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Nach Brandanschlag in Tröglitz Nach Brandanschlag in Tröglitz: Landrat wird massiv bedroht

Von Torsten Gerbank 06.04.2015, 17:33
Landrat Götz Ulrich bekommt nach dem Brandanschlag in Tröglitz Morddrohungen, weil er sich weiter für die Aufnahme von Asylbewerbern einsetzt.
Landrat Götz Ulrich bekommt nach dem Brandanschlag in Tröglitz Morddrohungen, weil er sich weiter für die Aufnahme von Asylbewerbern einsetzt. dpa Lizenz

Naumburg - Von Morddrohungen ist im Internet die Rede, von „Drohungen gegen ihn“ spricht Götz Ulrich (45). Der CDU-Politiker und Landrat des Burgenlandkreises hat in den vergangenen Tagen - seit er immer wieder bekräftigt, dass im Burgenlandkreis trotz einiger Proteste an der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen festgehalten wird - sehr viel elektronische Post bekommen.

„Lasse mich nicht einschüchtern“

Er spricht von E-Mails, die ihm Mut machen, aber auch von den unschönen, mit deren Hilfe der Landrat ganz offensichtlich eingeschüchtert werden soll. Ulrich bestätigt, dass ihm mit „Methoden der Französischen Revolution“ gedroht worden ist. Möglicherweise wollte der Absender damit auf das Töten mit der Guillotine hinaus. Die Hinrichtungsmaschine ist erstmals während der Französischen Revolution eingesetzt worden.

Ulrich bleibt jedoch ruhig: „Ich finde das nicht besonders angenehm, aber ich überbewerte das auch nicht“, sagt er. Und überhaupt habe ja die Französische Revolution auch drei große gute Prinzipien: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. „Wenn ich es positiv auslege, und es läuft auf Brüderlichkeit hinaus, dann habe ich damit auch kein Problem“, so Ulrich. Hat er Angst um seine Familie? „Im Moment geht es uns noch gut. Ich habe keine große Angst, um die Familie sorge ich mich dennoch“, sagt Ulrich.

Ulrich versichert, er werde sich nicht einschüchtern lassen. Und er verweist auf demokratische Strukturen, Entscheidungen seien demokratisch im Kreistag getroffen worden. Im Burgenlandkreis gebe es eine breite Mehrheit, von der CDU bis zu den Linken, die das Konzept der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen unterstützt. „So lange es diesen Konsens gibt, ist mir nicht bange“, so der Landrat.

Wie Ulrich sieht auch das Landeskriminalamt (LKA) in den Mails keine direkte Morddrohungen gegen den Landrat. LKA-Sprecher Andreas von Koß bestätigte aber, dass ermittelt wird: „Wir sind im Kontakt mit dem Landrat, das weitere Vorgehen wird abgesprochen.“

Ulrich soll nach Angaben des Innenministeriums Polizeischutz erhalten. Ähnliche Schutzmaßnahmen gibt es auch für den zurückgetreten Tröglitzer Ortsbürgermeister Markus Nierth, der vor kurzem Morddrohungen erhalten hatte.

Veränderte Bedrohungslage

Bereits während einer Pressekonferenz in der Polizeidirektion in Halle am Sonnabend hatte Karl-Heinz Willberg, Ministerialdirigent im Innenministerium des Landes, gesagt, dass mit dem Brandanschlag in Tröglitz die Bedrohungslage im Land verändert worden ist. Polizei und Landespolizei gingen von einer verschärften Bedrohungssituation aus. Darauf werde man reagieren. (mz)