Pandemie-Folgen

Kleine Firmen rutschen in die Pleite

Die Zahl der Insolvenzen steigt um 20 Prozent. Woran das liegt.

Halle (Saale). Aufgrund der Corona-Maßnahmen geraten nun offenbar mehr Unternehmen in finanzielle Bedrängnis: Im März gab es in Deutschland deutlich mehr Firmenpleiten, ermittelte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Demnach gingen 870 Personen- und Kapitalgesellschaften insolvent, das waren 20 Prozent mehr als im Februar und erreicht damit fast das Niveau des Vorjahres.

Als Gründe für den Anstieg sehen die Forscher die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns und einen erleichterten Zugang zur Restschuldbefreiung für Selbstständige seit Anfang des Jahres. Diese Gesetzesänderung verringert für die Betroffenen die negativen Konsequenzen einer Insolvenz.

Laut IWH-Wissenschaftler Steffen Müller ist auffällig, dass es vor allem einen starken Anstieg der Pleiten bei Kleinstunternehmen und Selbstständigen gab. Diese beschäftigen nur wenige Mitarbeiter, so dass insgesamt weniger als 10.000 Beschäftigte in Deutschland von den Insolvenzen betroffen waren. „Insolvenzen vieler Kleinstunternehmen sind aus ökonomischer Sicht oft weniger einschneidend als eine Handvoll Großinsolvenzen“, sagt Steffen Müller, der am IWH die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung leitet.

Kommt die Corona-Insolvenzwelle 2021?

Die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel rechnet aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr sogar noch mit einer Insolvenzwelle in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Firmenpleiten könne sich gegenüber 2020 etwa verdreifachen. Insgesamt 917 Firmeninsolvenzen seien möglich, sagte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein zuletzt. Allein der Rückstau könne sich auf 466 Firmeninsolvenzen belaufen.

Schlein begründet seinen pessimistischen Ausblick damit, dass es im Vorjahr lediglich 353 Unternehmenspleiten im Land gab - etwa 100 weniger als im Vorjahr. Hauptursache sei die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Kombination mit den zahlreichen Hilfspaketen für die Unternehmen gewesen, so Schlein. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft würden deshalb erst allmählich in diesem und im kommenden Jahr sichtbar. (mz/Steffen Höhne)