Von der Pandemie in die Privatinsolvenz?

Wie sich Verbraucher vor hohen Schulden schützen können

25.02.2022, 11:26
Schulden abbauen, Schulden vermeiden: Aber wie?
Schulden abbauen, Schulden vermeiden: Aber wie? Bild: Pexels, Anna Shvets

Corona-Hilfen, Kurzarbeitergeld, Steuersenkungen: Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren einiges in Gang gesetzt, um Arbeitnehmer und Verbraucher finanziell sicher durch die Pandemie zu führen. Und dennoch: Nach Daten des Kreditanbieters Smava blicken 6,6 Millionen Deutsche auf rote Zahlen auf dem Kontoauszug. Fast jeder Zehnte und damit 17% mehr als noch im Vorjahr kommt aktuell nicht ohne Dispokredit aus. Stehen die deutschen Privathaushalte vor eine Pleitewelle?

Konsumlust trotz Lock-Down: Schuldnerberater haben alle Hände voll zu tun

Genau das wollen die hiesigen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen verhindern. Seitdem die Pandemie die deutsche Wirtschaft fest im Griff hat, haben sie alle Hände voll zu tun. Bereits im Jahr 2020 verzeichnete das Statistische Bundesamt mehr als eine halbe Millionen Anfragen. Unerfasst bleiben die Fälle von Schuldnern, die sich keine offizielle Hilfe suchen wollen oder können. Fakt ist: Der Beratungsbedarf ist enorm. Gerade Alleinstehende mit Kindern würden die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um wieder Herr ihrer Ausgaben zu werden, so die Behörde. Dabei hat die Pandemie den privaten Konsum vielfach erschwert: Reisebeschränkungen, Lock-Downs und 2G-Kontrollen im Einzelhandel und der Gastronomie haben den betroffenen Branchen deutliche Dämpfer im Hinblick bei den Kundenzahlen verpasst.

Dass trotzdem viele Verbraucher vor einem Schuldenberg stehen erklärt Thomas Kunisch, CEO des Payment-Spezialisten Demondo, unter anderem mit der immer offensiveren Werbung für Null-Prozent-Finanzierungen. „Buy Now Pay Later ohne Aufschlag, dafür mit Sofortlieferung - das klingt verlockend, ist aber auch brandgefährlich“, warnt er. Denn wer den Überblick über seine Ausgaben verliere, stehe schnell mit einem Fuß in der Schuldenspirale, so der Inkasso-Experte. Fehlende Selbstkontrolle und mangelndes Finanzwissen macht auch das Deutsche Wirtschaftsinstitut (DIW) als häufige Ursache von Konsumschulden aus.

Mit Planung zur bewussten Kaufentscheidung

Kaufentscheidungen bewusst planen und Alternativen vergleichen.
Kaufentscheidungen bewusst planen und Alternativen vergleichen.
Bild: Finanzexperte Thomas Kunisch. Quelle: Demondo GmbH

Zum Zitatgeber: Thomas Kunisch ist CEO bei der Demondo GmbH & Co. KG. Das Unternehmen entwickelt für seine Kunden individuelle Forderungslösungen und bietet für ambitionierte, lokal oder international aufgestellte Kunden aus unterschiedlichsten Branchen Produkte zum Soforteinsatz, zum Beispiel in den Bereichen Payment, Inkasso, Invoicing etc.

Doch was lässt sich tun damit es erst gar nicht so weit kommt? „Das Fundament stabiler Finanzen ist eine solide Ausgabenplanung“, erklärt Kunisch. Mit einem Haushaltsplan ließen sich die finanziellen Spielräume für private Wünsche genau einschätzen. „Wem das klassische Haushaltsbuch zu altmodisch ist, der findet auch interessante Apps oder Programme im Internet“, zeigt Finanzfachmann Kunisch die praktischen Möglichkeiten auf. Die gewonnene Transparenz gebe Sicherheit und ermögliche es auch Rücklagen für Notfälle zu bilden, um unvorhergesehene Engpässe zu überbrücken.

Aber auch bei der Kaufentscheidung selber gibt es Tricks, um ein Tappen in die omnipräsente Konsumfalle zu vermeiden. Neuropsychologische Studien verweisen auf die Gefahr von irrationalen Entscheidungen im Zusammenhang mit vermeintlichen Sonderangeboten. Gleiches dürfte für die scheinbar kostengünstigen 0%-Finanzierungen gelten, bei denen eine Überaktivierung des neuronalen Belohnungssystem die wohl durchdachte Entscheidungsfindung beeinträchtigt. Doch nicht selten seien Finanzierungskosten in den Kaufpreis oder in nebulös formulierte Zusatzdienstleistungen eingepreist, so CEO Kunisch. Er rät deshalb Kaufentscheidungen bewusst zu planen und Produktalternativen zu vergleichen. „Am besten ist es, sich vor der Anschaffung schlau zu machen: Welches Produkt will ich? Was muss es können? Was darf es kosten? Und dann Angebote gezielt zu sondieren.“ Wer hier geduldig ist, könne durch regelmäßiges Vergleichen und gutes Timing, deutlich mehr für sein Geld bekommen.

Je früher desto besser: Mit Gläubigern das Gespräch suchen

Doch das Leben über die eigenen Verhältnisse muss nicht die alleinige Ursache für eine Überschuldung sein. Auch unverschuldete Umstände wie plötzliche Arbeitslosigkeit, eine Erkrankung oder Trennung können die finanzielle Lage zuspitzen wie Daten des Statistikportals Statista zeigen. In einem solchen Fall gelte es so früh wie möglich das Gespräch mit den Gläubigern zu suchen, empfiehlt Thomas Kunisch. „Auch die Forderungsinhaber haben ein Interesse, Schuldner vor der Insolvenz zu schützen und Zahlungen zuverlässig abzuwickeln“, erklärt er die Perspektive der Gläubigerseite. Über Stundungen, Zahlungspläne oder eine Aufsplittung in Raten sei häufig mehr möglich, als es die meisten Schuldner erwarteten. „Je früher, desto besser“ - lautet deshalb auch die Devise der Schuldnerberatungsstellen, wenn es darum geht, Geldprobleme zu lösen und Zwangsvollstreckung, Wohnungsverlust sowie Privatinsolvenz zu verhindern.