„Ich würde nie behaupten, dass ich Ostdeutscher sei“

Ramelow verteidigt Anti-Wessi-Plakat

Von Kai Gauselmann
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat kein Problem mit der umstrittenen Aktion seiner Parteifreunde in Sachsen-Anhalt. (Foto: dpa/archiv)

Halle (Saale) - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat seinen Parteifreunden in Sachsen-Anhalt in der Debatte um ein umstrittenes Anti-Wessi-Wahlplakat den Rücken gestärkt. „Ich habe mich amüsiert über das Plakat und habe mich darüber lustig gemacht“, sagte Ramelow im Interview mit der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Freitagausgabe).

Auf dem umstrittenen Plakat sieht man ein Kind, das einen großen Hund an der Leine hält  und dazu den Slogan „Nehmt den Wessis das Kommando“.  Der gebürtige Westdeutsche Ramelow hat nach eigenen Angaben ein Bild seines Jack-Russel-Terriers „Attila“ und den Spruch „Wenn die Politik auf den Hund kommt, dann darf auch der Wessi an die Leine“ an die kritisierte Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern geschickt – und an Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU). Der habe ihn nämlich zuvor mit Verweis auf das Anti-Wessi-Plakat aufgefordert,  „ich soll mich an die Weisung meiner Partei halten“, sagte Ramelow der Zeitung.

Ramelow verteidigt "Wessi"-Plakat der Linken in Sachsen-Anhalt

Ramelow verteidigte das Plakat auch aus inhaltlichen Gründen. „Wichtig ist aber doch die Botschaft: Die Lebenswirklichkeit im Osten ist so, dass an vielen  Schaltstellen gebürtige Westdeutsche sitzen“, sagte er. Es habe ja in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung „ein Elitenaustausch“ stattgefunden. Eine „Ossi-Quote“ lehnt Ramelow allerdings ab. Auch von „einer Benachteiligungsdebatte halte ich nichts, die führt ja nicht zu einer Bevorzugung“.

Man müsse aus den ostdeutschen Erfahrungen auch Stolz ziehen, so der Politiker. „Zum Beispiel für eine Schwester Agnes lohnt es sich zu kämpfen, für eine POS lohnt es sich zu kämpfen. Wir können den Westdeutschen Dinge zeigen, die besser sind als bei ihnen. Mir geht es nicht darum, wo einer geboren wurde, sondern was er einbringen kann für dieses Land“, sagte Ramelow dem Blatt.

Auf die Frage, ob er sich nach mehr als 30 Jahren in Thüringen als Ossi oder Wessi fühle, antwortete Ramelow: „Ich fühle mich als Bürger Thüringens. Ich würde nie behaupten, dass ich Ostdeutscher sei. Von einer original ostdeutschen Identität rede ich auch nicht bei Unter-Dreißigjährigen.“ (mz)