Bauern fürchten um Existenz

Bauern fürchten um Existenz: Corona sorgt für Schweinestau in Sachsen-Anhalt

Magdeburg - Gleich zwei Virus-Krisen setzen die deutsche Fleischindustrie unter Druck: Aufgrund der Corona-Pandemie mussten zahlreiche Schlachthöfe ihre Produktion herunterfahren, zeitgleich verhindert die Afrikanische Schweinepest fest eingeplante Verkäufe nach Asien. Die Belastung der Branche schlägt sich in einem enormen Schweine-Stau nieder: Im Januar konnten bundesweit 880.000 ausgewachsene Tiere nicht geschlachtet werden. Das erklärt Sachsen-Anhalts Umweltministerium auf Anfrage der Grünen. Bauern sehen sich in der Existenz ...

Von Jan Schumann
Corona und Schweinepest haben zu einem riesigen Schweine-Stau geführt.

Gleich zwei Virus-Krisen setzen die deutsche Fleischindustrie unter Druck: Aufgrund der Corona-Pandemie mussten zahlreiche Schlachthöfe ihre Produktion herunterfahren, zeitgleich verhindert die Afrikanische Schweinepest fest eingeplante Verkäufe nach Asien. Die Belastung der Branche schlägt sich in einem enormen Schweine-Stau nieder: Im Januar konnten bundesweit 880.000 ausgewachsene Tiere nicht geschlachtet werden. Das erklärt Sachsen-Anhalts Umweltministerium auf Anfrage der Grünen. Bauern sehen sich in der Existenz bedroht.

Zentraler Grund dafür ist der Preisverfall, da seit Monaten auch die Abnehmer für Schweineprodukte fehlen - zum Beispiel Restaurants und Hotels im Lockdown. Die Erzeugerpreise für Schlachtschweine sanken im Dezember um 40 Prozent im Vergleich zu 2019. Für Tierprodukte allgemein gingen sie um 15,5 Prozent nach unten.

Weniger Nachfrage durch Corona und Schweinepest

Das hängt vor allem mit der zweiten Krise zusammen: Seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Europa und Deutschland haben China und andere Staaten sämtliche Importe eingestellt. Das Problem dabei: Die Volksrepublik ist Hauptabnehmer für in Deutschland kaum gefragte Tierteile wie Ohren, Pfoten und Bauchfett. „Sie müssen nun teils teuer verbrannt werden“, sagte Olaf Feuerborn, Präsident des Landesbauernverbandes, der MZ.

Den Exportstopp will die Bundesregierung schnellstmöglich auflösen: Die Verhandlungen mit China hätten „höchste Priorität“ und fänden auf fachlicher und politischer Ebene statt, so das Umweltministerium in Magdeburg. Das deutsche Ziel: China soll zumindest aus jenen Bundesländern wieder Importe kaufen, in denen keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen sind - etwa Sachsen-Anhalt.

Sachsen-Anhalt fürchtet Ausbruch der Schweinepest im Land

Ausbrüche gab es bisher in Sachsen und Brandenburg. Die Schweinepest gilt für Menschen als ungefährlich, endet für Haus- und Wildschweine aber tödlich. Sie wird bei direktem Kontakt übertragen und kann auch in verarbeiteten Tierprodukten wie Salami und Schinken über Wochen überleben.

Der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion warnt deshalb davor, Fleisch aus betroffenen Ausbruchsregionen nach Deutschland zu bringen Es bestehe etwa die Gefahr, dass sich Wildschweine an weggeworfenen Essensresten entlang von Fernstraßen anstecken.

Doppelte Fleischkrise: Bauern fürchten um Existenz

Die Lage für Sachsen-Anhalts Landwirte sei in der Doppelkrise angespannt, warnte Feuerborn. „Viele Betriebe stehen kurz vor der Entscheidung, die Produktion einzustellen“, sagte der Präsident. „Wir wissen nicht, wann wir das Problem der Afrikanischen Schweinepest im Griff haben. Das ist eine existenzielle Frage für Betriebe.“

Die „Gelackmeierten“ seien die Tierhalter - denn der bundesweite Schweinestau werde erst in Monaten aufgelöst sein. Die Schweineindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Sachsen-Anhalt: 1,1 Millionen Tiere gibt es in den Betrieben. Und allein im Tönnies-Schlachthof Weißenfels (Burgenlandkreis) arbeiten 2.200 Mitarbeiter. Anders als in anderen Schlachthöfen in Deutschland musste die Produktion dort bislang nicht heruntergefahren werden.

Die Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking (Grüne) kritisierte gegenüber der MZ: „Die Krise wirft ein Licht auf das labile System der Schweineproduktion in Deutschland.“ Sie forderte einen verlässlichen Markt für Landwirte. „Ein Schwein wird aktuell für 200 Teilmärkte zerlegt, jetzt brechen ganze Teile des Systems zusammen.“ Die aufgeblähte Schweineindustrie bringe aktuell mehr Verlierer als Gewinner hervor und müsse regionalisiert werden. „Das bedeutet: Weniger Produktion, höhere Preise.“ (mz)