Zwangspause

Kurzarbeit Sachsen-Anhalt: Fast jeder vierte Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt in Kurzarbeit

Halle (Saale) - Seit März haben die Unternehmen für 215.600 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet - das ist fast jeder vierte Beschäftigte in Sachsen-Anhalt.

Von Petra Buch und Steffen Höhne
Die Arbeitsagenturen müssen tausende Anträge bearbeiten.
Die Arbeitsagenturen müssen tausende Anträge bearbeiten. ZB

In Sachsen-Anhalt haben die Arbeitgeber in der Corona-Krise zwischen März und Mai für rund 215.600 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Bezogen auf alle rund 809.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land, betraf dies rund ein Viertel, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle mitteilte.

Am stärksten wurde Kurzarbeit für Künstler, in der Dienstleistungsbranche - wie Friseur-, Kosmetik- und Massagestudios -, aber auch in der Automobilbranche angezeigt. Dies betraf jeweils rund 90 Prozent und mehr der Mitarbeiter. Im Wirtschaftszweig Beherbergung zum Beispiel - dazu gehören unter anderem Hotels, Pensionen, Gasthöfe, Ferienzentren und Campingplätze - , meldeten Arbeitgeber von März bis Mai Kurzarbeit für insgesamt 6.182 Menschen an - von insgesamt 6.888 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Viele Branchen betroffen

Anders sei es bei Post- und Kurierdiensten. Aus diesem Bereich zeigten Arbeitgeber für etwa drei Prozent der Beschäftigten (279) Kurzarbeit an. „Fakt ist aber, dass der Shutdown viele Bereiche der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt betroffen hat, die von früheren Krisen verschont geblieben sind“, sagte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion. Nach bisherigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit wurde in der Corona-Krise für mehr als zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland Kurzarbeit angemeldet.

Aktuell trage das Kurzarbeitergeld dazu bei, Arbeitsplätze zu sichern und einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, betonte Behrens. In Sachsen-Anhalt waren im Mai rund 91.600 Menschen arbeitslos gemeldet (Deutschland: 2,8 Millionen). Die Arbeitslosenquote lag im Land bei 8,2 Prozent, bundesweit bei 6,1 Prozent.

Inwieweit die von Arbeitgebern bei den Arbeitsagenturen mit Beginn der Corona-Krise ab März angemeldete Zahlung von Kurzarbeitergeld am Ende tatsächlich in Anspruch genommen wird, werde sich in den kommenden Monaten zeigen, hieß es unter Hinweis auf die Abrechnungsmodalitäten. Beschäftigte erhalten laut Arbeitsagentur bislang in Deutschland 60 Prozent des Netto-Entgelts als Kurzarbeitergeld, Beschäftigte mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Die Arbeitgeber zahlen sowohl das Arbeitsentgelt für geleistete Arbeitsstunden als auch das Kurzarbeitergeld an ihre Beschäftigten im Voraus aus. Sie bekommen es dann von der Arbeitsagentur zurück. Einige Unternehmen stocken das Kurzarbeitergeld auch auf. So bekommen die Mitarbeiter beispielsweise 80 Prozent des Nettolohns. Solche Maßnahmen sind vor allem für Geringverdiener wichtig. Mit dem Kurzarbeitergeld können sie häufig nicht mehr ihre Lebenshaltungskosten wie Miete und Strom bezahlen.

Das Kurzarbeitergeld kann in der Regel zwölf Monate bezogen werden, mit Ausnahmegenehmigungen auch 21 Monate. Doch wenn den betroffenen Unternehmen langfristig der Umsatz wegbricht, dann werden sie auch zunehmend Stellen abbauen.

Stellenabbau prognostiziert

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland spürbar steigen wird. So wird prognostiziert, dass die Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent im Jahr 2019 auf 7,8 Prozent 2020 steigt. Auch für das nächste Jahr erwarten die Wirtschaftsforscher eine weitere Zunahme. Ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt ist der Autozulieferer Ifa aus Haldensleben (Börde). Das Unternehmen mit rund 2.000 Mitarbeitern in der Region führte im März zunächst Kurzarbeit in weiten Teilen der Belegschaft ein. Da sich die Auftragslage aber dauerhaft verschlechtert hat, werden nun 100 Stellen abgebaut, kündigte Ifa zuletzt an. (mz/dpa)