Beton soll Beton stabilisieren

Beton soll Beton stabilisieren: Bahn muss auf ICE-Trasse Halle-Erfurt nachbessern

Halle (Saale) - Deutschlands größte Bahn-Baustelle ist schon lange keine Baustelle mehr. Im August vorigen Jahres schaltete die Deutsche Bahn AG auf der neuen ICE-Trasse zwischen Erfurt und Halle/Leipzig die Oberleitung scharf. Anschließend begannen Test- und Messfahrten mit ICE-Zügen. Dass sechs Brücken in dem Abschnitt noch nicht für den regulären Betrieb freigegeben sind, war den Verantwortlichen damals schon bekannt. Dass nun noch einmal die Bauleute ranmüssen, damit haben sie wohl nicht ...

Von Alexander SChierholz

Deutschlands größte Bahn-Baustelle ist schon lange keine Baustelle mehr. Im August vorigen Jahres schaltete die Deutsche Bahn AG auf der neuen ICE-Trasse zwischen Erfurt und Halle/Leipzig die Oberleitung scharf. Anschließend begannen Test- und Messfahrten mit ICE-Zügen. Dass sechs Brücken in dem Abschnitt noch nicht für den regulären Betrieb freigegeben sind, war den Verantwortlichen damals schon bekannt. Dass nun noch einmal die Bauleute ranmüssen, damit haben sie wohl nicht gerechnet.

So aber ist es gekommen. Das zentrale Ergebnis des gestrigen Krisentreffens zwischen Vertretern des Bahnkonzerns, der Eisenbahn-Bundesamtes (Eba) und des Bundesverkehrsministeriums lautet: Die Bahn muss nachbessern. Baulich.

Sie muss auf den Brücken die Betonschichten, auf denen die Gleise montiert sind, rechts und links der Schienenstränge mit einer zusätzlichen Betoneinfassung stabilisieren. So soll die Festigkeit des Gleisbettes auch bei hohen Geschwindigkeiten gewährleistet werden.

Damit nicht genug: Nach MZ-Informationen sollen die Verfahren, mit denen die bei hohem Tempo auf die Züge und die Gleis-Konstruktion wirkenden Kräfte gemessen werden, ausgeweitet werden. Auch die Belastungstests werden fortgesetzt, jeweils begleitet von einer engmaschigen Überwachung.

Darüber hinaus wollen die Bahn-Experten aus dem bisherigen Gleisbett Bohrkerne entnehmen und auf Stabilität untersuchen. All das, um eine Inbetriebnahme der Strecke im Dezember zu ermöglich. Das, so erklärten Bahn, Eba und Ministerium gestern übereinstimmend, bleibe „gemeinsame Zielsetzung“.

Das Kernproblem liegt nach Darstellung der Bahn und des Eisenbahn-Bundesamtes im Beton: Einer der die Gleise tragenden Schichten fehlt die sonst übliche Stabilisierung mittels Stahlstäben. Sie ist aus Sicht des Eba aber notwendig, um Spannungen aufzunehmen, die auftreten können.

Die Experten befürchten, dass der Beton wegen der fehlenden Armierung durch die hohe Last eines ICE-Zuges mit Tempo 300 in Bewegung geraten könnte. Um das zu verhindern, sollen rechts und links jedes Gleises weitere Betonteile eingebaut werden, diesmal mit Armierung. Damit wird die fragliche Tragschicht quasi eingefasst.

Der Aufwand ist erheblich: Bei fast 14 Kilometern Gesamtlänge der sechs Brücken, von der Scherkonde-Talbrücke in Thüringen bis zur Saale-Elster-Talbrücke südlich von Halle, sind mehr als 50 Kilometer zusätzliche Betonkonstruktion notwendig. Die Kosten dafür ließ die Bahn gestern offen.

Ob die Nachbesserung hält, was sie verspricht, das ist die große Frage. In vier Wochen, so eine weitere Vereinbarung bei dem Krisentreffen, muss die Bahn einen Zwischenbericht vorlegen. Aus Bahn-Kreisen hieß es, es gebe derzeit kein Indiz dafür, dass der Start-Termin im Dezember nicht gehalten werden könne. (mz)