Abgasskandal

Abgasskandal: Hat Porsche eine illegale Abschaltung von Audi übernommen?

Leipzig - Der in Leipzig gebaute Cayenne stößt laut Tüv Nord zu viel Stickstoffoxid aus. Hat der Sportwagen-Hersteller eine illegale Abschaltung von Audi übernommen?

Von Steffen Höhne

Der Volkswagen-Abgasskandal weitet sich einem Medienbericht zufolge womöglich auf die Sportwagentochter Porsche aus. Dieselmodelle des im Leipziger Werk gebauten Geländewagens Cayenne sind nach einem Bericht des „Spiegel“ womöglich mit einer illegalen Abschaltevorrichtung der Abgasreinigung versehen. Sie sollen mehr gesundheitsschädliche Stickstoffoxide ausstoßen als erlaubt. Porsche weist den Vorwurf zurück.

Abgasskandal bei Porsche?: Werte liegen über dem für die Typenzulassung geltenden Grenzwert

Die vorliegenden Fakten beruhen auf Angaben eines nicht namentlich genannten Insiders und dem Technischen Überwachungsverein (Tüv Nord). Der Insider hatte einen Hinweis darauf gegeben, dass in der Getriebesoftware des Cayenne ein als Aufwärmmodus getarnter Mechanismus arbeitet. Laut „Spiegel“ zeigen umfangreiche Fahrtests, dass das vermeintliche Aufwärmprogramm nicht bei warmem Motor umgeschaltet wird, sondern sobald der Wagen etwa in Kurven oder am Berg bestimmte Längs- und Querbeschleunigungen registriert. Der Cayenne soll somit auch erkennen, ob er auf einem Prüfstand oder auf der Straße fährt. Als auf einem Prüfstand des Tüv Nord in Essen das Schaltprogramm aktiviert wurde, stiegen die Stickstoffoxid-Emissionen deutlich. „Die bei diesem Test gemessenen Abgaswerte liegen über dem für die Typenzulassung geltenden Grenzwert“, sagte der Tüv-Prüfleiter Helge Schmidt. Damit hätte der Wagen keine Genehmigung von den Zulassungsbehörden erhalten.

Ein Porsche-Sprecher erklärte dem „Spiegel“, der beim Tüv Nord vorgenommene Test sei „für Porsche nicht plausibel nachvollziehbar“. Porsche habe „umgehend eigene Messungen an einem vergleichbaren Fahrzeug durchgeführt“. Dabei seien „die gesetzlich geforderten Stickoxid-Grenzwerte in beiden Schaltprogrammen erfüllt.“

Leidet Porsche unter Fehlern der VW-Tochter Audi?

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen, sagte der MZ: „Man muss sich genau anschauen, welche Modelle getestet wurden.“ Dudenhöffer kann sich nicht vorstellen, dass Porsche aktuell Autos mit einer manipulierten Software ausliefert. Der Sportwagen-Hersteller könnte vielmehr unter Fehlern der VW-Tochter Audi leiden, mutmaßt Dudenhöffer. Porsche selbst stellt nur Benzin-Motoren her, die nicht betroffen sind. Die im getesteten Cayenne V6 TDI verwendeten Diesel-Motoren stammen von Audi und werden dort offenbar auch in den Modellen A8, A7 sowie dem Q7 und Q5 eingesetzt.

Audi und VW hatten Ende 2016 in den USA eine Einigung im Streit um 80.000 manipulierte Dieselfahrzeuge erreicht. Für 20 000 Autos ist der Rückkauf durch den VW-Konzern geplant, für die restlichen 60.000 Wagen ist eine Umrüstung vorgesehen. Es handelte sich dabei um Fahrzeuge mit Drei-Liter-TDI-Motoren, die beim VW Touareg und dem Audi Q7 eingesetzt werden.

Audi: 24.000 Autos werden zurückgerufen

Anfang Juni erklärte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dass Audi eine „unzulässige Abgas-Software“ in den Oberklasse-Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren verwendet habe. Audi-Chef Rupert Stadler beschuldigte daraufhin Dobrindt, den Sachverhalt falsch dargestellt und sich mit der Veröffentlichung auf Kosten Audis profiliert zu haben.

Wenige Tage später ruderte der Audi-Chef zurück. 24.000 Autos werden nun zurückgerufen. Laut Darstellung der VW-Tochter handelt es sich um „einen technischen Fehler“, nicht um eine absichtliche Manipulation der Abgaswerte. Laut Audi ist dafür die Getriebesoftware verantwortlich, die bei Automatikgetrieben die Schaltvorgänge regelt. Ist das die gleiche Getriebesoftware wie beim nun getesteten Porsche Cayenne? Auf Porsche, Audi und VW werden in dieser Woche viele Fragen zukommen. (mz/rtr)