Hohe Rabatte für leere Lager: Warum 70 Prozent Nachlass möglich sind

Köln/Berlin/dpa. - In den Schaufenstern und Werbeprospekten versprechen die Händler den Schnäppchenjägern jetzt wieder hohe Nachlässe: Um 30 Prozent, 50 Prozent, teils um 70 Prozent reduziert sind T-Shirts, Kleider, Hosen und weitere ...

Von Erik Rossel 23.07.2009, 07:32

In den Schaufenstern und Werbeprospekten versprechen die Händler den Schnäppchenjägern jetzt wieder hohe Nachlässe: Um 30 Prozent, 50 Prozent, teils um 70 Prozent reduziert sind T-Shirts, Kleider, Hosen und weitere Sommerkleidung.

Auch wenn es seit mehreren Jahren keinen offiziellen Sommerschlussverkauf mehr gibt: Die Preise fallen auf breiter Front. Dabei ist Kleidung häufig ohnehin schon günstig. Möglich sind die hohen Rabatte, weil die Händler keine andere Wahl haben.

Denn vom Preis bleibt schon bei geringeren Nachlässen beim Händler kein Gewinn mehr übrig. «Ist die Ware mit 20 Prozent heruntergesetzt, verdient der Händler nichts mehr an ihr», sagt Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels in Köln. Der Einkaufspreis für ein Kleidungsstück belaufe sich auf etwa 50 Prozent des Verkaufspreises. Und weil Händler auch Kosten für Verkaufsräume, Personal und mehr haben, sei schon ein Nachlass von 20 Prozent ein Zugeständnis. Dennoch ist es für die Läden sinnvoll und notwendig, die Sommerware loszuwerden. Und so startet der deutsche Einzelhandel am Montag (27. Juli) wieder den diesjährigen Sommerschlussverkauf (SSV).

Denn sie brauchen Platz für neue Ware mit neuen Farben und Schnitten für Herbst und Winter. «Schlussverkäufe sind entstanden, um Platz im Lager zu schaffen», erläutert Dax. Geld werde bei diesen Rabatten nicht gewonnen, sondern nur noch «gewechselt». Die Einnahmen benötigen die Händler oft, um die eingekaufte Ware zu bezahlen. Diese sei nicht selten mit Krediten finanziert, deren Zinsen ausgeglichen werden müssten.

Es handelt sich also im wahrsten Sinne des Wortes um einen Ausverkauf: «Lagerhaltung ist teuer. Ein Kleidungsstück, das im Sommer nicht verkauft wurde, ist im nächsten Jahr noch schwieriger loszuwerden», sagt Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Dass Händler ihre Ware gar verschenken oder um 70 Prozent reduziert anbieten, sei aber die absolute Ausnahme. Die häufigen Rabattformen lägen zwischen 23 und 30 Prozent.

Bei der Jagd auf Schnäppchen sollten sich Verbraucher nicht von den Zahlen vor dem Prozentzeichen blenden lassen - da sind sich Branchenvertreter und Verbraucherschützer einig. Nur weil Ware reduziert ist, hat sie noch lange keinen Platz im Kleiderschrank: «Wir sagen, die Kunden sollten nicht die Reduzierung an sich kaufen. Sie sollten sich die Ware ansehen und überlegen, ob sie den Preis wert ist», rät Dax. Ihm zufolge ist Ware außerdem häufig umso «unansehnlicher», je stärker sie reduziert ist.

Brigitte Rittmann-Bauer von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf warnt davor, bei den derzeit hohen Rabatten die Übersicht zu verlieren. Auch wenn ein Artikel stark heruntergesetzt ist, sollten Kunden auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten.

Ein Trend in der Branche spielt Verbrauchern bei der Suche nach guten Angeboten dabei in die Hände: die sich verändernde Angebotspolitik. Die «Umschlaghäufigkeit», sagt Rittmann-Bauer, habe sich vermehrt. So gebe es Textilhäuser, die alle vier Wochen neue Ware in die Regale packen - es gebe nicht mehr nur Winter- und Sommer-Kollektionen, sondern auch mehrere «Zwischensaisons». Der Bekleidungshandel muss also immer öfter für Platz in seinen Regalen sorgen. Zu attraktiven Angeboten kommt es also immer wieder.