Rücken, Psyche

Krankmeldung: Höchststand! So krank waren die deutschen Arbeitnehmer noch nie

Berlin - Es gibt einen über die Jahre beobachteten Zusammenhang: Geht es der Wirtschaft schlecht, melden sich die Beschäftigen selten krank, weil sie um ihren Job bangen. Brummt die Konjunktur jedoch, dann steigen die Krankschreibungen, auch weil der Arbeitsplatz sicher erscheint. Genau diese Entwicklung ist auch aktuell zu sehen: Nach einer Analyse der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit haben sich die Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2016 häufiger krank gemeldet als in den Jahren zuvor. Hauptgrund waren physische Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen wie ...

Von Timot Szent-Ivanyi
Die Zahl der Krankmeldungen ist auf einem Höchststand.
Die Zahl der Krankmeldungen ist auf einem Höchststand. dpa-Zentralbild

Es gibt einen über die Jahre beobachteten Zusammenhang: Geht es der Wirtschaft schlecht, melden sich die Beschäftigen selten krank, weil sie um ihren Job bangen. Brummt die Konjunktur jedoch, dann steigen die Krankschreibungen, auch weil der Arbeitsplatz sicher erscheint. Genau diese Entwicklung ist auch aktuell zu sehen: Nach einer Analyse der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit haben sich die Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2016 häufiger krank gemeldet als in den Jahren zuvor. Hauptgrund waren physische Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen.

Nach den Zahlen der DAK, die auf einer Auswertung der Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten beruht,  lag der Krankenstand in den ersten sechs Monaten des Jahres bei 4,4 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 ist er damit um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Der Krankenstand bezeichnet den Anteil der kranken Beschäftigten an allen Arbeitnehmern.

Mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) wurde mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung 12,3 Tage – im Vorjahreszeitraum waren es 11,7 Tage. Verantwortlich für den vergleichsweise hohen Krankenstand ist vor allem der Anstieg bei den Fehltagen aufgrund von psychischen Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Bei diesen Diagnosen stieg die Zahl der Fehltage um jeweils 13 Prozent.

Rückenleiden und psychische Erkrankungen

Über die Hälfte aller Fehltage lassen sich auf drei Krankheitsarten zurückführen: An erster Stelle stehen Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen, die Männer etwas häufiger betreffen als Frauen. Jeder fünfte Fehltag wurde damit begründet (22 Prozent). Danach folgen Krankheiten des Atmungssystems mit 17 Prozent Anteil am Gesamtkrankenstand. Fast genauso viele Ausfalltage gingen auf das Konto der psychischen Erkrankungen. Ihr Anteil am Krankenstand hat sich auf 16 Prozent erhöht (1. Halbjahr 2015: 15 Prozent).

Frauen fehlten mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen fast doppelt so häufig wie Männer. Die Betroffenen fielen besonders lange aus: Im Schnitt waren es 35 Tage. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer von psychischen Erkrankungen übertraf somit sogar die von Krebserkrankungen mit 32 Tagen.

Keine starke Erkältungswelle

Eine starke Erkältungswelle wie zu Beginn des vergangenen Jahres gab es 2016 nicht: Während Husten, Schnupfen und Heiserkeit im ersten Halbjahr 2015 einen Anteil von knapp über 20 Prozent am Krankenstand hatten, waren es 2016 nur 17 Prozent. Die Zahl der Ausfalltage sank um neun Prozent.

Der Bundesvergleich zeigt: Berufstätige in den östlichen Bundesländern waren mit einem Krankenstand von 5,5 Prozent häufiger und länger krankgeschrieben als im Vorjahreszeitraum (2015: fünf Prozent). Im Westen ist der Krankenstand mit 4,2 Prozent deutlich niedriger. Das wirkt sich auf die Anzahl der Fehltage aus: Im Osten wurden 32 Prozent mehr Ausfalltage dokumentiert als im Westen. Wurden in den neuen Bundesländern 1000 Fehltage pro 100 Versicherte verzeichnet, waren es im Westen nur 758 Fehltage pro 100 Versicherte.