Kommentar zum Abgasskandal

Abgasskandal: Dreister Betrug der Autobauer – billigend Schäden in Kauf genommen

Berlin - Autobauer kooperieren schon immer miteinander, und zwar da, wo es allen nutzt. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch legitim. Es kann die Effizienz erhöhen, das hilft Kosten zu senken, etwa wenn Komponenten, die alle brauchen, standardisiert werden. Doch die Praktiken der Manager der fünf großen Marken (VW, Mercedes, BMW, Audi, Porsche) gehen weit darüber hinaus.

Von Frank-Thomas Wenzel
Hohe Belastungen für die Umwelt und gesundheitliche Schäden für Millionen von Menschen wurden billigend in Kauf genommen. (Symbolbild)
Hohe Belastungen für die Umwelt und gesundheitliche Schäden für Millionen von Menschen wurden billigend in Kauf genommen. (Symbolbild) imago stock&people

Die deutschen Autobauer haben im Abgasskandal nicht nur gelogen und betrogen. Sie haben das auch noch kühl kalkulierend untereinander abgesprochen und geplant. Wundert uns das? Nicht unbedingt. Aber die Kaltschnäuzigkeit, mit der das geschah, ist schon erstaunlich. Klar ist aber seit Jahren: Die Manipulationen bei den Abgasen sind ein branchenweites Phänomen. Die Beteuerungen von Managern, es handele sich um verzweifelte Einzeltaten von überforderten Ingenieuren, gehören ins Reich der Märchen.

Autobauer kooperieren schon immer miteinander, und zwar da, wo es allen nutzt. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch legitim. Es kann die Effizienz erhöhen, das hilft Kosten zu senken, etwa wenn Komponenten, die alle brauchen, standardisiert werden. Doch die Praktiken der Manager der fünf großen Marken (VW, Mercedes, BMW, Audi, Porsche) gehen weit darüber hinaus. Sie haben sich abgesprochen, wie schnell und in welche Richtung Technologie entwickelt wird.

Große Schäden in Kauf genommen

Und dabei auch definiert, dass man es mit der Abgasreinigung nicht so genau nimmt, und die Tanks zum Neutralisieren der giftigen Stickoxide bewusst zu klein dimensioniert, um Kosten und Platz zu sparen. Dabei haben die Manager sehenden Auges hohe Belastungen für die Umwelt und gesundheitliche Schäden für Millionen von Menschen billigend in Kauf genommen. Zu so viel Zynismus muss man erst einmal in der Lage sein. 

Die Konsequenz kann für die Politik nur sein, Kontroll- und Aufsichtsmechanismen deutlich zu verschärfen. Denn in kaum einer anderen Branche ist die Vernetzung von Herstellern und Zulieferern zu intensiv. Das wird sich in Zukunft mit der Elektromobilität und dem autonomen Fahren sogar noch verstärken. Das macht die Branche immer anfälliger für Verstöße gegen die Regeln des Wettbewerbsrechts.