoptik nun anknüpfen. Die größte Hürde bestehe in der Abwicklung der Finanzgeschäfte. Deutsche Banken nehmen bisher keine Überweisungen vor, da die USA die Finanz-Sanktionen noch nicht aufgehoben haben.

Platz 50 der Exportländer

Sachsen-Anhalts neuer Finanzminister André Schröder (CDU) sprach von einem Nadelöhr. Ohne die Geldhäuser werde auch kein florierender Handel entstehen. Für Firmen aus Sachsen-Anhalt sieht auch Schröder im Iran ein breites Geschäftsfeld. Im Jahr 2015 wurden Waren im Wert von 18,6 Millionen Euro ausgeführt. Damit liegt der Iran auf Platz 50 der Exportländer. „Da ist noch viel Luft nach oben“, erklärte der Minister.

Die politische Situation und die Einhaltung der Menschenrechte im Iran kamen bei der Diskussion mit dem Botschafter allerdings zu kurz. Dabei sind sie auch für die Wirtschaftsentwicklung entscheidend. Was ist, wenn der reformorientierte Präsident Hassan Rohani bei der Wahl 2017 durch einen konservativen Hardliner abgelöst wird? Dann könnten die Sanktionen ganz schnell wieder inkrafttreten. Die kritische Demonstranten vor der Tür legten den Finger in die Wunde. (mz)