Dämpfer für Black Friday?

Lieferketten für Waren unter Druck und immer teurer

25.11.2021, 09:45 • Aktualisiert: 25.11.2021, 14:32
Der Black Friday der Engpässe und Knappheit
Der Black Friday der Engpässe und Knappheit (Bild: Unsplash, Tiger Lily)

Der Black Friday soll in diesem Jahr eigentlich noch mehr Umsatz bringen als der Rekord-Verkaufstag vor einem Jahr – das hofft der Pandemie-zermürbte Einzelhandel. Alle Verbraucher-Absichten bestätigen diese Hoffnung: Die Konsumenten wollen laut Handelsverband Deutschland noch einmal 27 Prozent mehr ausgeben als im vergangenen Jahr. Aber Konsumenten und Handel könnte ein Strich durch die Rechnung gemacht werden: Lieferengpässe gibt es in vielen Bereichen seit Monaten und Kunden warten ungern auf bestellte Ware.

Vor allem bei Spielkonsolen, Drucker, Waschmaschinen, Schmuck, Uhren, Holzspielzeug und Turnschuhe fehlt oft der Nachschub. Selbst wenn die Produkte alle rechtzeitig fertiggestellt worden sind, heißt dies noch nicht, dass sie pünktlich in Filialen oder Paketshops von Bremen, Buxtehude oder Jena ankommen werden. Denn neben vielen Rohstoffen sind Transportkapazitäten knapp und teuer geworden. „Black Friday, Black Week oder Cyber Monday sind für den deutschen Einzelhandel mittlerweile die wichtigsten Verkaufsevents des Jahres.“, weiß auch Joachim van Wahden, Director E-Commerce Sales bei des Hamburger E-Commerce Spezialisten Novomind.

Für die Warenanbieter ist die pünktliche Lieferung eine Achillesferse: In einer repräsentativen Umfrage von „Oracle Deutschland“ sagen 83 Prozent der Befragten, dass sie Bestellungen aufgrund von Verzögerungen stornieren würden. 71 Prozent wollen nach einer Stornierung nicht mehr bei dem betreffenden Anbieter kaufen.

iBanFirst: Transportkosten steigen immer mehr

Das Lieferzeiten weiterhin schwer zu kalkulieren sind liegt auch daran, dass sich vor den großen Häfen zahlreiche Containerschiffe stauen. Dieser Stau wurde vor allem durch die Corona-bedingten Schließungen chinesischer Häfen verursacht und ist nicht abgearbeitet. Dadurch fehlen Transportmöglichkeiten und die verbliebenen werden immer teurer. Mark Elser, Country-Manager beim internationalen Zahlungsdienstleister iBanFirst: „Noch vor einem Jahr kostete der Transport eines 40-Fuß-Seecontainers auf der Handelsroute von China nach Europa (von Shanghai nach Rotterdam) durchschnittlich 1.650 Dollar. Heute, laut der Referenzseite Drewry fast 12.000 Dollar. Mittlerweile wird es sogar unerschwinglich, Güter mit hoher Wertschöpfung zu transportieren, da die Kosten für den Seetransport so stark gestiegen sind. Es ist sogar üblich, dass der Preis auf bis zu 20.000 Dollar für Container ansteigt“. Vorausgesetzt, es gelingt überhaupt Frachtraum anzumieten.

Novomind AG: Kaufprognosen mithilfe von künstlicher Intelligenz

Eine Lehre, die Unternehmen aus den zurzeit instabilen und teuren Lieferprozessen ziehen: Die Transportlogistik muss noch intelligenter werden. Wer möglichst früh weiß, wann die Nachfrage nach welchen Produkten steigern wird, ist dem Wettbewerb einen Schritt voraus. Joachim van Wahden: „Es wird immer wichtiger das Kaufverhalten der Kunden im Saisonverlauf und aus den Vorjahren zu analysieren. Dabei geht es vor allem darum die Planungsbasis zu optimieren – idealerweise mit KI-gestützten Prognosesystemen“.

Wenn Lastspitzen in der Lieferkette nicht eingeplant sind, lässt sich spontan meistens nichts mehr retten: Die Waren sind entweder noch nicht in ausreichender Zahl fertiggestellt oder können schlicht nicht zu den Kunden transportiert werden. Durch eine Verknüpfung des „Product Information Management“ (PIM) mit künstlicher Intelligenz gewährleisten eine effiziente Sortimentssteuerung und berücksichtigen inzwischen sogar wetterbedingte Nachfrage-Veränderungen in den Verkaufsregionen. Denn jeder teuer gebuchte und dann nicht benutzte Container kostet viel bares Geld.

Jeder Schritt des Transportes muss für die Kunden transparent sein

Die schnelle Erreichbarkeit des Unternehmens für den Kunden auf allen Kanälen ist Pflichtprogramm: vom Anruf über Mail, Chat, Social Media bis WhatsApp und Telegram. Die novomind AG unterstützt mit seinem KI-basierten Produktinformations-Management bereits Kunden wie C&A, MyToy, Volkswagen und Otto. Mitten in der ersten Corona-Welle, im November vergangenen Jahres, erfolgte der erfolgreiche Markteintritt in Frankreich. Diese Expansion mitten in der Pandemie macht deutlich, wie sehr solche Dienstleistungen rund um die Lieferketten derzeit benötigt werden. Der Konsument ist in diesem Punkt sehr klar: Die große Mehrheit der Befragten in der Oracle-Studie erwartet, dass jederzeit der Status des Transportes einsehbar ist.

Globalisierung der Warenkette verlangt Globalisierung des Zahlungsverkehrs

Die enorme Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen, die online Produkte asiatischer Hersteller verkaufen, muss in Zeiten globaler Lieferketten eine weitere Herausforderung bewältigen: Den sicheren Zahlungsverkehr mit den Lieferanten. Mark Elser von iBanFirst: „Der Handel sowie noch stärker der E-Commerce beziehen ihre Ware oft aus Asien in USD. Händler, die sich frühzeitig abgesichert haben, können so von besseren Wechselkursen profitieren und eine höhere Liquidität vorweisen. Außerdem sollten Händler auf Devisentermingeschäfte als adäquates Mittel zurückgreifen oder ihre Handelspartner direkt in lokaler chinesischer Währung bezahlen, um indirekte Währungsrisiken zu vermeiden.“

Anbieter wie iBanFirst treten an, um den internationalen Zahlungsverkehr für ihre Zielgruppen radikal zu vereinfachen. Springer Professional nennt den Grund: „Der Mittelstand verfügt häufig nicht über eigene Ressourcen, um solche neuen Lösungen aufwendig in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren“. Deswegen, so kommunizierte iBanFirst zum deutschen Markteintritt im Januar 2021, habe man sich als Standort auch für München als Herz der deutschen KMU Landschaft entschieden.

Verkaufsprognosen mit Hilfe künstlicher Intelligenz, eine weit vorausschauend geplante Logistik, eine KI-basierte transparente Kommunikation mit den Kunden und einfache Lösungen für den internationalen Zahlungsverkehr ­- ohne Corona hätte es vermutlich länger gedauert, diese Services erfolgreich einzuführen.