Fuhrpark soll klimafreundlich werden

Fuhrpark soll klimafreundlich werden: Warum Land nicht auf Hybrid-Fahrzeuge setzt

Magdeburg - Sachsen-Anhalt verwirft Pläne, größere Teile seiner Dienstwagenflotte durch vermeintlich umweltfreundliche Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zu ersetzen.

Von Jan Schumann

Sachsen-Anhalt verwirft Pläne, größere Teile seiner Dienstwagenflotte durch vermeintlich umweltfreundliche Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zu ersetzen.

Die Wagen, die sowohl mit Akku- als auch Kraftstoffantrieb fahren und extern geladen werden können, hätten in der Praxis oft „deutlich höhere Kraftstoff-Verbräuche“ als von Herstellern versprochen, erklärte das Finanzministerium auf MZ-Anfrage. Das habe die Praxis gezeigt.

Zwar locken Autobauer mit teils sensationell niedrigen Kraftstoffverbrauchswerten von unter zwei Litern auf 100 Kilometer. Doch in der Praxis verbrauchten Plug-in-Hybride auf langen Strecken fast genauso viel wie klassische Verbrenner, schreibt das Ministerium auf Anfrage der Linksfraktion. Damit wäre der Verbrauch drei- bis viermal höher als von Herstellern versprochen. In der Anschaffung sind Hybride indes meist teurer als Verbrenner.

Plug-in-Hybride allenfalls für Kurzstrecken

Die vom Staat stark subventionierten Plug-in-Hybride spielten in vergangenen Jahren durchaus eine Rolle für den prestigeträchtigen Fuhrpark der Regierung: Im Jahr 2020 waren allein unter den 103 Dienstwagen der Ministerien 13 Hybride. Das Finanzministerium empfiehlt nun aber, die Autos allenfalls für kurze Strecken zu nutzen. Teils sei der Ersatz durch reine Elektroautos beabsichtigt.

Seit Jahren gibt es Zoff um den realen Verbrauch der Plug-in-Hybride - auch der Automobilclub ADAC bemängelt teils unrealistische Werte in Autoprospekten. Tatsächlich komme es stark auf Fahrverhalten und Strecke an. Die Fahrzeuge würden oft nur 40 bis 60 Kilometer im Elektromodus, also schadstofffrei, schaffen.

Nicht nur die Regierung, auch Landesgesellschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts nutzen Dienstwagen mit Plug-in-Hybrid. Darunter etwa die landeseigene Investitionsbank, deren Geschäftsleiter Marc Melzer seit vergangenem August einen BMW X5 xDrive45e zum Listenpreis von 96.060 Euro fährt. Oder die mittlerweile entlassene Führung von Lotto-Toto, für die ein Audi Q5 TFSle zum Listenpreis von 79.710 Euro bereitstand.

Hybride sparen Steuern für Chefetage

Die oppositionelle Linksfraktion, die diese Daten erfragt hat, kritisiert: Diese Hybride sparen zwar keinen Kraftstoff, dafür aber Steuern für die Chefetagen. Denn: Wer solche Dienstwagen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb in Absprache mit dem Arbeitgeber auch privat nutzt, muss dafür deutlich weniger Steuern zahlen als im Fall klassischer Verbrenner. So will der Staat Elektromobilität fördern. Nach Berechnungen der Linken kann IB-Chef Melzer so hunderte Euro weniger versteuern - im Vergleich zu der Zeit, als er noch seinen Diesel-Dienstwagen privat nutzte.

Die IB erklärte auf MZ-Anfrage, zu persönlichen Arbeitsverhältnissen und zu durch das Steuergeheimnis geschützten Daten würden keine Auskünfte erteilt. Die Autoauswahl sei unter der geltenden Dienstwagen-Richtlinie der Bank getroffen worden. „Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die Herstellerangaben hinsichtlich Fahrtstrecken und Reichweiten.“ Der BMW-Geländewagen schaffe laut Hersteller 85 Kilometer im Elektrobetrieb. Der Kraftstoffverbrauch liege im Schnitt bei 1,3 Litern auf 100 Kilometern. Ob die Angaben für die Praxis zutreffen, konnte in der kurzen Nutzungszeit noch nicht ausgewertet werden, erklärte eine Sprecherin.

Die Linken-Abgeordnete Kristin Heiß kritisierte, die Anschaffung von Plug-in-Hybriden lohne sich weder finanziell noch ökologisch. „Allein die eh schon gut verdienenden Geschäftsführer profitieren von den Steuervergünstigungen und können für kleines Geld hoch motorisierte Hybride fahren.“ Das Land solle neue Grenzen einziehen „und die Sinnhaftigkeit des Leasings von Hybriden überprüfen“. (mz)