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E-Autobauer: Nervöse Investoren – Tesla-Aktie verkommt zum Zockerpapier

Berlin - Die Tesla-Aktie ist zum Zockerpapier geworden. In mehreren Blogs für risikofreudige Investoren werden sogenannte Short-Positionen empfohlen. Das heißt, Anleger sollen darauf wetten, dass der Kurs in den nächsten Wochen massiv an Wert verlieren wird. Tatsächlich kommt bei dem E-Autobauer gerade viel zusammen. Eine Rückrufaktion, ein tödlicher Unfall, nicht erfüllte Produktionsziele. Der Konzernchef Elon Musk, macht überdies Scherze, die Börsianer ihm ziemlich übel genommen haben. Und am Horizont  wird erkennbar, wie die Konkurrenz Tesla immer näher kommt. „Musk läuft die Zeit davon“, sagt Autoprofessor Ferdinand ...

Von Frank-Thomas Wenzel
Tesla-Chef Elon Musk.
Tesla-Chef Elon Musk. AP

Die Tesla-Aktie ist zum Zockerpapier geworden. In mehreren Blogs für risikofreudige Investoren werden sogenannte Short-Positionen empfohlen. Das heißt, Anleger sollen darauf wetten, dass der Kurs in den nächsten Wochen massiv an Wert verlieren wird. Tatsächlich kommt bei dem E-Autobauer gerade viel zusammen. Eine Rückrufaktion, ein tödlicher Unfall, nicht erfüllte Produktionsziele. Der Konzernchef Elon Musk, macht überdies Scherze, die Börsianer ihm ziemlich übel genommen haben. Und am Horizont  wird erkennbar, wie die Konkurrenz Tesla immer näher kommt. „Musk läuft die Zeit davon“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer.

Die Tesla-Aktie war voriges Jahr im September mehr wert als das Papier des um ein Vielfaches größeren Autobauers General Motors. Danach ging es über mehrere Stufen bergab. Das beschleunigte sich erheblich, als  Ende März/Anfang April innerhalb weniger Tage noch einmal ein Fünftel des Werts verloren ging. Vorige Woche bekam der Titel wieder neuen Schwing, die Verluste wurden  vollständig aufgeholt. Was war geschehen? Zuerst kam die Meldung, dass 123000 Fahrzeuge des Oberklasse-Coupés Model S in die Werkstatt gerufen werden müssen, weil Schrauben an der Servolenkung rosten. Dann verunglückte in den USA der Fahrer eines Model-X-SUV, wegen einer Fehlfunktion des Autopilot genannten Assistenzsystems, was neue Zweifel an dessen Sicherheit nährte. Der Mann starb noch an der Unfallstelle, das Auto brannte aus. Dann stufte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von Tesla ab. 

Keine Twitter-Aprilscherze für nervöse Investoren

Vom hyperaktiven Musk kam eine Art Übersprungreaktion. Über Twitter verschickte er einen Aprilscherz: Tesla sei komplett und total pleite. Und er setzte mit einem Foto noch eins drauf, das ihn vermeintlich volltrunken und mit getrockneten Tränen auf den Wangen an ein Model 3 gelehnt zeigte. 

Als er bemerkte, dass man an der Börse kein Verständnis für solch schlechte Scherze hatte und die Tesla-Aktie abstürzte, twitterte er ein Dementi hinterher: Es sei doch klar, dass er über eine Pleite keine Witze machen würde, wenn da tatsächlich etwas dran wäre. Diese Arabeske zeigt, wie nervös die Investoren sind. 

Aber immerhin hat Musk dann bewiesen, dass ihm sein Kommunikations- und Marketingtalent noch nicht verlassen hat. Er meldete, dass es gelungen sei, in der letzten Märzwoche 2020 Exemplare des Model 3 zu bauen und dass es jetzt wieder „in der Fabrik“ schlafe. Am Montag meldete dann der US-Branchendienst Electrek, Tesla plane, von Mitte des Jahres an das Model 3 mit zwei E-Motoren und Allradantrieb anzubieten. Musk bestätigte, dass es die leistungsfähigere Variante von Juli an geben werde. Und außerdem werde die Mittelklasselimousine dann nicht mehr nur mit einer schwarzen, sondern auch mit einer hellen Innenausstattung geliefert. Die viel wichtigere Information dabei war aber: Voraussetzung für die komplexere Produktion sei, dass man bei der Fertigung zuerst auf eine Stückzahl von 5000 pro Woche kommen müsse - was also nun bis Ende Juni geschafft werden soll.  Musk hat schon viele seiner selbst gesteckten Ziele nicht halten können. Dennoch goutierten die Anleger gestern seine Ansage mit steigenden Kursen. 

Fast alles hängt am Model 3

Beim Pionier der Elektromobilität hängt fast alles am Model 3. Die Tesla-Leute haben es bislang aber nicht geschafft, eine Massenfertigung aufzuziehen. Dass der Chef nun in der Fabrik übernachten will, lässt sich als Versprechen werten, dass er sich mit aller Kraft um das Hochfahren der Model-3-Montage kümmern will. 

 Gleichwohl bleiben viele Zweifel, die das Szenario für Wetten auf fallende Kurse nähren: Da ist einerseits die Finanzierung des Unternehmens. Es hat noch keinen einzigen Dollar verdient, verbrennt immense Summen.  Die Frage ist, wie lange das gutgehen kann. Zumal es mit der Abstufung durch Moody’s teurer wird, bei Anlegern Geld zu leihen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kurse der Tesla-Anleihen ohnehin erheblich ungünstiger dastehen, als die Obligationen vergleichbarer Unternehmen. Ein maßgeblicher Faktor ist hierbei, dass der Photovoltaikanlagen-Hersteller Solar-City Ende 2016 von Tesla übernommen und damit mutmaßlich vor der Pleite gerettet wurde. Solar-City ist gleichwohl nach wie vor mit knapp drei Milliarden Dollar hoch verschuldet.

Teslas sollen Öko-Strom tanken

Musk will aber unverdrossen mit der Kombination aus E-Autos und Sonnenstrom erreichen, dass Teslas künftig Öko-Strom tanken, der auf dem Garagendach hergestellt wird. Allerdings hat Solar-City schwer mit immer stärkerer Konkurrenz zu kämpfen. Das Unternehmen hat gerade in den USA seine Marktführerschaft bei Hausdachanlagen an  Sunrun abgegeben. Wie weit das sogenannte One-Stop-Shop-Prinzip mit automobilen Stromern und Sonnenstrom-Ziegeln tatsächlich trägt, ist unter Experten umstritten.

Dazu kommt: Selbst wenn beim Model 3 nun alles nach Plan läuft, hinkt Tesla mindestens ein halbes Jahr hinter seinen ursprünglichen Produktionsplänen her. Das bedeutet, dass die ersten Fahrzeuge Deutschland und andere europäische Länder frühestens irgendwann im ersten Halbjahr 2019 erreichen werden. Dann werden aber auch die hiesigen Hersteller verstärkt Stromer anbieten. „Wenn Musk es in den nächsten Monaten nicht schafft, die großen Probleme von Tesla zu lösen, hat er verloren“, sagt Dudenhöffer. Allen voran plant der Volkswagen-Konzern eine E-Pkw-Offensive, und er hat in der Fertigung großer Stückzahlen einen enormen Erfahrungsvorsprung. Den Anfang soll ein Elektro-SUV der Marke Audi als Rivale des Model X machen. Die ersten Modelle sollen schon im Sommer gebaut werden. Die Vermarktung soll Ende des Jahres starten.