Förderanträge in Sachsen-Anhalt

Förderanträge in Sachsen-Anhalt: Firmen holen sich Geld zum Investieren

Magdeburg - Die Zahl der Förderanträge steigt deutlich. Auch kleine Unternehmen nutzen die Töpfe zum Wachsen.

Von Hagen Eichler
500-Euro-Geldscheine
500-Euro-Geldscheine dpa

Im ersten Halbjahr 2017 haben Unternehmen in Sachsen-Anhalt mit öffentlicher Förderung bereits mehr investiert als im gesamten Vorjahr. Insgesamt steckten sie 275 Millionen Euro in die Erneuerung oder Erweiterung ihrer Betriebe, im Vorjahr waren es 254 Millionen Euro. Das berichteten das Landeswirtschaftsministerium und die Investitionsbank (IB) am Montag.

Rund 53 Millionen Euro Fördergeld hat die IB in den ersten sechs Monaten bewilligt. Aus dem größten Topf, dem zur Neuerrichtung von Betriebsstätten, holten sich Großunternehmen 19,6 Millionen Euro Förderung, kleine und mittlere 13,3 Millionen Euro. Seit Mai gelten neue Regeln, die den Zugang mittelständischer Unternehmen zu Fördergeld erleichtern sollen. Ob dieses Ziel erreicht werde, lasse sich allerdings erst in einem halben Jahr feststellen, bremste Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). Gleichwohl zeigte er sich überzeugt: „Das deutliche Plus beim Antragseingang und -bestand lässt viele Investitionen für die kommenden Jahre erwarten.“

IB-Chef Manfred Maas: „Die Investitionsneigung ist stark angestiegen“

Als Beleg für einen plötzlichen Wirtschaftsboom taugen die Antragszahlen bei der Wirtschaftsförderung nur eingeschränkt. Viele Unternehmen hatten Investitionen verschoben, um von den neuen Förderbedingungen zu profitieren. Da zudem die Fördersätze zum 1. Januar 2018 um fünf Prozent absinken, ballen sich die Anträge in diesen Monaten. Zu den bewilligten Großvorhaben gehört etwa die Erweiterung des Lenkungswerkes von Thyssenkrupp in Schönebeck (7,4 Millionen Euro Förderung) und die Werkserweiterung der Feinkost-Firma Allfein in Zerbst (2,4 Millionen Euro).

„Die Investitionsneigung ist stark angestiegen“, sagte IB-Chef Manfred Maas. „Viele stoßen mit ihrer Auslastung inzwischen an Grenzen und investieren in Maschinen und Anlagen.“ Aktiv seien vor allem solche Unternehmen, die auch überregional Umsatz erzielten. Dies belege auch eine Studie des IWH.

Unterdessen will das Wirtschaftsministerium erforschen, aus welchen Gründen sich Unternehmen bei Investitionen zuvor zurückgehalten haben. Es gebe eine Scheu vor Bürokratie, etwa vor Verwendungsnachweisen, sagte Wirtschaftsminister Willingmann. Ein Gutachten solle klären, „was davon gefühlt und was tatsächlich ist“. Über die Vergabe des Gutachtens beraten der Wirtschafts- und der Finanzausschuss im August. (mz)

Informationen zu Förderangeboten: Hotline (kostenlos) 0800 56 007 57 und unter www.ib-sachsen-anhalt.de