IQ Innovationspreis Mitteldeutschland

IQ Innovationspreis Mitteldeutschland: Ein Wasserstoffantrieb für alle

Halle (Saale) - Fast lautlos rollen sie, als Abgas entsteht reiner Wasserdampf. Bei Autos mit Brennstoffzelle stimmt die Öko-Bilanz. Ihre Zahl steigt leider nur langsam. Erst einige hundert Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind hierzulande registriert, zumeist noch versuchsweise. Dabei verlockt schon ihre theoretische Reichweite: 150 bis maximal 850 Kilometer. Was jedoch wirklich fehlt, damit alles rund läuft, sind geeignete Tankstellen. Davon gibt es laut Bundeswirtschaftsministerium deutschlandweit gerade einmal 34 Stück. Sachsen-Anhalt will nun aber nachziehen - noch in diesem Jahr, mit der neuesten Technologie, in ...

Von Ralf Böhme

Fast lautlos rollen sie, als Abgas entsteht reiner Wasserdampf. Bei Autos mit Brennstoffzelle stimmt die Öko-Bilanz. Ihre Zahl steigt leider nur langsam. Erst einige hundert Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind hierzulande registriert, zumeist noch versuchsweise. Dabei verlockt schon ihre theoretische Reichweite: 150 bis maximal 850 Kilometer. Was jedoch wirklich fehlt, damit alles rund läuft, sind geeignete Tankstellen. Davon gibt es laut Bundeswirtschaftsministerium deutschlandweit gerade einmal 34 Stück. Sachsen-Anhalt will nun aber nachziehen - noch in diesem Jahr, mit der neuesten Technologie, in Leuna.

Wer macht es möglich? Das ist nicht zuletzt Joachim Löffler und sein Team der mittelständischen Firma Kumatec - in Partnerschaft mit der Technischen Universität Ilmenau. Der erfolgreiche Sondermaschinenbauer, der rund 70 hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigt, erhielt am Donnerstagabend in Halle den mit exakt 15.000 Euro dotierten IQ-Innovationspreis Mitteldeutschland. Die Auszeichnung ist gemeinsam von den Industrie- und Handelskammern aus Halle-Dessau, Leipzig und Ostthüringen gesponsert. Verliehen wird sie für hervorragende wissenschaftlich-technische Leistungen seit 1994.

Das Prinzip ist nicht neu

Von einem Zufall kann auch in diesem Jahr keine Rede sein. Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland, erklärt die Juryentscheidung so: „Die ausgezeichnete Innovation setzt an einer der größten Herausforderungen für die flächendeckende Nutzung der Wasserstoff-Technologie an.“ Wasserstoff werde künftig eine zentrale Rolle beim Umbau der Energieversorgung spielen.

Dabei ist das Prinzip der Kumatec-Entwickler nicht einmal neu. Die Elektrolyse ist die chemische Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Das geschieht mit Hilfe elektrischen Stromes und lohnt, wenn er reichlich und nicht allzu teuer verfügbar ist. Doch es gibt ein Problem. Wer Wasserstoff speichern will, muss ihn verdichten, und das geht nur mit sehr hohem Druck. Um bis zu 100 bar geht es dabei. Das entspricht etwa dem 50-fachen Druck in einem Autoreifen. Das schaffen Löffler und Co. inzwischen ohne weiteres.

Serienproduktion mit günstigen Preisen

Und sie haben gleichzeitig noch etwas erreicht - etwas, womit weltweit bisher nur ganz wenige Hersteller aufwarten können: Der Betrieb kann solche Anlagen, unter Fachleuten nur Hochdruckelektrolyseure genannt, jetzt in Serien fertigen und damit zu vergleichsweise günstigen Preisen anbieten. Der Vertrieb liegt in den Händen von Kumatec. Die Kombination von im eigenen Hause entwickelten Systembestandteilen, darunter Füllstandmessern und Servoventilen, mit kostengünstigen Komponenten aus Großserien zahlt sich nach Ansicht der Preisrichter in Euro und Cent aus. Darüber hinaus, so heißt es in der Begründung zur Preisverleihung weiter, kann mittels spezieller Beschichtungen der Wirkungsgrad bei der Wasserstofferzeugung auf über 80 Prozent erhöht werden.

Gehen alle Rechnungen auf, sieht es so aus, als ob damit der entscheidende Schub für den Ausbau eines Tankstellennetzes für Autos mit Brennstoffzellen aus Mitteldeutschland kommt. Die Planungen der Bundesregierung gehen davon aus, dass im Jahr 2023 an 400 Standorten entsprechende Möglichkeiten bestehen werden. Als wünschenswert gilt eine Zahl von 900, so Berechnungen des Bundes. Ende 2018 könnten es knapp 100 Stationen sein.

Wasserstoff für Krankenhäuser

Ein weiteres aussichtsreiches Projekt verfolgt Kumatec zusammen mit sieben Partnern aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen. Ziel ist die Gewinnung und die Anwendung von Wasserstoff in Krankenhäusern. Einsatzgebiete: Krankenwagen mit Brennstoffzellen, Energiegewinnung, Beseitigung von Altmedikamenten. So könnten rund 2 000 medizinische Einrichtungen durch maßgeschneiderte dezentrale Anlagen zu kleinen Wasserstofffabriken aufgerüstet werden. (mz)