Noch flexibler, noch effizienter

Noch flexibler, noch effizienter: BMW macht Werk in Leipzig zur Mega-Fabrik

Leipzig - Am sächsischen Standort steigt die Jahreskapazität auf 350.000 Fahrzeuge. Die Konkurrenz sollte das fürchten.

Von Steffen Höhne 23.05.2018, 18:49

Die Zahl könnte die Konkurrenz von BMW beeindrucken: 100.000. Bis zum Jahr 2020 will der Münchner Autobauer die Produktionskapazität allein im Leipziger Werk um 100.000 auf 350.000 Autos im Jahr erhöhen, verkündete Produktionsvorstand Oliver Zipse am Mittwoch.

Das klingt noch abstrakt, bis man folgenden Vergleich zieht: Der Sportwagenbauer Porsche hat 2017 weltweit 246.000 Autos verkauft. Der amerikanische E-Auto-Hersteller Tesla setzte insgesamt 101.000 Fahrzeuge ab. Allein in Leipzig könnte künftig so viel produziert werden, wie zwei der stärksten Konkurrenten im Oberklasse-Segment aktuell zusammen fertigen.

300-Millionen-Investition am BMW-Standort Leipzig

Der Ausbau umfasst fast alle Bereiche: So werden die Lackiererei, der Karosseriebau und die Montage erweitert. Ein Beispiel: Im Karosseriebau sollen knapp 500 zusätzliche Industrieroboter eingesetzt werden. „Mit den eingeleiteten Schritten machen wir den Standort noch flexibler und vor allem noch effizienter“, betonte Produktionschef Zipse. Dafür werden rund 300 Millionen Euro investiert. Die Summe wurde bereits im vergangenen Jahr von der MZ veröffentlicht.

Das Werk Leipzig ist eine der modernsten Automobilfabriken der Welt. Im März 2005 begann die Serienproduktion. Heute rollen täglich bis zu 1.000 Fahrzeuge vom Band, derzeit der BMW 1er, der BMW 2er Active Tourer und Coupé sowie das Elektro-Auto i3. Dank guter Verkaufszahlen soll die Produktion des i3 im Herbst auf 200 Stück am Tag steigen - bisher sind es 120 Stück.

Doch mit den vorhandenen Modellen lässt sich der geplante Produktionssprung wohl nicht realisieren. In der Mitteilung von BMW heißt es etwas nebulös: Dass mit der Investition der „Grundstein für die Produktion zukünftiger Modelle“ gelegt wird. Nachdem Leipzig das Erfolgsmodell X1 abgegeben hat, soll offenbar ein neues Modell kommen.

Verbrennungsmotor, Elektro und Hybrid: Drei Antriebe auf einem Band

Fest in der BMW-Strategie verankert ist bereits, dass im Werk künftig alle Fahrzeugtypen auf einem Band mit drei Antriebstechnologien gefertigt werden können: Verbrennungsmotor, Elektro und Hybrid. BMW rechnet in den kommenden Jahren weltweit mit hohen Absatzsteigerungen von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen. 2017 verkaufte der Konzern insgesamt 2,46 Millionen Autos.

„Wir haben jetzt die Chance, neue Antriebstechnologien auf den Markt zu bringen. Die Elektromobilität muss jetzt erlebbar werden und mit Leistung überzeugen“, kommentierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einem Besuch am Mittwoch. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte: „Die Werkserweiterung ist ein deutliches Zeichen, das Sachsen als Industrieland weiter stärkt.“ BMW beschäftigt in Leipzig 5 300 Mitarbeiter. Werkchef Hans-Peter Kemser sieht die Jobs gesichert. (mz)