„Führung heißt, den Wandel zu gestalten“

Der Umbruch in der Automobilbranche, und vor welchen Herausforderungen Führungskräfte jetzt stehen

07.12.2021, 09:29 • Aktualisiert: 07.12.2021, 14:48
„Was uns ausmacht, ist die persönliche Nähe zu unseren Kunden“. Marion Plocher ist langjährige Personalexpertin in der Automobilbranche.
„Was uns ausmacht, ist die persönliche Nähe zu unseren Kunden“. Marion Plocher ist langjährige Personalexpertin in der Automobilbranche. (Foto: Plocher Executive Find GmbH)

Im Jahr 2017 veröffentlichte das Beratungsunternehmen KPMG die Ergebnisse einer weltweiten Umfrage unter Top-Führungskräften der Automobilindustrie. Die Mehrheit der Befragten bezweifelte, dass sich das reine Elektroauto in absehbarer Zeit (bis 2035) durchsetzen werde. „Die Expert:innen nannten plausible Gründe für ihre Einschätzung“,erklärt Marion Plocher. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Plocher Executive Find GmbH in Stuttgart, einer renommierten Personalvermittlung in der Automobilbranche.

Eine knappe Mehrheit der befragten Top-Manager begründet dies mit der unzureichend flächendeckenden Ladeinfrastruktur, dem Risiko einer Überlastung des Stromnetzes und der Gefahr eines vorübergehenden Ausfalls, insbesondere in Ballungsgebieten.

Druck auf die Automobilbranche

Doch Tempora Mutantur – die Zeiten ändern sich. Seit Veröffentlichung der KPMG-Studie sind einige Jahre ins Land gegangen, in denen der Druck den Klimawandel stärker entgegenzuwirken spürbar gewachsen ist. Insbesondere in der jüngeren Generation, und nicht nur in Form von „Fridays for Future“.

„Die Politik forciert erkennbar die Disruption in der Automobilbranche“, erklärt Marion Plocher.

Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beschleunigt überdies die Entwicklung hin zum weitgehend autonomen Fahren „Digitalisierung und Elektromobilität stellen Führungskräfte in der Automobilindustrie vor große Herausforderungen, die nicht zuletzt ein Höchstmaß an Flexibilität erfordern“, ist Marion Plocher überzeugt.

Ob nun in der Versicherungsbranche oder eben in der Automobilbranche – Change, Wandel, Disruption sind gleichsam alternativlose Aufgaben eines Topmanagements sowie der nachgeordneten Führungskräfte. Zu geringes Tempo oder hier sogar zu versagen, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit in einem der härtesten umkämpften Branchen weltweit. Wohl selten traf das bekannte Bonmot zu wie hier: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Wettbewerbsvorteile durch erstklassige Führungskräfte

„Aus Unternehmenssicht ist die ideal geeignete Person für die richtige Position zu finden nichts anderes als ein auf Dauer erheblicher Wettbewerbsvorteile“, weiß Marion Plocher aus langjähriger Erfahrung. Auffallend sei, dass sich für Positionen im oberen Management nach wie vor zu wenige passende KandidatInnen bemühten. Für Unternehmen, insbesondere in disruptiven Branchen eine durchaus heikle Sache – und fast immer ein großes Problem, das sich ohne externen Support in Persona praktisch nicht lösen lässt.

Zuhören und mit offenen Augen durch die Firma gehen - nur so spürt sie, welche menschlichen Eigenschaften und fachliche Fähigkeiten zu ihrem Kunden passen
Zuhören und mit offenen Augen durch die Firma gehen - nur so spürt sie, welche menschlichen Eigenschaften und fachliche Fähigkeiten zu ihrem Kunden passen
(Foto: Plocher Executive Find GmbH)

Klar ist: Klasse schlägt Masse, Qualität bekanntlich Quantität. Marion Plocher, Chefin der Plocher Executive Find GmbH: „Zugang zu haben zu gefühlt unzähligen KandidatInnen reicht bei weitem nicht aus. Die Gefahr fataler Fehlentscheidungen ist einfach zu groß. Stattdessen gilt es, den Menschen als solchen wirklich kennenzulernen und daraus zu schlussfolgern, ob er bzw. sie für eine wichtige Position tatsächlich geeignet ist.“

Das müssen Führungskräfte mitbringen

Indes – was müssen Kandidat:innen mitbringen, um Wandel, Change und Disruption im Sinne des Unternehmens und seiner Wettbewerbsfähigkeit entscheidend zu gestalten? Einiges, wenn nicht vieles! So zeichnen Führungskräfte besonders die Fähigkeit zur intrinsischen Motivation sowie eine mitreißende Überzeugungskraft aus. Zugleich ist das Denken in Hierarchien in Zeiten des Umbruchs längst nicht mehr state of the art, ja kontraproduktiv. Match-Winner und Game-Changer ist ein kooperativer Führungsstil mit viel Raum für Kreativität und Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern. Soziale Soft-Skills wie Empathie runden die Fähigkeiten der Führungskraft von heute und morgen ab.

Und was ist nötig beim Finden der idealen Besetzung schlechthin für eine Führungsposition? Marion Plocher, denkende für und Macherin von Plocher Executive Find sieht das so: „Der Königsweg, um Bedürfnisse und Wünsche auf beiden Seiten zu verstehen, ist der direkte Austausch. Den Stallgeruch eines Unternehmens atmet niemand auf Distanz ein, sondern durch Präsenz.“ Auch in Coronazeiten mit dem Trend zu digitalen Interviews sei dies im Rahmen der Kandidatenkür sehr sinnvoll. Denn „im direkten Gegenüber können weitaus mehr Nuancen des Gesprächspartners wahrgenommen werden. Entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dem auftraggebenden Unternehmen den Best-Choice zu liefern“, ist Marion Plocher überzeugt.