Neue Chancen - neue Risiken?

Neue Chancen - neue Risiken?: Mit der App zum gläsernen Patienten

Berlin - Es gibt mehr als 100.000 Gesundheits-Apps. Die Gesundheitspolitik erwartet sich einiges von Minicomputern und entsprechenden Anwendungen. Allerdings stünden klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Patienten, Ärzte und Hersteller noch aus, sagt die ...

Von Ruppert Mayr 22.08.2016, 19:46
Eine Mitarbeiterin der Firma Arival demonstriert in Köln eine App, die die Daten eines Fitnessarmbandes anzeigt und auswertet.
Eine Mitarbeiterin der Firma Arival demonstriert in Köln eine App, die die Daten eines Fitnessarmbandes anzeigt und auswertet. dpa

Es gibt mehr als 100.000 Gesundheits-Apps. Die Gesundheitspolitik erwartet sich einiges von Minicomputern und entsprechenden Anwendungen. Allerdings stünden klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Patienten, Ärzte und Hersteller noch aus, sagt die Bundesregierung.

Wird der Datenschutz von solchen Apps eingehalten?

Häufig nicht, sagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Bei Datenschutzerklärung und Einwilligung der Nutzer fehlt oft Transparenz. Und wenn Daten im Ausland gespeichert werden, ist die Nutzung nicht dem deutschen Datenschutzrecht unterworfen.

Bieten Krankenkassen mehr Datenschutz als Google und Co.?

„Absolut! Hier ist der Umstand, dass die Krankenkassen als Körperschaften öffentlichen Rechts stark reguliert sind, mal ein Vorteil“, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas. „Und wir unterliegen dem deutschen Datenschutzrecht, das zu den strengsten der Welt gehört.“

Geben Versicherte ihre Daten an Krankenkassen weiter?

Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom würde ein Drittel der befragten Nutzer Gesundheitsdaten an Krankenkassen weitergeben, etwa um im Gegenzug Vorteile zu erhalten. Allerdings sehen nach einer anderen Studie im Auftrag des Justizministeriums 39 Prozent der Befragten in der Nutzung ihrer Daten durch Dritte ein Problem. In der Tat könnte auf diesem Wege unter anderem eine Risikobewertung der Versicherten durch die Krankenversicherung vorgenommen werden und damit über eine Aufnahme oder Ablehnung entschieden werden.

Gewähren Krankenkassen Vorteile?

Als eine der ersten gesetzlichen Krankenkassen denkt die TK darüber nach, die Nutzung von Fitnessarmbändern zur gesundheitlichen Förderung in ihr Bonusprogramm zu integrieren. Allerdings stellte TK-Chef Baas klar, die Teilnahme sei freiwillig. „Mit Risikobewertung hat das nichts zu tun.“ Anders als die private nehme die gesetzliche Krankenversicherung keine Risikoprüfung ihrer Versicherten vor.

Gibt es Vorbehalte der Versicherer gegen Fitnessarmbänder?

Ja, sowohl bei gesetzlichen wie bei privaten. Die Allianz argumentiert, die Gruppe der Bewegungsfreudigen sei zu klein. Die Beitragsersparnis durch Fitnessapps läge im Promillebereich.

Die DKV Deutsche Krankenversicherung aus der Ergo Gruppe meint, die Menschen sähen mehrheitlich keinen Nutzen im Gebrauch der Wearables. In ihrem jüngsten Report gaben sechs Prozent der Befragten an, ein Fitnessarmband zu besitzen. Drei von zehn Besitzern benutzen es aber nicht mehr, weitere 16 Prozent haben es noch nie genutzt.

Sind solche Gesundheits-Apps eigentlich verlässlich?

Die Ungenauigkeiten bei der Anzeige von Puls, Bewegung, Kalorienverbrennung oder Ähnlichem sind immer noch sehr groß. Experten warnen, durch Fehlfunktionen könne es zu gesundheitsgefährdendem Verhalten kommen.  (dpa)